Wahrzeichen vor Abriss bewahrt

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Das Alte Rathaus ist quadratisch, zweigeschossig und denkmalgeschützt.

Dietzenbach - „Das markant den Straßenraum akzentuierende Gebäude ist ein für das ausgehende 19. Jahrhundert typischer Vertreter des Historismus. Es hat über 80 Jahre der Gemeinde als Rathaus gedient, und im Keller war ab 1928 das Gemeindebad integriert. Von Christoph Zöllner

Von daher ist es von besonderer ortsgeschichtlicher Bedeutung, darüber hinaus hat es architektonisch gestalterischen Wert und eine besondere städtebauliche Relevanz. “ So beschreibt das Landesamt für Denkmalpflege das Alte Rathaus an der Ecke Darmstädter/Frankfurter Straße. Grund: Auf Initiative des Heimat- und Geschichtsvereins ist das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt worden.

Das Alte Rathaus ist in bester Gesellschaft. Neben der Christuskirche mit dem Pfarrhaus stehen in Dietzenbach 15 Fachwerkhäuser und Hofreiten sowie der Bahnhof aus dem Jahr 1898 unter Denkmalschutz, wie Bezirksbodendenkmalpfleger Udo Schreiber auf Anfrage mitteilt. Das in den Jahren 1894 und 1895 errichtete Alte Rathaus war in den vergangenen Monaten in die Schlagzeilen geraten, da die Stadt – wie auch bei anderen Immobilien – einen Verkauf erwägt.

Bürgermeister Jürgen Rogg nicht gerade entzückt

Daher ist Bürgermeister Jürgen Rogg auch nicht gerade entzückt von der Initiative des Heimatvereins und der Entscheidung der Denkmalpfleger. „Ich fand den Zeitpunkt nicht sonderlich glücklich“, sagt Rogg. Die Stadt hat inzwischen einen Brief an das Landesamt geschrieben und gefragt, warum es das Alte Rathaus unter Denkmalschutz gestellt hat und welche Folgen damit verbunden sind. Ob sich dadurch potenzielle Käufer abgeschreckt fühlen könnten, kann Rogg nicht einschätzen. „Ich weiß aber auch nicht, ob es hier einen Markt für ein denkmalgeschütztes Gebäude gibt“, sagt Rogg.

Der Heimatverein hatte am 5. April den Bürgermeister von seinem Vorhaben unterrichtet und um eine Stellungnahme gebeten. „Wir wollten verhindern, dass das Alte Rathaus abgerissen wird“, betont Werner Jünger, Vorsitzender des Heimatvereins, auf Anfrage. Ihm seien entsprechende Gerüchte zu Ohren gekommen. Da der Heimatverein auch nach vier Wochen noch keine Antwort vom Bürgermeister erhalten hatte, schrieb der Heimatverein direkt an die Denkmalschutzbehörde in Wiesbaden. Die schickte auch noch im Mai einen Mitarbeiter vorbei, der nach einer Besichtigung des ehemaligen Rathauses auch prompt feststellte, dass es sich „eindeutig um ein Kulturdenkmal gemäß Paragraf 2.1 des Hessischen Denkmalschutzgesetz handelt“.

Liste der denkmalgeschützten Gebäude

Erst zwei Tage darauf, so Jünger, habe sich Bürgermeister Rogg schriftlich an den Heimatverein gewandt. Der Magistrat, berichtete Rogg, habe über das Anliegen des Heimatvereins gesprochen, dessen Motivation aber nicht teilen können. Dass die Stadt den Eintrag des Alten Rathauses in die Liste der denkmalgeschützten Gebäude noch rückgängig machen kann, ist so gut wie ausgeschlossen. Sie könnte zwar klagen, wie Schreiber erläuterte, allerdings müsste sie dann auch stichhaltige Begründungen liefern.

Indes macht Schreiber der Stadt Hoffnungen hinsichtlich der Verkaufsaussichten für das denkmalgeschützte Rathaus. Zwar dürfte ein Käufer das Gebäude nicht aufstocken oder die Fassade verändern und müsste geplante Veränderungen immer mit der Unteren Denkmalschutzbehörde absprechen, allerdings gibt es auch Vorteile: Bei einem Umbau, etwa einem Austausch von Fenstern, Bad oder Heizung, kann der Besitzer die Kosten erhöht steuerlich absetzen und Zuschüsse aus Landesmitteln beantragen. „Wir beraten sehr gut“, sagt Schreiber.

„Das Alte Rathaus ist eine historische Stätte“

Und so könnte sich mit der Entscheidung vielleicht auch noch der Bürgermeister anfreunden, der sich von Seiten der Stadtverordneten wieder mehr Freiheiten wünscht, um Vorverhandlungen mit Kaufinteressenten führen zu können. „Das Alte Rathaus ist eine historische Stätte. Insofern ist das Ansinnen des Heimatvereins nachvollziehbar“, meint Rogg, der sich demnächst mit dem Vorstand treffen will.

Jünger freut sich derweil über die rasche Entscheidung der Denkmalpfleger, die auch einen Abriss eines angrenzenden kleinen Gebäudes ausschließt. Wie heißt es doch in der Beschreibung der Denkmalpfleger: „Über den nordwestlich gelegenen Hof ist noch der niedrige Anbau der ehemaligen Arrestzellen erhalten, der zur Straße durch eine Giebelwand mit horizontalem Abschluss betont wird.“ Unterm Strich gewinnen doch alle durch die Initiative, meint Jünger: „Das Alte Rathaus ist für die Dietzenbacher ein Wahrzeichen.“

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