Wer betreibt die Kitas billiger?

Dietzenbach - Gespräche mit freien Trägern, um sie für die Übernahme von Kindertagesstätten aus städtischer Hand zu gewinnen, schlägt das Dreierbündnis aus Grüner Dietzenbacher Liste (GDL), SPD und WIR-Bürger für Dietzenbach vor. Von Simone Weil

In der Begründung der Vorlage an die Stadtverordnetenversammlung heißt es, dass sich am Beispiel von Nachbarkommunen erkennen lasse, dass in der Zusammenarbeit mit freien Trägern ein hohes Einsparpotenzial zu erkennen sei.

Derzeit existieren elf städtische Einrichtungen sowie eine konfessionelle der katholischen Gemeinde St. Martin. Darüber hinaus erwägt das evangelische Dekanat Rodgau, drei Krabbelgruppen für die Betreuung Unter-Dreijähriger im Haus der Kirche am Theodor-Heuss-Ring zu gründen. Dort war gestern allerdings niemand für eine Auskunft zu erreichen.

Freie Träger zeigen Interesse

Wie Günter Steinheimer von der GDL erläutert, soll es Anfragen freier Träger mit dem Interesse, eine Kita zu betreiben, an die Stadt gegeben haben, „die dort einfach abgebügelt wurden“. Das Bündnis möchte mehr über die Bedingungen erfahren, zu denen freie Träger diese Einrichtungen betreiben könnte – in der Hoffnung, städtische Zuschüsse einsparen zu können. „Probleme bei der Einstellung von Personal würden sich durch Umbesetzung in die verbleibenden Einrichtungen entschärfen“, glaubt das Dreierbündnis.

Der Erste Stadtrat Dietmar Kolmer (CDU) weiß nichts von den Interessenten, die zwecks Übernahme einer Kita-Trägerschaft an die Stadt herangetreten sein sollen. Doch grundsätzlich hält er den Vorschlag, herauszufinden, ob in der Zusammenarbeit mit freien Trägern Einsparpotenzial liege, für eine Option, die „wir prüfen müssen“. Es sei allerdings die Frage, ob es tatsächlich möglich sei, zu sparen. Sähe beispielsweise der Personalschlüssel anders aus, weil man kleinere Gruppen habe, könne von Kostenreduzierungen sicher nicht die Rede sein.

Röhner fürchtet schlechtere Arbeitsbedingungen

Regelrecht entsetzt ist Gertrud H. Röhner vom Vorschlag des Dreierbündnisses, dass weitere Kindertagesstätten von freien Trägern übernommen werden sollten. Die Vorsitzende des Gesamtpersonalrats bei der Stadtverwaltung Dietzenbach sagt in ihrer Eigenschaft als Sprecherin der verdi-Vertrauensleute klipp und klar: „Von Privatisierungen halten wir nichts, weil damit eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen verbunden ist.“

Der Rückzug der Stadt aus der Verantwortung in Sachen Kinderbetreuung könne aus Gewerkschaftssicht nicht mitgetragen werden. Es sei schwierig genug, beim derzeit herrschenden eklatanten Fachkräftemangel Personal zu finden. Gerade seien deswegen ja auch die Gehälter der Erzieher angehoben worden, weil sich sonst niemand mehr finden lasse, der für das Geld arbeiten wolle.

„Für was zahlen wir denn unsere Steuern, wenn niemand mehr in den sozialen Bereich investieren will“, fragt die Gewerkschafterin. In Dietzenbach seien doch mehr als genug Probleme zu lösen, zu denen die Integration vieler Bürger mit Migrationshintergrund zähle. Diese Aufgabe könne man nicht einfach so konterkarieren.

Rubriklistenbild: © dpa

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