Badespaß gegen Langeweile

Soll das Waldschwimmbad in Dietzenbach geöffnet werden - oder nicht?

Bleibt das Becken diesen Sommer leer? Argumente für die Öffnung des Waldschwimmbads gibt es ebenso wie dafür, es diese Saison nicht in Betrieb zu nehmen. Die Entscheidung fällt kommende Woche in der SVV. ArchivFoto: Scho
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Bleibt das Becken diesen Sommer leer? Argumente für die Öffnung des Waldschwimmbads gibt es ebenso wie dafür, es diese Saison nicht in Betrieb zu nehmen. Die Entscheidung fällt kommende Woche in der SVV. 

Schwimmbad öffnen oder geschlossen lassen? Die Vorgaben seitens des Landes ändern sich schnell, das macht die Entscheidungsfindung nicht einfacher. 

Dietzenbach – Die Frage danach, wie es mit dem Waldschwimmbad in dieser Saison weitergeht, muss von der Stadtverordnetenversammlung (SVV) am Freitag, 26. Juni, beantwortet werden. Im Haupt- und Finanzausschuss wurde zwar viel darüber diskutiert, zu einer Entscheidungsempfehlung konnten sich dessen Mitglieder aber noch nicht durchringen. Bis zur SVV wollen sich die Fraktionen nun beraten.

Ganz neue Vorgaben, so neu, dass sie noch nicht einmal in die Vorlagen für die Ausschussmitglieder eingearbeitet werden konnten, hat die Landesregierung mitgeteilt. So müssen ab sofort fünf Quadratmeter Fläche für einen Badegast vorgehalten werden und nicht mehr zehn wie zuvor. Das bringt zwar mehr Gäste, erleichtert aber die weiteren Hygienemaßnahmen nicht. Michael Würz, Technischer Betriebsleiter der Städtischen Betriebe, legte ein detailliertes Hygienekonzept vor. Mit Vorgaben, die auf den ersten Blick dem Badebetrieb nicht zuträglich scheinen: Mindestabstände, geschlossene Spinde, teils gesperrte Umkleiden, nicht nutzbare Warmwasserduschen, Zugang zu den Toiletten ausschließlich nach Anweisung. Nur etwa 210 Badegäste dürften ihre Bahnen ziehen, das Ticket müssten sie am Tag zuvor online buchen. Verweilen dürften sie dann nur zwei bis maximal vier Stunden, danach müssen die Becken geschlossen und komplett gereinigt werden. „Wir galten immer als Spaßbad, jetzt müssten wir wesentliche Angebote einstellen oder absperren“, sagte Würz.

„In Anbetracht der Lage halte ich es für sehr ambitioniert, das Schwimmbad nicht zu öffnen“, wandte Andrea Wacker-Hempel (Bündnis 90/Die Grünen) ein. Kitas und Schulen seien nur eingeschränkt nutzbar, auch ansonsten werde kaum eine Beschäftigung für Kinder und Jugendliche angeboten. „Und das vor dem Hintergrund unserer Diskussion um die Vorfälle im Spessartviertel, die ja nach Aussagen von Stadt und Polizei unter anderem auf Langeweile zurückzuführen sind.“ Entsprechend habe sie sich, trotz der Planung mit verschärften Bedingungen „ein wenig mehr Fantasie“ gewünscht. Helga Giardino, die Vorsitzende des Ausländerbeirates, ergänzte: „Ein Desaster hatten wir ja schon, wir brauchen jetzt dringend Angebote.“ Zumal der Bedarf größer sei als in anderen Jahren: „Die Leute haben Kurzarbeit, sind durch Corona arbeitslos geworden oder können nicht in ihre Herkunftsländer fahren.“ Bereits eine stundenweise Öffnung werde eine Erleichterung bringen. „Sonst müssen wir sprichwörtlich mit einem heißen Sommer rechnen.“

Er glaube nicht, dass man mit einer Öffnung des Schwimmbades die Klientel erreiche, die für die Krawalle im Spessartviertel Ende Mai verantwortlich seien, betonte dagegen Bürgermeister Jürgen Rogg. Auch den in der Diskussion mehrfach vorgebrachten Vergleich mit Kommunen, die teilweise kurz vor der Öffnung stehen, wollte er so nicht gelten lassen. „Jedes Bad hat andere Voraussetzungen.“ Ebenso wehrte sich der Verwaltungschef gegen die Vermutung, es seien Ersparnisse möglich gewesen, wenn saisonvorbereitende Arbeiten erst gar nicht stattgefunden hätten. „Wir haben über die Schwimmbäder erstmals am 23. April in der Bürgermeisterrunde diskutiert und beschlossen, für Mai den Betrieb erst mal noch nicht aufzunehmen“, sagte er.

Deutlich wurde indes, dass die finanzielle Seite schwer wiegt. Thomas Vollmuth, Kaufmännischer Leiter der Städtischen Betriebe, prognostizierte bei Öffnung Mehrkosten in Höhe von 291 000 Euro. „Aus betriebswirtschaftlicher Sicht empfehle ich, das Bad geschlossen zu lassen“, sagte er. Eine genaue Abstimmung zu den Kosten und zu Themen wie Besucherzahlen, Wiesenquadratmetern und Wasserflächen wollen die Fraktionen bis zur Stadtverordnetenversammlung vornehmen. Auch ein Antrag der DL/FW-UDS, nach dem das Waldschwimmbad in Betrieb gehen soll, wurde vorerst nicht abgestimmt. 

VON BARBARA SCHOLZE

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