Amigo-Spieleredakteur seit fast 25 Jahren Teil des Dietzenbacher Verlags

Am Küchentisch hat’s angefangen

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Auf dem Boden spielen Uwe Mölter (links) und Andreas Böhm von Amgio „Icecool“, das Kinderspiel des Jahres. Genau so hatte der Spieleredakteur auch den Prototypen getestet, weil damals kein Tisch mehr frei war.

Dieteznbach - Bis zu 20 Spiele bringt der Amgio-Verlag jährlich in die Regale der Geschäfte. Den Weg von der Idee bis zum Klingeln der Kassen geht Spieleredakteur Uwe Möller mit den Figürchen, Karten und Erfindern. Von Carolin Henneberg 

Tierarzt, Theologe, Taxifahrer und Bauingenieur – alles Berufe, die man nicht unbedingt mit dem Entwickeln von Brett- und Kartenspielen in Verbindung bringt. Und trotzdem gehören sie heute zur fünfköpfigen Redaktion des Amigo-Verlags. Uwe Mölter passt da schon besser ins Bild. Der 64-Jährige ist gelernter Sozialpädagoge mit dem Schwerpunkt Spielpädagogik und der dienstälteste Redakteur im Team. „Es gibt keine Ausbildung für diesen Beruf“, erklärt Mölter. Deswegen kämen Quereinsteiger aus allen möglichen Spaten. Gemein sei ihnen aber die Liebe zum Spiel. „Bei mir zieht sich das Thema wie ein roter Faden durchs Leben“, sagt der Familienvater. Während seiner Zeit als Pädagoge habe er etwa im Kinderheim, Seniorenzentrum und in einer Schule für Kinder mit Behinderung gearbeitet – dabei hätten ihn Spiele aller Art immer begleitet.

Alle 14 Tage treffen sich die Amigo-Mitarbeiter außerdem zum gemeinsamen Spielenachmittag. Dort ist dann auch Andreas Böhm mit von der Partie. Der 27-Jährige kümmert sich im Unternehmen unter anderem um die Pressearbeit. „An diesen Nachmittagen geht’s natürlich oft um unsere eigenen Spiele, aber auch Produkte von anderen Herstellern schauen wir uns an.“ Man müsse schließlich immer wissen, was die Konkurrenz so treibt.

Vor fast 25 Jahren hat sich Mölter, der die meiste Zeit in Dortmund lebt, dem Verlag angeschlossen. An das erste Spiel, an dem er als Redakteur beteiligt war, kann er sich noch gut erinnern: „Das war ,Medici’ von Reiner Knizia.“ Gemeinsam mit Geschäftsführer Uwe Pauli habe er die Idee des Autors am heimischen Küchentisch besprochen und weiter entwickelt. „Damals waren wir vielleicht fünf, sechs Mitarbeiter“, erzählt Mölter, der, egal bei welchem Spiel, am liebsten die roten Figürchen über die Felder zieht. „Es ist wunderbar, zu sehen, wie das Unternehmen gewachsen ist.“ Mittlerweile arbeiten rund 50 Menschen für Amigo.

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Bis ein Spiel letztendlich im Regal steht, oder bei Amazon bestellt werden kann, können bis zu zwei Jahre verstreichen. „Wir bekommen die Idee von den Autoren, oft auch schon einen Prototypen“, erklärt der 64-Jährige. Wenn das Ganze gefällt, beginnt ein Verlags-Team, die Idee weiterzuentwickeln. In den seltensten Fällen komme ein Spiel eins zu eins so auf den Markt, wie es sich der Autor ausgedacht hat. Im Verlag kreiert man das Design, schreibt die Spielregeln und lässt alles Produzieren.

Auch an „Icecool“ hat der Verlag rund zwei Jahre lang gearbeitet. „Ich kann mich noch gut erinnern, als ich den Prototypen zum ersten Mal gesehen und getestet habe“, sagt der Redakteur. Es sei bei einem Exporttreffen gewesen. „Alle Tische waren voll, überall standen unsere Spiele.“ Gemeinsam mit Autor Brian Gomez, der den Prototyp dabei hatte, hat sich Mölter auf den Flurboden gesetzt, hat sich die Regeln erklären lassen und dann begonnen, die Pinguinfiguren übers Spielfeld zu schnipsen. „Ich war sofort begeistert davon.“ Und sein Empfinden traf auch den Nerv der Kunden, denn Icecool wurde, wie berichtet, zum Kinderspiel des Jahres gewählt. Eine neue Errungenschaft für Mölters Sammlung, denn Zuhause in seinem Dortmunder Arbeitszimmer stapeln sich die bunten Kartons schon an den Wänden entlang bis unter die Decke: „Ich hab’ von jedem unserer Spiele ein Exemplar.“

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