Ein deutliches Plus an Arbeitsplätzen

Bericht der Dietzenbacher Wirtschaftsförderung zeigt: Gewerbegebiet entwickelt sich erfolgreich

Ende 2012 wird Dietzenbach mit etwa 145 Millionen Euro – Kassenkredite mit eingerechnet – verschuldet sein. Sollte die Stadt den Entschuldungsfonds nutzen, müssten sich die Unternehmer – wie hier in Steinberg – auf eine höhere Gewerbesteuer und die Bürger auf eine steigende Grundsteuer B einstellen.
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Seit dem Jahr 2008 hat der Verkauf von rund 160 000 Quadratmetern Gewerbefläche insgesamt 23 Millionen Euro in die Stadtkasse gespült.

Der Wirtschaftsförderung kommt im städtischen Gefüge eine wesentliche Rolle zu. Soll sie doch nicht nur dafür sorgen, dass sich Unternehmen mit ihrem Hauptsitz in der Kreisstadt ansiedeln und so zu einer stets gut gefüllten Gewerbesteuerkasse beitragen. Sie muss auch die bereits im Ort beheimateten Firmen an Bord halten, bei Fragen innerhalb der verschiedenen Fachbereiche vermitteln und mit Netzwerkarbeit immer wieder die Attraktivität des Standortes unter Beweis stellen.

Dietzenbach - Den Erfolg in der Kreisstadt belegte nun Michael Krtsch, Leiter der Wirtschaftsförderung, der mit einer Stabsstelle direkt bei Bürgermeister Jürgen Rogg angesiedelt ist, mit einem Bericht in der letzten Ausschussrunde der Stadtverordnetenversammlung (SVV). Die beeindruckende Zahl dabei: Seit dem Jahr 2008 hat der Verkauf von rund 160 000 Quadratmetern Gewerbefläche insgesamt 23 Millionen Euro in die Stadtkasse gespült. Auch die Bilanz bei den Arbeitsplätzen kann sich sehen lassen: „Wir haben ein Plus von 1894 Arbeitsplätzen, das größte Wachstum kommt aus den Wirtschaftszweigen Gesundheits- und Sozialwesen, Baugewerbe, Information und Kommunikation und verarbeitendes Gewerbe“, teilt Krtsch auf Anfrage mit. Und, besonders wichtig für die jahrelang von Logistik und den damit zusammenhängenden Problemen geprägte Kreisstadt: „In den Gebieten Verkehr und Lagerei haben wir, eine Abnahme von rund 43 Prozent der Arbeitsplätze.“

Ansonsten stehen auch aktuell bei vielen Firmen die Zeichen auf Anstieg. Sichtbar wird das vor allem in dem Quartier rund um die Justus-von-Liebig-Straße. Dort hat etwa das Autohaus Brass mit einem klaren Bekenntnis zum Standort expandiert (wir berichteten). Auf rund 43 000 Quadratmetern finden sich neben den Marken VW und Audi neuerdings auch Skoda und Opel. Jeweils mit Verkauf und Werkstatt, darüber hinaus nimmt das neu gebaute Auslieferungsterminal Raum ein.

Wie Wirtschaftsförderer Krtsch weiter mitteilt, wird sich auch der Globus-Baumarkt vergrößern und die Firma Rhein-Main-Fördertechnik, ein Lieferant und Dienstleister für Flurförderzeuge, Industrietore und Verladetechnik, verlegt ihren Hauptsitz aus Offenbach ebenfalls in das Quartier. Die Pläne der Verkehrsfachschule Rhein-Main, die an der Elisabeth-Selbert-Straße die Hauptzentrale für eine spezialisierte Fahrerausbildung gründen wollte, standen dagegen kürzlich in der politischen Diskussion und wurden von der SVV, wie berichtet, abgelehnt. „Unsere Aufgabe ist es jetzt, gemeinsam mit der Geschäftsleitung des Unternehmens nach Lösungen zu suchen, wie die angestrebte Expansion und die Arbeitsplätze am Standort Dietzenbach erhalten bleiben. Ebenfalls werden wir uns unter den planungsrechtlichen Voraussetzungen Gedanken über die weitere Nutzung des Grundstückes an der Elisabeth-Selbert-Straße machen“, sagt Krtsch.

