„Mitreden und Mitbestimmen“

Auch die Jugend soll sich einbringen

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Zivilisiert und engagiert, ohne Zwischenrufe und für die Besucher angenehm, zu verfolgen: Zum Abschluss des auf ein Jahr angelegten Partizipationsprojekts „Mitreden und Mitbestimmen“ haben die Jugendlichen eine Parlamentssitzung simuliert.

Dietzenbach - „Mitreden und Mitbestimmen“, unter diesem Motto haben sich 14 Jugendliche um Projektleiter und Kreisschulsprecher Ahmed Idrees ein Jahr lang intensiv mit dem Thema Politik beschäftigt. Von Daniel Kolb

Wie berichtet, lief dieses Projekt im Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ mit dem Förderverein der Ernst-Reuter-Schule und in Zusammenarbeit mit dem Kreisschülerrat Offenbach. Den Projektnamen hatten die Jugendlichen selbst gewählt.

Nun, da das Jahr sich dem Ende entgegenneigt, war es Zeit für eine Abschlussveranstaltung. Im Sitzungssaal des Kreishauses wurde zunächst das Projekt selbst kurz vorgestellt und illustriert. Die Bilder zeigten beispielsweise, dass die Jugendlichen in Berlin waren, um verschiedene Orte wie den Bundestag, das Bundeskanzler- sowie das Bundespresseamt zu besuchen. Auch ein Rhetorikseminar gehörte zu den Aktivitäten. Um einander in der Gruppe besser kennenzulernen, spielten die Jugendlichen zwischendurch schon auch mal Fußball oder verbrachten einige Stunden in einem Kletterwald. „Mit der Zeit sind wir zu einer kleinen Familie zusammengewachsen“, berichtete Idrees stolz. Dies habe sich nicht zuletzt auch bei den Abschlussprüfungen gezeigt, bei denen sich die Jugendlichen gegenseitig halfen, auch wenn einige von ihnen schon mit ihren Präsentationen fertig waren.

Um zu zeigen, was die Jugendlichen in diesem Jahr alles gelernt haben, haben sie zum Abschluss eine politische Plenarsitzung realitätsnah nachempfunden. Im Laufe des Projekts hatten die anfänglich 14 Teilnehmer noch etliche weitere Freunde und Bekannte für die Thematik begeistern können, weshalb an der inszenierten Politik-Sitzung stolze 36 Jugendliche teilnahmen – alle mit Migrationshintergrund. Einige spielten hier Vertreter der Partei „Mitreden“, andere Angehörige der Partei „Mitbestimmen“. Zudem waren das Amt des Bürgermeisters und weitere hohe Ämter vergeben. Drei Themen standen bei dieser „Demonstrations“-Sitzung auf der Tagesordnung, zu denen die „Abgeordneten“ Stellung nehmen konnten: die Einführung eines Jugendparlaments, der Bau eines weiteren Sportplatzes in Dietzenbach sowie die Erweiterung der Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche durch ein Jugendzentrum. Und wie es auch in einer Parlaments- oder Kreistagssitzung üblich ist, wurde im Anschluss an die Redebeiträge die Anträge abgestimmt.

Tipi begeistert von Sitzung

Unter den Gästen im Sitzungssaal war neben anderen auch Landtagsabgeordneter Ismail Tipi  (CDU). Der zeigte sich von der Vorführung der Jugendlichen begeistert und bezeichnete sie als „zivilisierteste Sitzung, die ich je erlebt habe – ohne Zwischenrufe, weniger aggressiv und auch sehr angenehm zu verfolgen“. Viele Politiker, so Tipi, könnten sich von den jungen Leuten noch etwas abgucken: „Würden alle Sitzungen so laufen, hätten wir weniger Probleme.“

Dietzenbachs Erster Stadtrat Dietmar Kolmer (CDU) lobte vor allem die Konzentration und Ernsthaftigkeit, welche die Jugendlichen an den Tag gelegt hatten und stellte die offene Frage, ob die Integration nicht schon geschehen sei und nur noch das „Miteinander“ fehle. Das Ehrenamt sei in unserer Gesellschaft sehr wichtig, und so sollten Jugendliche auch schon früh die Möglichkeit bekommen, sich zu engagieren. Daher sollten alle Teilnehmer auch künftig in ihrem politischen Interesse unterstützt werden, so Kolmer: „Es reicht nicht, wenn nur ältere Menschen Politik machen. Auch Jugendliche müssen sich einbringen.“ Jedoch dürfe auch der Spaß an der Sache nicht fehlen, ergänzte SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrike Alex, die sich ihren Vorrednern anschloss.

Zum Schluss überreichte Kolmer den Jugendlichen Zertifikate für die erfolgreiche Projektteilnahme. „Mitreden und Mitbestimmen“ habe dazu beigetragen, „den Wert unserer demokratischen Grundordnung schätzen zu lernen und Kompetenzen zur politischen Mitgestaltung zu erlangen“, so Kolmer.

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