Firma NCC Deutschland stellt überarbeitete Pläne vor

Baufeld 72: Entscheidung noch vor der Wahl

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Über diesen Entwurf der Firma NCC Deutschland haben die Parlamentarier im jüngsten Bauausschuss diskutiert. Hier zu sehen: die geplante Front zur Offenbacher Straße.

Dietzenbach - Über die Gestaltung des Baufeldes 72 haben Mitglieder des Bauausschusses in ihrer jüngsten Sitzung erneut diskutiert. Auf eine Empfehlung an die Stadtverordnetenversammlung haben sie sich allerdings noch nicht geeinigt. Von Ronny Paul 

Die Mitglieder des Bauausschusses hatten in ihrer Sitzung im Dezember, eine Entscheidung über das Plankonzept fürs noch unbebaute Baugebiet 72 vertagt. Auch in der jüngsten Ausschusssitzung kam es zu keiner Abstimmung. Bürgermeister Jürgen Rogg appellierte jedoch an die Parlamentarier, sie mögen bitte in der Stadtverordnetensitzung im Februar abstimmen. Immerhin sei die nächste Stadtverordnetenversammlung aufgrund der Kommunalwahl am 6. März erst für Mai angesetzt. „Wir benötigen dringend Wohnraum“, sagte der Bürgermeister. Dem pflichtete Erster Stadtrat Dieter Lang bei: Er warnte vor Verzögerungen. 187 neue Wohnungen – zum Teil Eigentums-, zum Teil Mietwohnungen – auf rund 15.000 Quadratmetern sollen auf dem Baufeld 72 entlang der Offenbacher Straße zwischen der Straße „Am Stadtpark“ und dem geplanten Seniorenpflegeheim entstehen – wenn die Stadtverordneten der Vorlage zustimmen. Für die Wohnbebauung hat die Firma NCC Deutschland aus Fürstenwalde an der Spree in der jüngsten Bauausschusssitzung überarbeitete Gestaltungspläne vorgestellt. Kritisiert hatten die Parlamentarier in der Dezember-Sitzung vor allem die angedachte Fassadengestaltung von NCC: „Megablock“ und „Einflugschneise“ fielen als Kritikpunkte.

Daraufhin hatte Wolfram Achenbach, Leiter der Region Frankfurt/Main bei NCC, die Parlamentarier zu einer Besichtigung eines vergleichbaren NCC-Wohnbaus in Langen eingeladen, die dem Vernehmen nach überwiegend positiv angekommen ist. Artus Rosenbusch (FDP) sagte: Die Häuser in Langen hätten ihn ebenso begeistert, wie nun der neue Entwurf für Dietzenbach. Auch Helga Giardino (DL) befand: „Die Häuser geben der Stadt ein gewisses Flair. Das gefällt mir.“ Anna Tegt, Projektleiterin des Rhein/Main-Regionalbüros von NCC, referierte im Bauausschuss: „Wir haben die Kritikpunkte aufgenommen und weiterentwickelt.“ So sind die sogenannten Koppelelemente im neuen Entwurf niedriger gestaltet und die zuvor kritisierten offengehaltenen Balkone zu Loggien umfunktioniert. So werde die zuvor als „Megablock“ bezeichnete Fassade bewegter. Sie gehe nach vorne und zurück, sagte Tegt. Die einzelnen Staffelgeschosse sind auf den Planskizzen farblich unterschiedlich dargestellt. Das erhöhe den Wiedererkennungswert, warb Tegt für den Entwurf.

Rudi Reitz (DL) befürchtete: „Die nun anspruchsvolle Gestaltung lässt die Quadratmeterpreise steigen.“ Darauf entgegnete Bürgermeister Rogg: Dort würden Wohnungen entstehen, die im Preissegment für Förderungen vom Land Hessen liegen. Jens Hinrichsen (FW-UDS) warf ein: „Dietzenbach braucht auch einkommensstarke Bürger.“ Er finde es gut, dass die Achse nun bebaut werde und prognostizierte: „Damit bekommen wir guten Mittelstand in die Stadt.“ Wegen der Vermarktung bräuchten sich die Parlamentarier indes auch keine Sorgen machen.

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Bernd Blesenkemper (SPD) störte sich an der Gebäudehöhe über vier Stockwerke. Er fragte, ob es möglich wäre, die Häuser ein Stockwerk niedriger zu bauen. Seine Parteikollegin Sabine Goeser bemängelte die bodentiefen Fenster zur Offenbacher Straße hin. Rene Bacher (Grüne) fragte: „Wie fügt sich das Ganze ein?“ Er befürchtet, der Baustil mit Flachdächern würde sich zu sehr von den schon vorhandenen Häusern mit Spitzdächern abgrenzen. Harald Nalbach (WIR-BfD) hingegen befand Flachdächer für absolut zeitgemäß, sprach sich aber für eine Vertagung aus: „Wir können nicht ein Grundstück verkaufen und erst später sagen, was draufkommt.“ Andrea Wacker-Hempel (Grüne) stimmte zu. Es sei sinnvoller, lieber kleine Schritte zu machen, damit man schneller ans Ziel gelange. Schließlich wolle man keine Bausünden wie etwa in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts verantworten.

Letztendlich verständigten sich die Ausschussmitglieder darauf, dass die Fraktionen nun bis zur nächsten Bauausschuss-Sitzung Ideen sammeln, damit eine Entscheidung über die Häusergestaltung noch in dieser Legislaturperiode – sprich vor der Kommunalwahl – fällt.

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