Trystan Pütter startet Aktion

Hilfsaktion „Los für Lesbos“: Auch Jürgen Klopp und 007 helfen

Los für Lesbos: Trystan Pütter und Volker Bruch verlosen persönliche Gegenstände von Prominenten.
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Los für Lesbos: Trystan Pütter und Volker Bruch verlosen persönliche Gegenstände von Prominenten.

Der Schauspieler und frühere Dietzenbacher Trystan Pütter hat gemeinsam mit seinem Kollegen Volker Bruch die Hilfsaktion „Los für Lesbos“ ins Leben gerufen. Unter den Unterstützern sind einige Prominente.

Dietzenbach – Als Schauspieler ist der ehemalige Waldorfschüler und frühere Dietzenbacher Trystan Pütter mittlerweile berühmt geworden. Kinobesucher könnten ihn zum Beispiel aus dem preisgekrönten Film Toni Erdmann kennen, Fernsehzuschauern und Serienfans dürfte er aus den Produktionen Babylon Berlin, Bad Banks oder den Ku’damm-Reihen bekannt sein.

Seinen Bekanntheitsgrad nutzt der gebürtige Frankfurter nun, um auf das Leid von Menschen aufmerksam zu machen, deren Schicksal seiner Meinung nach in der Corona-Krise gänzlich in Vergessenheit gerät: „Schon vor Ausbruch der Pandemie hat sich außer den engagierten Hilfsorganisationen kaum jemand um die Flüchtlinge auf den griechischen Inseln geschert“, sagt er. Zwar sei durch den Brand des Flüchtlingslagers Moria kurzzeitig das Schicksal der Menschen in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, inzwischen sei das Mitgefühl der Allgemeinheit mit den Geflüchteten aber wieder verschwunden, bedauert der 39-Jährige.

Jürgen Klopp, Elyas M’Barek und Daniel Craig unterstützen Aktion des ehemaligen Dietzenbachers

Gemeinsam mit Volker Bruch hat Trystan Pütter die Aktion „Los für Lesbos“ ins Leben gerufen. Die beiden Schauspieler machten sich auf die Suche nach namhaften Unterstützern und fanden 25 Prominente, die persönliche Objekte verlosen – der komplette Erlös wird für Flüchtlingsprojekte gespendet. So gibt es zum Beispiel ein vom Hollywood-Star und James-Bond-Darsteller Daniel Craig signiertes Exemplar des limitierten Bildbands „James Bond Archives“ zu gewinnen, Fußballer David Alaba verlost seine maßgefertigten Fußballschuhe aus der Triple-Saison 2019/2020 und Trainer Jürgen Klopp spendet seine persönliche Meisterschaftskappe und die Brille von seiner ersten Pressekonferenz beim FC Liverpool. Auch Bill Kaulitz von Tokio Hotel, Michi Beck von den Fantastischen Vier, Ski-Legende Felix Neureuther, Tennisspielerin Andrea Petkovic, TV-Entertainer Klaas Heufer-Umlauf oder Schauspieler Elyas M’Barek haben persönliche Gegenstände zur Verfügung gestellt.

Außerdem versuchen die Unterstützer der Aktion, mit Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen aufzuräumen. In kurzen Video-Stellungnahmen entkräften sie gängige Parolen über Geflüchtete und liefern dazu Fakten: „Wir sind nicht an allen Fluchtgründen Schuld, aber an vielen. Zum Beispiel indem wir Waffen an Staaten liefern, die an großen Kriegen beteiligt sind“, sagt Trystan Pütter und fragt: „Würdest du für einen Diktator eine Waffe in die Hand nehmen? Würdest du auf unschuldige Menschen schießen oder sie bombardieren? Oder würdest du versuchen zu fliehen? Wir sollten doch jedem Menschen dankbar sein, der keine Waffe in die Hand nimmt, um für Diktatoren oder mordende Milizen zu kämpfen. Und wir sollten diesen Menschen Schutz gewähren.“

Hilfsaktion: Trystan Pütter besucht Flüchtlinge auf Lesbos

Doch Trystan Pütter ist nicht nur Initiator der Hilfsaktion „Los für Lesbos“, im Sommer hat er nach dem Brand des Lagers außerdem auf eigene Faust die griechische Mittelmeerinsel Lesbos besucht, um sich vor Ort ein Bild von der Lage der gestrandeten Flüchtlinge zu machen: „Das Leid der Menschen dort ist unbeschreiblich. Sie haben ihre Heimat verlassen, um mit ihren Familien menschenwürdig leben zu können, und sind in der Perspektivlosigkeit dieser Lager gelandet“, beschreibt er die Situation der Flüchtlinge. Der bevorstehende Winter und die Corona-Pandemie würden die Situation noch „massiv verschärfen“, befürchtet Pütter.

Die Reise an diesen „Schreckensort“ hat den Schauspieler erschüttert: „Es ist eine Schande für Europa, wie wir diese Menschen im Stich lassen. Die Lebensbedingungen dort haben mit Menschlichkeit nichts zu tun.“ Er habe eine Familie mit sechs Kindern kennengelernt, die dem Bombenhagel in Aleppo entkommen seien. „Der Vater wurde von Granatsplittern schwer verletzt, die Familie harrt seit anderthalb Jahren auf Lesbos aus – unter menschenunwürdigen Bedingungen, ohne Hoffnung und Perspektive“, berichtet Pütter. Er könne nicht verstehen, dass EU und Bundesregierung „tatenlos“ tausende Menschen im Mittelmeer sterben ließen, empört sich der Schauspieler über die europäische Flüchtlingspolitik. (Von Niels Britsch)

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