Indes gedeiht das Wirtschaftsleben auch in den anderen Gewerbegebieten der Stadt. Zuwachs gibt es etwa bei Volvo und Controlware, alteingesessene und weltweit agierende Unternehmen, die Dietzenbach die Treue halten. So hat Volvo seinen Standort an der Assar-Gabrielsson-Straße mit einem Kompetenz-Zentrum erheblich vergrößert und weitere Arbeitsplätze geschaffen. Productware, eine hundertprozentige Tochter der Controlware Holding GmbH und Produzent von elektronischen Geräten, wird ein 13 000 Quadratmeter großes Grundstück in der Nachbarschaft zum Controlware-Areal an der Waldstraße kaufen und plant mit dem Neubau, die Zahl der Mitarbeiter zu erhöhen.

Nicht immer gehe es bei der Unternehmensansiedlung oder dem Ausbau darum, städtische Grundstücke zu verkaufen, betont der Wirtschaftsförderer. „Die werden so langsam sowieso rar“, sagt er. Im Sinne einer attraktiven Kommune nutze die Wirtschaftsförderung auch vermietbare Flächen oder Bestandsgebäude dazu, interessante und anerkannte Firmen nach Dietzenbach zu holen. „Gelungen ist das uns etwa bei Teknihall, einem Dienstleister im Elektronikbereich mit After-Sales-Leistungen unter anderem für die Discounter Aldi und Lidl“, teilt Krtsch mit. Genauso etwa bei Mellow Motorcycles mit Verkauf und Werkstatt für Triumph und Yamaha, angesiedelt nun an der Justus-von-Liebig-Straße.

Viele weitere große Namen wie Google, Rhenus Freight Logistics oder Held Systems finden sich in dem Bericht der Wirtschaftsförderung. Doch auch über diese ureigene Aufgabe der Unternehmensansiedlungen hinaus, entpuppt sich die Abteilung als Netzwerker mit dem Blick auf ganz Dietzenbach. So erschien das Imagemagazin der Stadt im vergangenen Sommer erstmals unter der Regie des Teams von Michael Krtsch und entwickelte sich sogleich als umfangreichste Ausgabe seit Auflage. „Dass sich so viele Unternehmen trotz der schwierigen Situation beteiligt haben, zeigt ihre Verbundenheit zur Stadt.“ Bewährt habe sich im Herbst die coronabedingte Gutscheinaktion in Kooperation mit dem Gewerbeverein, die den Einzelhandel unterstützte. „Ein voller Erfolg“, stellt Krtsch fest. Mit 4000 Euro hatte die Wirtschaftsförderung die Aktion subventioniert, für einen 30-Euro-Gutschein, einlösbar in den meisten Dietzenbacher Geschäften, zahlte der Kunde lediglich 25 Euro. Insgesamt gingen 700 Coupons über die Theke.

Auch der Förderung des Nachwuchses hatte sich der Wirtschaftsförderer verschrieben und eine Masterarbeit in Kooperation mit der IHK Offenbach begleitet. Unter dem Titel „Anforderung an das Gewerbegebiet von morgen“ wurden dabei strategische Empfehlungen erstellt. „Davon können auch wir in Dietzenbach profitieren“, folgert Krtsch. Ein Herz für Schüler bewies die Roggsche Stabsstelle, indem sie in Zusammenarbeit mit der Volksbank und dem Unternehmen Milde Software Solutions schnelles Internet für die Ernst-Reuter-Schule ermöglichte. „Das kommt jetzt der Homeschooling-Situation zugute“, stellt Krtsch fest. (Von Barbara Scholze)

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