21 von 22 Bezirken ausgezählt

Kommunalwahl in Dietzenbach: Aufholjagd der SPD

Wahl im Wahllokal
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Nach Auskunft der Stadt wird der letzte Wahlbezirk erst heute ausgezählt, ob diese Stimmen noch etwas an der Sitzverteilung ändern, ist unwahrscheinlich.

Er sollte mit seiner Prognose Recht behalten: „Wir wollen abwarten, bis alle Stimmen ausgezählt sind“, hatte SPD-Spitzenkandidat Ahmed Idrees seine Zurückhaltung am Wahlsonntag begründet. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Sozialdemokraten laut Trendergebnis nur bei knapp über 20 Prozent der Stimmen, doch Idrees hoffte, dass die Auszählung der Stimmzettel, auf denen die Wähler kumuliert und panaschiert hatten, noch Zuwächse für seine Partei zutage fördern würden.

Dietzenbach – Und in der Tat: Knapp 24 Stunden später sieht das Bild für die SPD in der Kreisstadt schon wieder ganz anders aus: Statt bei 20 Prozent liegen die Dietzenbacher Sozialdemokraten nach Auszählung von 21 der 22 Wahlbezirke nun bei mehr als 26 Prozent, was ihnen zwölf Sitze in der Stadtverordnetenversammlung bescheren würde. Zeitweise lag die SPD während der Auszählung sogar vor der CDU, die jedoch letztendlich – Stand gestern Abend – mit 27 Prozent vermutlich stärkste Kraft im Stadtparlament sein wird. Nach Auskunft der Stadt wird der letzte Wahlbezirk erst heute ausgezählt, ob diese Stimmen noch etwas an der Sitzverteilung ändern, ist unwahrscheinlich.

Mit diesem Ergebnis können sich die Sozialdemokraten als kleiner Wahlsieger fühlen. „Sehr glücklich“ zeigte sich Idrees dann auch über das Ergebnis, das er als „Regierungsauftrag der Bevölkerung“ versteht: „Wir haben die Rückendeckung der Wähler und wollen Verantwortung übernehmen.“ Er spricht von einem „Wechsel“, nun gelte es, das Vertrauen zu rechtfertigen. „Das ist ein tolles Ergebnis, das uns mit Demut erfüllt.“

Großer Wahlsieger bleiben die Grünen, die zwar gegenüber dem Trendergebnis vom Wahlsonntag etwas einbüßten, aber dennoch mit 22 Prozent der Stimmen und zehn Sitzen in der Stadtverordnetenversammlung ihr bestes Ergebnis in der Kreisstadt feiern können. Grund zur Freude haben auch die Freien Wähler: Bisher ist Jens Hinrichsen ihr einziger Stadtverordneter, künftig werden sie vermutlich drei Sitze im Parlament belegen.

Der große Wahlverlierer ist die AfD (etwa 7,3 Prozent), deren Stimmenanteil sich im Vergleich zur Kommunalwahl 2016 halbierte.

Auch bei der FDP zeigt man sich nicht ganz so glücklich über das Ergebnis: Die Liberalen verlieren etwa einen Prozentpunkt im Vergleich zu 2016 und kommen auf 5,3 Prozent, was sie vermutlich einen ihrer bisher drei Sitze im Parlament kosten wird. FDP-Spitzenkandidat Sven Hartmann zeigt sich „enttäuscht, dass wir nicht noch ein paar Wähler mehr für uns gewinnen konnten“. Die Liberalen hatten gehofft, dass einige frühere Wähler der Gruppierung WIR-BfD, die nicht mehr zur Wahl stand, bei der FDP ihr Kreuz machen würden. Möglichen Koalitionsgesprächen werde man sich nicht verweigern, kündigt Hartmann an. „Aber wir haben auch gute Erfahrungen mit wechselnden Mehrheiten gemacht“, zeigt er sich auch für das Modell offen, das in der Dietzenbacher Stadtverordnetenversammlung zuletzt praktiziert wurde. Wunschpartner in einer Koalition seien die Christdemokraten: „Es ist kein großes Geheimnis, dass wir Rogg unterstützen und somit auch die CDU präferieren würden.“ Allerdings sei man für Gespräche mit allen Parteien offen – außer der AfD, die Hartmann für „nicht koalitionsfähig“ hält.

Die Linke wird weiterhin mit zwei Parlamentariern in der Stadtverordnetenversammlung vertreten sein und laut dem Zwischenstand von gestern Abend darf auch die Dietzenbacher Liste (DL) hoffen, dass sie ihren Sitz verteidigt hat. (Von Niels Britsch)

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