Alte Bauernregel bewahrheitet sich

Im Dietzenbacher Obst- und Gartenbauverein blüht es in diesem Jahr später

Vorsitzender Reinhard Hagen (links) sowie Edgar Hang und die übrigen Mitglieder haben auch während Corona im Vereinsgarten immer etwas zu tun.
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Vorsitzender Reinhard Hagen (links) sowie Edgar Hang und die übrigen Mitglieder haben auch während Corona im Vereinsgarten immer etwas zu tun.

„Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist.“ Dass diese Bauernregel der Wahrheit entspricht, bemerkt jeder Pflanzenfreund derzeit an verspäteter Blüte. Sophie, die letzte der fünf Eisheiligen, hatte ihren Namenstag am 15. Mai. Doch auch Laien dürfte der lange Besuch der „Kalten Sophie“ in diesem Jahr nicht entgangen sein.

Dietzenbach – „Die Natur ist in diesem Jahr ungefähr zwei Wochen später erwacht“, bestätigt Bernd Weber vom Obst- und Gartenbauverein Dietzenbach (OGV). Zum Apfelblütenfest, das der Verein normalerweise Ende April ausrichtet, seien dennoch einige Bäume schon passend gekleidet gewesen. Pandemiebedingt mussten die Mitglieder und Besucher auch diesmal verzichten, gewerkelt wird im Vereinsgarten trotzdem fleißig. „Unkraut lässt sich von Corona nicht beeindrucken“, meint der Vorsitzende Reinhard Hagen.

So behalten die OGVler ihren Vereinsgarten am Hessentagspark im Blick. Dort wird gepflügt, da wird gerupft und auch kleine gestreifte Helfer summen durch die zurückgeschnittenen Äste. Während die Birnenbäume ihr Blütenkleid bereits abgelegt haben, finden sich an den Apfelbäumen noch einige rosafarbene Blüten.

Der Lehrgarten ist nach dem Hessentag 2001 eingeweiht worden und feiert somit demnächst sein 20. Jubiläum. Entsprechend alt sind die Bäume, die dort in Reih’ und Glied stehen. „Manche mussten wir aber schon ersetzen – aber dabei achten wir darauf, eine alte Apfelsorte nachzupflanzen“, erläutert Hagen, während er durch die Baumreihen streift. Dort stehen Melrose und Karneval nebeneinander, gegenüber wird es im Herbst Boskop geben. Mit einem langen, würdigenden Blick betrachtet er die Quitte, die gerade in voller Blüte steht. Ein kompakter, hübscher Baum. „Der eignet sich auch für den Vorgarten“, findet Hagen.

Zwar betreuen die OGVler lediglich den Vereinsgarten und sorgen für dessen Pflege, dennoch streuen sie ihr Wissen gerne über den Gartenzaun hinaus. Vizevorsitzender Gerhard Nenner erzählt: „Wir geben an verschiedenen Stellen Schnittkurse für Obstbäume, die sind sehr gefragt.“ Sie seien in erster Linie Ansprechpartner in Gartenfragen, wollen gleichzeitig aufklären. „Dass hier zum Beispiel Bienen stehen, hat ja einen Grund“, sagt Hagen. Sie bestäuben die Obstbäume. „Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass im Grunde die Landwirtschaft vom Bestäuben abhängt“, so Hagen weiter. Er freue sich schon, wenn er dieses Wissen wieder an Schulklassen und Kindergartengruppen weitergeben kann.

Gerne geben die Mitglieder Tipps, wie sich der eigene Garten etwa bienenfreundlich gestalten lässt. Wer keinen Platz für eine Quitte hat, könne „mit allem, was blüht, helfen“. Reinhard Hagen deutet auf die Beete, die sich am Eingangstor des Vereinsgartens befinden. „Das ist unser Kräutergarten und dort entsteht eine Wildblumenwiese, wo letztes Jahr noch Kartoffeln gewachsen sind.“ Die unterschiedliche Bepflanzung von Jahr zu Jahr macht den Boden nährstoffreicher, die Ernte somit üppiger. In Hochbeten zieht der OGV verschiedene Gemüsesorten und Salat.

Ein weiteres Schmankerl: die Weinreben. Trauben sind Bestandteil des Dietzenbacher Wappens. „Der Wingertsberg ist der kleinste offizielle Weinberg Deutschlands“, berichtet Bernd Weber. Die rund 40 Reben im Vereinsgarten seien jedoch mehr symbolisch. Jährlich keltern die Mitglieder immerhin etwa 100 Liter Rotwein, der unter den rund 160 Mitgliedern verteilt oder bei Vereinsfesten ausgeschenkt werde. (Von Lisa Schmedemann)

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