Stipendiaten aus Kostjukovitschi

Kultur- und Sprachreise: Beeindruckende Meisterwerke

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Gruppenbild im Spiegel: Aliaksei Mikhalenka (von links) fotografiert Schafiga Seidel, Vasily Chatnevtsev und Hanna Roslautsava.

Dietzenbach - Drei weißrussische Stipendiaten aus Kostjukovitschi waren auf Einladung des gleichnamigen Freundeskreises zu Gast in der Kreisstadt. Und haben darüber hinaus zusammen mit der Vhs-Sprachdozentin Schafiga Seidel Dresden erkundet. Von Ronny Paul 

Die 23 Besucher aus Dietzenbachs weißrussischer Partnerstadt Kostjukovitschi sind gestern wieder zurück in die Heimat geflogen, nachdem sie 15 Tage in Deutschland verbracht haben. Während die Schüler unter anderem im Theater-Camp von Reiner Wagner Tänze aufgeführt, deutsche Texte vorgetragen und bei der öffentlichen Aufführung mit dem Singen des traditionellen Dietzenbacher „Rucksack-Liedes“ für Begeisterung gesorgt haben (wir berichteten), waren auch die drei Stipendiaten Aliaksei Mikhalenka, Vasily Chatnevtsev und Hanna Roslautsava zu Besuch und haben ihre ganz eigenen Erfahrungen in Deutschland gemacht. Zusammen mit der Dietzenbacher Vhs-Sprachdozentin Schafiga Seidel waren die Studenten drei Tage auf Sprach- und Kulturreise in Dresden. „Es ging darum, die Realität in Deutschland zu erleben“, erläutert Dietmar Kolmer, Vorsitzender des Freundeskreises Kostjukovitschi. Der Verein hat den drei Weißrussen zusammen mit den Rotariern Offenbach-Einhard und Privatpersonen die Stipendien erst ermöglicht.

Mit dem ICE ging es in die Zwingerstadt. Das allein hat die 19-jährige Hanna schon begeistert. W-Lan, Steckdosen, ein Bordrestaurant – das kenne sie aus Zügen ihrer Heimat nicht. Aliaksei hat es die Geschwindigkeit des Schnellzuges angetan. „Wir sind absichtlich mit der Bahn gefahren, damit die Studenten sich eigenständig zurechtfinden können“, erläutert Seidel. Auch in der Stadt haben sich die Studenten – Aliaksei studiert Lingustik, Hanna Pädagogik, Vasily baut derzeit an seiner Diplomarbeit an der Staatlichen Kunstakademie in Minsk – größtenteils auf eigene Faust durchgeschlagen. Der 19-jährige Aliaksei hat dabei als Übersetzer für seinen nicht Deutsch sprechenden Landsmann Vasily fungiert. „Das war nicht immer so einfach, bei der Stadtführung hat die Reiseleiterin sehr schnell und nicht so deutlich gesprochen“, berichtet er. Seidel wirft ein, dass auch viele deutsche Touristen die Reiseführerin nicht immer verstanden haben.

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Die Usbekin Seidel hat vor rund 20 Jahren ein Sommersemester lang Germanistik in Dresden studiert und konnte den jungen Weißrussen einiges zeigen. Für Seidel, die seit sieben Jahren in Dietzenbach lebt und als Vhs-Dozentin in der Kreisstadt, in Neu-Isenburg und Offenbach arbeitet, ist „Dresden die schönste Stadt Deutschlands“. Ähnlich sehen es auch die jungen Weißrussen, die unter anderem die Gemäldegalerie, den Zwinger und die Semperoper besucht haben: „Die Meisterwerke waren beeindruckend“, sagt Aliaksei. Auch Künstler Vasily hat die Stadt imponiert: „So viel Schönheit auf engen Raum.“ Insgesamt finden alle drei, hätten es ruhig ein paar mehr Tage in Dresden sein könne. Vor allem Vasily haben zwei Tage Regen einen Strich durch die Rechnung gemacht, so konnte er wenige Bauwerke skizzieren. Dafür habe er erstmals Gemälde von Rembrandt, Dürer und Rafael live gesehen. Für den jungen Kunstschaffenden ein Erlebnis. Dafür hat er wiederum in der Kreisstadt Eindruck hinterlassen, nicht nur bei Wirtschaftsratmitglied Norbert Kern, bei dem die Studenten einen Abend zu Gast waren. Auch ein Besuch bei der Steinberger Künstlerin Uschi Heusel stand auf der Agenda. Heusel zeigte dem jungen Weißrussen ihr Atelier, sie betrachteten gegenseitig ihre Skizzenbücher und tauschten sich über Kunst aus. Die Ratte-Ludwig-Schöpferin ist mehr als angetan vom 26-Jährigen: „Ich war begeistert, er kann so viel und ist extrem reif für sein Alter.“

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