Grüne Jugend

Mühlheim: Aufstehen gegen Alltagsrassismus

Zu der Kundgebung gegen Rassismus hatte Mühlheims Grüne Jugend eingeladen. Foto: m
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Zu der Kundgebung gegen Rassismus hatte Mühlheims Grüne Jugend eingeladen. 

Wehret den Anfängen! Die Mühlenstadt ist zwar kein Hotspot für fremdenfeindliche Aktivitäten. 

Mühlheim - Aber auch dort gebe es Gedankenlosigkeit und Vorurteile, erkannte die Grüne Jugend Mühlheim und hatte zu einer Kundgebung im Bürgerpark aufgerufen, um ein „Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt“ zu setzen. Rund 70 Teilnehmer stellten sich hinter die Aufforderung, um „gemeinsam für Vielfalt und Akzeptanz“ die Stimme zu erheben.

Auch ein Dutzend Mitstreiter aus Obertshausen, Rödermark und Dreieich sowie Mitglieder des Landesverbands der Bündnisgrünen und des örtlichen Ausländerbeirats schlossen sich der Initiative an. Lasse Westphal vom Sprecherteam der Veranstalter erinnerte an Fälle bei der Polizei, wobei ein Dienstgruppenleiter und sechs Polizeischüler Bilder mit menschenfeindlichem Inhalt übers Internet geteilt haben sollen.

„Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es auch bei der hessischen Polizei strukturellen Rassismus gibt“, sagte Kristina Braun, ebenfalls Sprecherin der Grünen Jugend. Ähnliche Vorfälle habe es ein Jahr zuvor in einem Revier in Frankfurt gegeben, sie sollen im Zusammenhang mit den rechtsextremen Taten der NSU-Gruppe und mit einer Morddrohung gegen eine Anwältin stehen. Die Gastgeberin zählte weitere Beispiele in Hessen bis hin zu Gewalt durch Beamte in Frankfurt auf.

„Die Exekutiv-Einheiten sind ein sensibler und heikler Baustein eines Rechtsstaats, der ständiger Reflexion bedarf“, formulierte Westphal. Die Grüne Jugend fordere daher eine unabhängige Ombudsstelle, „an die sich Betroffene innerhalb und außerhalb der Polizei wenden können“. Seine Partei stimme zudem für eine Kennzeichnungspflicht für Einsatzkräfte sowie „mehr Rechenschaftspflichten“, etwa zur Verwendung von Pfefferspray.

Ein psychologisches Gutachten sollte vor der Verbeamtung eine rechte Gesinnung ausschließen. Mehr Pädagogik und Menschlichkeit anstelle von autoritären Strukturen sollten künftig die Ausbildung der Polizeibeamten prägen. Der Polit-Nachwuchs fordert zudem „die objektive, lückenlose Aufklärung aller Fälle von Diskriminierung und Gewalt durch Beamte“, betonte Westphal.

Mit Betroffenen und Interessierten wollte die Gruppe an einem Info-Stand über Alltagsrassismus ins Gespräch kommen. „Der äußert sich oft schon unbewusst in unserer Sprache, in unserem Denken und Verhalten, wo Menschen aufgrund bestimmter Merkmale und Zuschreibungen zu Fremden oder zu Anderen gemacht und ausgeschlossen werden“, gab Kristina Braun zu bedenken.

In einem Pavillon sammelten die Organisatoren Vorschläge für ein besseres Miteinander. Anstelle der alten Namen für das Schnitzel mit Paprikasoße oder den Schokokuss sollten neue gefunden werden, die Hautfarbe nicht als erstes Erkennungsmerkmal genannt und Straßennamen rassistischer Personen ausgewechselt werden.

Auch die Frage „Wo kommst du ursprünglich her?“ betone das Anderssein des Angesprochenen. Besucher empfahlen, sich deutlich zu positionieren, eine klare Haltung einzunehmen und Probleme anzusprechen. Oft seien sich die Menschen gar nicht bewusst, dass ihre Sprache diskriminierend und rassistisch sei. Die Europäer sollten sich zudem der Ausbeutung in anderen Ländern und ihrer eigenen Privilegien bewusst sein, hieß es auf einem Papier.

Von Michael Prochnow

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