Stadtverordnete suchen Lösung

Dietzenbach: Anwohner fordern Verkehrsberuhigung „Am Stadtpark“

Immer geradeaus: Die Straße „Am Stadtpark“ lädt nach Meinung von Anwohnern und Politik zum Rasen ein. Das soll sich ändern.
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Immer geradeaus: Die Straße „Am Stadtpark“ lädt nach Meinung von Anwohnern und Politik zum Rasen ein. Das soll sich ändern.

In einem Dietzenbacher Wohngebiet fühlen sich Anwohner von Rasern gestört und fordern die Politik zum Handeln auf. Nun haben die Stadtverordneten reagiert.

Dietzenbach – Raser sind nicht erst seit gestern ein Thema in Dietzenbach. Und doch kam die Nachricht „wie der Blitz aus heiterem Himmel“, sagt Dr. Erich Wutzke. Die Nachricht von der er und sein Mitstreiter Horst Staudacher, die beide angrenzend an die Straße „Am Stadtpark“ wohnen, sprechen, ist ein Beschluss der Stadtverordneten aus deren jüngster Versammlung. Seit Längerem machen sich die beiden Anwohner für eine Entlastung des Wohngebiets stark, bislang aber wenig von Erfolg gekrönt. Neben dem täglichen Bring- und Holverkehr rund um den Montessori-Campus stören sich Wutzke und Staudacher vor allem an Rasern, die „die Straße ,Am Stadtpark’ zu Dietzenbachs Rennstrecke Nummer eins“ machten. Und eben auf dieser Straße sowie auf dem Theodor-Heuss-Ring soll Rasern nun endlich der Zahn gezogen werden. So zumindest der Plan der Politik.

Die Stadtverordneten hatten einstimmig auf Initiative von CDU und FDP den Magistrat beauftragt, sich Angebote zur Verkehrsberuhigung von Theodor-Heuss-Ring und der Straße „Am Stadtpark“ von verschiedenen Planern einzuholen und diese dann dem Parlament vorzulegen. In den Angeboten sollen Gesamtkosten zur Erstellung eines Konzepts enthalten sein, das aufs Beruhigen und Reduzieren des Verkehrsaufkommens sowie das Einhalten von vorgegebenen Geschwindigkeitsbegrenzungen gerichtet ist. Auch sollen die Bedürfnisse von Radfahrern beachtet und das Hauptaugenmerk auf Kosteneffizienz gelegt werden.

Für Wutzke und Staudacher „reines Wahlkampfgetöse“. „Nun zum Wahlkampf stecken sie die Köpfe aus den Löchern.“ Die Angebote einzuholen dauere, dann sei der Wahlkampf vorbei „und dann schlafen sie weiter“, mutmaßt Wutzke. Beide hatten sich mehrfach an Stadt und Fraktionen gewandt, um an der Rasersituation etwas zu ändern und das Verkehrsaufkommen an der Straße zu reduzieren. „Von keiner Fraktion kam eine Antwort“, sagt Wutzke rückblickend auf den vergangenen Winter. Auf die Frage an den Bürgermeister, was denn mit dem Gutachten sei, habe der lediglich in einer knappen Antwort auf die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung (im Dezember 2019, Anm. d. Red.) verwiesen. „Dann kam nichts mehr.“

Aus dem „teuren Gutachten“, das seinerzeit vom Verkehrsplanungsbüro Köhler und Taubmann vorgelegt wurde und vier Alternativen unter die Lupe nimmt, wie die Steinberger Wohngebiete westlich der Offenbacher Straße entlastet und an die B 459 angebunden werden könnten, sei nichts geworden, konstatieren Wutzke und Staudacher achselzuckend. Tatsächlich wurde das Gutachten von den Stadtverordneten diskutiert. Daraus folgende Anträge der Fraktionen kamen bis zuletzt aber nicht. Aus Kostengründen, so die Tendenz damals, wurde keine der genannten Möglichkeiten in Erwägung gezogen. Und auch weil das Verkehrsbüro „von einem nicht zufriedenstellendem Ergebnis“ sprach und keine der vier Varianten zur Umsetzung empfehlen konnte.

„Reinste Steuerverschwendung“, meinen die beiden Anwohner über das Gutachten. „Unsere Erregung ist groß, weil überhaupt nichts gemacht wurde“, sagt Staudacher. „Zwei Drittel aller Kinder besuchen Schulen im Nordwestbereich der Stadt, dabei ist das das einzige Gebiet, das keine Anbindung an die Bundesstraße hat“, sagt Staudacher. Als coronabedingt der Unterricht auf dem Montessori-Campus ausfiel, habe man die Entlastung „Am Stadtpark“ deutlich gespürt. Noch ist die Hoffnung bei beiden da, dass sich etwas ändert.

Die Politik zeigt sich jedenfalls entschlossen. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Dr. Sven Hartmann sagt auf Nachfrage, er könne die Anwohner schon verstehen, immerhin habe er selbst an der Adolph-Kolping-Straße gewohnt und wisse um die Raser dort. Aber jenes Gutachten habe gezeigt, dass jede der vier Möglichkeiten die Wohngebiete im Endeffekt mehr belasten würden, argumentiert Hartmann. Daher habe man die Varianten nicht in Erwägung gezogen. Nun müsse man schauen, mit anderen Maßnahmen eine Lösung zu finden.

Mit Wahlkampf habe der Vorstoß nichts zu tun, betont auch CDU-Stadtverbandsvorsitzende Christoph Mikuschek. Vielmehr habe die erste Version des Antrags, die sich zunächst auf eine Entschärfung des Theodor-Heuss-Ringes beschränkte, schon im August vorgelegen, weil es dort ständig zu Geschwindigkeitsüberschreitungen und „knatternden Motoren“ komme. Die Straße „Am Stadtpark“ hinzuzunehmen habe sich in den Ausschussgesprächen herauskristallisiert. Auch dort müsse gehandelt werden, meint Mikuschek: „Man muss sich nur ans Pakcafé stellen und die Autos beobachten. Das vorgeschriebene Tempo 30 ist bei vielen schon am Seniorenheim überschritten.“ Zudem herrsche dort in den Morgenstunden wegen der Montessori-Schule hohes Verkehrsaufkommen und die schwächeren Verkehrsteilnehmer kreuzten die Straße: „Wir wollen eine gemeinsame Lösung finden“, sagt Mikuschek. Und dass der Antrag eine breite Zustimmung bekommen habe, zeige, „dass alle ein Interesse haben, daran etwas zu ändern“.

Nun gilt es, den Worten Taten folgen zu lassen. Vonseiten der Stadt heißt es allerdings: „Eine Angebotsaufforderung bei Planungsbüros bedarf einer gründlichen Vorbereitung, zumal die genannten Ziele vielschichtig sind.“ Aufgrund des verkehrsplanerischen Umfanges und der Erfahrung, dass zum Jahresende Planungsbüros sehr ausgelastet seien, könne die Verwaltung derzeit noch keine konkrete Aussage zur Zeitplanung treffen.

Von Ronny Paul

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