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Zeugen berichten von Beschimpfungen und Liebesschwüren

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Von: Stefan Mangold

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Symbolbild Gericht
Mit Zeugenaussagen aus dem Umfeld der Nebenklägerin ging der Prozess nun weiter. © Symbolbild: dpa

Nächster Verhandlungstag im zweiten Prozess um eine mutmaßliche Vergewaltigung: Das Schöffengericht in Offenbach hatte einen 39-Jährigen zunächst freigesprochen, seine damalige schwangere Freundin in Dietzenbach vergewaltigt, geschlagen und getreten zu haben.

Dietzenbach/Darmstadt – Staatsanwältin Isabelle Schad und die durch Rechtsanwältin Karin Weber vertretene Nebenklägerin legten vor dem Landgericht in Darmstadt Berufung gegen den Freispruch ein. Mit Zeugenaussagen aus dem Umfeld der Nebenklägerin ging der Prozess unter dem Vorsitz von Richterin Isabel Rieger nun weiter.

Das Problem in diesem Prozess liegt nicht nur darin, dass Aussage gegen Aussage steht. Nach der vorgeworfenen Vergewaltigung im November 2016 hatte die Geschädigte die Beziehung nicht beendet, außerdem erfolgte die Anzeige erst zweieinhalb Jahre später. Ferner schwängerte der Angeklagte seine damalige Freundin drei Monate nach der vermeintlichen Tat. Das Schöffengericht hatte im ersten Prozess nach dem Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ entschieden.

Nach der Geburt des Kindes ging es um Umgangsrechte. Am ersten Prozesstag hatte die Geschädigte erklärt, sie habe zugestimmt, dass der Vater seinen Sohn sehen dürfe, „aber er sollte auf keinen Fall mit ihm alleine sein“. Der 39-Jährige habe die klar erkennbare Behinderung des Kindes bestritten, „den schmächtigen Säugling etwa für Fotos aufrecht hingesetzt oder hochgeworfen“. Zu einem extra anberaumten Besuchstermin in Räumen des Kinderschutzbundes sei er anderthalb Stunden zu spät erschienen. Hinterher habe er versucht, in ihre Wohnung zu gelangen, sie habe ihn nicht reingelassen. So etwas ahnend, habe sie zuvor ein Freund gebeten, sich bei ihr aufzuhalten.

Der berichtet nun als Zeuge, der Angeklagte habe 50 Minuten vor der Wohnungstüre gestanden und Whatsapp-Nachrichten gesendet. Rechtsanwältin Jennifer Pia Gehrke liest die damals gesendeten Texte ihres Mandanten vor, alle im Tenor von „lass uns kurz reden, eine Minute nur, ich werde nicht schreien“.

Die Verteidigerin sieht in der Spanne zwischen erster und letzter Nachricht eine Diskrepanz zur Zeitangabe des Zeugen, der bei den 50 Minuten bleibt, „den Rest klopfte er an der Türe“. Der Zeuge sagt außerdem, er sei einmal dabei gewesen, als der Angeklagte seine ehemalige Freundin anrief, „er sprach wie Dr. Jekyll und Mister Hyde“. Beschimpfungen und Liebesschwüre hätten ständig gewechselt. Der Mann bezeugt auch, er sei bei einem Treffen mit der ehemaligen Anwältin der Geschädigten dabei gewesen, die von einer Anzeige wegen Vergewaltigung abgeraten habe, weil das so aussehen könnte, als handele es sich um ein taktisches Manöver im Besuchsrechtsstreit.

Eine enge Freundin der Nebenklägerin berichtet, wenn sie sich mit der mutmaßlich Geschädigten traf, habe der Angeklagte derweil zehnmal angerufen. Warum sie das Handy nicht einfach ausschaltete, will die Verteidigerin wissen. „Aus Angst vor dem Geschrei, das es zu Hause gegeben hätte“.

Der Angeklagte habe auch sie häufig angerufen, so die Zeugin, habe lamentiert, seine Freundin schmiere ihrer kleinen Tochter aus erster Ehe morgens Brote, „ihm aber nicht, weil sie ihn nicht liebe“. Oft habe sie den 39-Jährigen im aggressiven Habitus erlebt, schreiend und die Hand erhebend. Die damals sechsjährige Tochter der Nebenklägerin habe ihr erzählt, wie der Freund der Mama sie über den Balkon gehalten und gefragt habe, „was ist, wenn ich Dich loslasse?“. Das Mädchen sei bis heute von dem Ereignis und dem ständigen Gebrüll traumatisiert. Sie schätzt, die Nebenklägerin habe sich von dem gewaltaffinen Mann aus Angst vor den Folgen nicht getrennt.

Alle damals mit der Nebenklägerin in Kontakt stehenden Zeugen sagen aus, sie habe ihr Hämatom am Kopf mit „bin gegen den Schrank gelaufen“ erklärt. Von einer Vergewaltigung und Misshandlungen habe sie erst nach der Trennung äußerst zögerlich erzählt. „Ich musste ihr die Würmer aus der Nase ziehen“, erinnert sich einer.

Der Bruder der Nebenklägerin berichtet von seinem Eindruck, als er den neuen Freund der Schwester das erste Mal sah: „Was für einen komischen Kerl hat sie sich nur angelacht.“ Das Urteil der Berufungsverhandlung steht noch aus. (Von Stefan Mangold)

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