„Waldsiedlung am Hexenberg“

Aus „Wildnis“ wird Wohnraum

Auf dem Sprung: Der Hexenberg punktet mit der ihn umgebenden Natur, die zahlreiche Menschen zum Freizeitvergnügen lockt. Aber auch allerhand Tiere fühlen sich hier wohl.  J Foto: scho
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Auf dem Sprung: Der Hexenberg punktet mit der ihn umgebenden Natur, die zahlreiche Menschen zum Freizeitvergnügen lockt. Aber auch allerhand Tiere fühlen sich hier wohl.

Dietzenbach - Sagenumwoben, von Wiesen, Wäldern und Feldern umgeben: Das Wohngebiet Hexenberg ist eine Idylle mitten in der Natur. 50 Jahre ist es nun her, dass sich die ersten Bürger auf dem Nachbar-Areal der Altstadt ein Dach über dem Kopf geschaffen haben. Von Barbara Scholze

Heute wohnen 2096 Menschen unter der mit 216 Metern höchsten Erhebung im Kreis Offenbach. Eine kleine Serie erzählt Historisches und Aktuelles.

An Naherholung hat Dietzenbach einiges zu bieten. Eingebettet in Felder und Wälder, ist es von keiner Seite aus weit zum entspannenden Aufenthalt im Grünen. Besonders idyllisch gelegen ist das Quartier rund um den Hexenberg. Nicht umsonst hieß der südlichste Teil der Stadt anfangs „Waldsiedlung am Hexenberg“. Wo zuvor Bäume standen – manche sprachen gar von „Wildnis“ –eroberten sich die Dietzenbacher in den 1960er Jahren ihren Wohnraum. Der Forst habe das Gelände gar nicht gerne hergegeben, hieß es.

Indes lässt die Bebauung bis heute der Natur ihr Recht, so dass nicht nur Bürger, sondern auch Gäste von außerhalb das Areal gerne nutzen. Und zwar auf vielfältige Weise. So bietet etwa die Idylle längs der Kreisquerverbindung nicht nur schöne Spazierwege, auch Fahrradfahrer haben gute Verbindungen Richtung Rödermark und weiter. Begehrt sind die Wege und Wiesen darüber hinaus bei den kleinsten Anwohnern. Wer regelmäßig auf dem Hexenberg spazieren geht, kann öfter ganze Horden von Mädchen und Buben beobachten, die das Areal als Riesen-Spielplatz nutzen. Manchmal besuchen gar komplette Kindergarten- und Grundschulgruppen den Hexenberg; nicht selten zieht es sie dann in den Garten von Karl Knecht, der ihnen beibringt, wie Obst- und Gemüsesorten aussehen, wenn sie noch nicht in einer Dose oder Packung stecken.

Vielseitige Möglichkeiten für Tierfreunde

Vielseitige Möglichkeiten für ihr Hobby finden ebenso die Tierfreunde in dem Quartier. Es gibt mehrere Reitställe – entweder für die private Unterbringung hochkarätiger Rösser oder den Reitunterricht für Anfänger. Wer in Ruhe durch den Wald spaziert, der begegnet durchaus mal einem Reh. Ein Treffen mit Wildschweinen ist zwar nicht unbedingt wünschenswert, aber auch nicht unwahrscheinlich. Ein Blickfang zu jeder Jahreszeit ist zudem der Angelteich.

Dass der Hexenberg heute noch so ungestörte Natur bieten kann, hat er wahrscheinlich der finanziellen Klammheit eines Unternehmers zu verdanken: Im Jahr 1955 will ein Investor dort eine gigantische Erholungsstätte bauen. Auserkoren hat er dafür den Namen „Neue Welt“, in dem Ressort sollen 8000 Menschen Ruhe und Entspannung finden. Neben exotischen Bungalows sind ein 300 Meter langes Schwimmbad und viele weitere Attraktionen geplant. Glücklicherweise bleibt das Vorhaben ein Luftschloss. Ungeachtet dessen braucht sich das 2011 neu sanierte Waldschwimmbad keineswegs zu verstecken – Sommer für Sommer lockt es unzählige Kinder, Jugendliche und Familien. Wer dann nicht gerade mit Schwimmzeug auf den Hexenberg pilgert, der könnte mit Eimern und Schüsseln unterwegs sein, zu den Obstplantagen der Knechts. Das traditionelle Familienunternehmen ist eng mit der Besiedlung des Hexenbergs verbunden. Senior Alfred Knecht zählte mit seinen Eltern zu den ersten, die aus der Altstadt ins Grüne zogen. Gegründet hat er ein Schlemmerparadies mit Erd-, Him- und Johannisbeeren sowie sonstigem Obst direkt vom Strauch, das heute noch Kunden von weither anlockt.

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"Lage in aufstrebendem Viertel" oder "Wohnanlage mit viel Entwicklungspotenzial": In ein paar Jahren mag es hier wunderbar sein. Doch jetzt rollen hier Bagger und Lkws – und danach wird das Leben teurer.
"Lage in unberührter Natur": Ideal für meditative Einsiedler, die von den Früchten der Erde leben wollen. Wer jedoch arbeiten, einkaufen oder auch mal zum Arzt muss, braucht unbedingt ein Auto. Zudem wird der Weiterverkauf der Immobilie schwierig.
"Verkehrsgünstig gelegen": Im Extremfall ist vor der Haustür der Hauptbahnhof mit dem entsprechenden Milieu. Oder es führt vor dem Gebäude eine Hauptverkehrsstraße und hinter dem Garten eine viel befahrene Eisenbahnstrecke vorbei.
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Eher gezählt sind dagegen die Tage des idyllischen Forsthauses an der Offenthaler Straße. Das Hexenhäuschen samt angrenzendem Schaf- und Hühnerstall sowie einer kleinen Lagerhalle liegt versteckt hinter einer Häuserzeile inmitten vieler Tannen. Seit 1975 wohnt dort kein Förster mehr. In der Vergangenheit war das Gebäude auf dem fast 2000 Quadratmeter großen Grundstück vermietet, seit Jahren steht es nun leer. Geht es nach der Stadt, sollen Gebäude und Grundstück verkauft werden. Alle Verhandlungen dazu waren bislang jedoch gescheitert.

Einen besonderen Service für Hexenberg-Fans bietet Rüdiger Reiter mit seiner privaten Wetterseite www.dietzenbach-wetter.de. Da gibt es etwa eine Webcam, einen Wetterticker mit Windgeschwindigkeit, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und UV-Index sowie eine Verlinkung zum Deutschen Wetterdienst mit Vorhersagen für Pollenflug und Wetterfühligkeit. Als besonderes Schmankerl zeigt Reiter den Hexenberg aus gänzlich ungewohnter Perspektive: mit Blick nach oben, auf wunderschöne Wolkenbilder.

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