Autohaus Brass bietet jungem Flüchtling Praktikumsstelle

Sein Traumberuf: Mechatroniker

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Tsinat Tesfaldet (links) schraubt gemeinsam mit Brass-Mitarbeiter Martin Mankel in der Werkstatt an Autos.

Dietzenbach - Die Integration unterstützen und Chancen bieten: Der 24-jährige Tsinat Tesfaldet aus Eritrea macht ein Mechatroniker-Praktikum beim Autohaus Brass. Von Sonja Drücke 

Mit ölverschmierten Händen und rotem Mechaniker-Overall steht Tsinat Tesfaldet über die Motorhaube eines Autos gebeugt – er macht einen Ölwechsel. Zwei Wochen lang hat Tsinat die Chance, sich den Beruf des Mechatronikers anzusehen und auszuprobieren. Der Flüchtling aus Eritrea ist schon seit über eineinhalb Jahren in Dietzenbach. Auto-Mechatroniker zu werden, war schon immer sein Wunsch: „Zu Hause habe ich mit meinem Vater an Autos herumgeschraubt“, sagt der 24-Jährige. Seinen Traum verfolgt er ehrgeizig: So versucht Tsinat etwa jeden Sprachkurs der Flüchtlingshilfe zu besuchen, macht bei der Arbeiterwohlfahrt seinen Hauptschulabschluss und ist dankbar für die Möglichkeit, ein Mechatroniker-Praktikum beim Autohaus Brass machen zu dürfen.

„Bisher ist er wirklich sehr eifrig“, berichtet Artan Statovci, Geschäftsführer des Autohauses. „Er macht immer sofort sauber, wenn Dreck entstanden ist“, bestätigt Julian Roski, der Tsinat betreut. Zusammen schrauben sie an Autos, wechseln Reifen, machen Öl- und Filterwechsel. An seinem ersten Praktikumstag sei es allerdings zu einem kleinen Missverständnis gekommen: „Er war nirgends zu finden“, erzählt der stellvertretende Werkstattleiter Helmut Urstadt. „Um acht Uhr hätte er sich bei VW melden sollen. Dann haben wir ihn aber – schon im Overall und arbeitsbereit – in der Audi-Werkstatt gefunden.“

Zusammen mit einem weiteren Praktikanten war er in der vergangenen Woche im Audi-Betrieb. In dieser Woche tauschen sie mit den Praktikanten im VW-Betrieb, sodass sie beide Werkstätten kennenlernen und sich die Mitarbeiter ein umfassendes Bild von ihnen machen können. Denn am Ende der Praktikumszeit steht ein Gespräch mit Statovci und den Mitarbeitern an. Dem Geschäftsführer kommt es nämlich insbesondere auf die Teamarbeit an: „Es zählt nicht nur die getane Arbeit, sondern auch, wie gut sie in unser Team passen.“

Dem jungen Flüchtling eine Chance zu geben, bezeichnet Statovci als Herzensangelegenheit. In einer Sitzung des Wirtschaftsrats hatte er die Unternehmer Dietzenbachs aufgerufen, die Flüchtlinge mehr in die Arbeitswelt zu integrieren, um das Beste aus der Situation zu machen. Daraufhin hatte Norbert Kern, der ebenfalls im Wirtschaftsrat sitzt, den Kontakt zu Elke Gall von der Flüchtlingshilfe hergestellt. Sie hat eine Patenschaft für Tsinat übernommen und unterstützt ihn seitdem tatkräftig.

„Wir setzen uns mit jedem Praktikanten als Mensch auseinander“, erklärt Statovci sein Engagement. Auch er ist erst mit zwölf Jahren nach Deutschland gekommen und weiß, wie schwer Integration sein kann. „Solange aber Sprache, Werte und Gesellschaft angenommen werden, ist die Integration möglich“, sagt der Geschäftsführer. Und diese Bereitschaft sehe er bei Tsinat: „Ich freue mich schon jetzt, ihn nach seiner Hauptschulprüfung zum Einstellungstest wiederzusehen, und ihm dann vielleicht sogar eine Lehre zum Auto-Mechatroniker zu ermöglichen.“

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