Marihuana-Handel

Marihuana-Plantage fliegt auf: Bewährung dank schlechter Qualität

Weil er von Dietzenbach aus einen lukrativen Marihuana-Handel betreiben wollte, sitzt ein Mann auf der Anklagebank des Offenbacher Schöffengerichts. (Symbolbild/Archivbild)
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Weil er von Dietzenbach aus einen lukrativen Marihuana-Handel betreiben wollte, sitzt ein Mann auf der Anklagebank des Offenbacher Schöffengerichts. (Symbolbild/Archivbild)

Ein Mann aus Dietzenbach muss sich wegen Marihuana-Handels vor Gericht in Offenbach verantworten. Dass sein Cannabis nur von minderwertiger Qualität ist, wird zu seinem Glück.

Dietzenbach – In seinem gut sitzenden Anzug wirkt der Angeklagte im Gerichtssaal eher wie ein Rechtsanwalt und nicht wie ein Drogendealer. Staatsanwalt Thomas Glab wirft dem 31-Jährigen vor, bis zum 17. Mai 2019 in seinem Haus eine Marihuana-Plantage betrieben zu haben.

Dabei hat der Angeklagte Glück, dass die Polizei weit vor einer Groß-Ernte auftaucht und dass das angebaute Cannabis von minderwertiger Qualität ist: Der Anteil des Rausch erzeugenden Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC) bei den beschlagnahmten 2,23 Kilogramm Drogen beträgt gerade einmal etwas über einem Prozent. Bei Kiffern löst das in etwa den gleichen Rausch aus wie bei Trinkern der Genuss von Clausthaler.

Und dennoch: Trotz der teils bescheidenen Qualität summiere sich der Gesamtgehalt des THC auf knapp 50 Gramm, sodass die Menge nicht mehr als geringfügig gilt. Der Staatsanwalt erwähnt zudem das professionelle Equipment, die Lampen und Belüftungsanlagen.

Dietzenbach bei Offenbach: Drogendealer wollte mit Marihuana-Plantage aus Schulden herauskommen

Eine Erklärung des Angeklagten, liest sein Rechtsanwalt Hans Wolfgang Euler vor. Darin berichtet der Mann von seinem Lebensweg, der ihn auf die Schiefebahn geführt haben soll. Die Ehe seiner Eltern sei gescheitert, weil sein Vater regelmäßig im Suff gewalttätig wurde. Seit der Jugend habe er zu beiden Elternteilen kein gutes Verhältnis. Mit der Volljährigkeit sei er ausgezogen, habe die gymnasiale Oberstufe nach einem halben Jahr abgebrochen, „weil ich arbeiten wollte, um auf eigenen Füßen zu stehen“.

Die nächsten acht Jahre habe der Angeklagte als Bundeswehrsoldat in einer Eliteeinheit verbracht. Im Anschluss sei sein Leben nicht rund verlaufen. Zwar habe er das Fachabitur geschafft, sei aber nach eigener Aussage durch eine emotional belastende und wirtschaftlich ruinöse Trennung in eine finanzielle Schieflage gekommen: „meine Bankschulden addierten sich auf 30.000 Euro.“ Während eines Aufenthalts in Amsterdam sei er das erste Mal mit Haschisch in Berührung gekommen, „auf einmal konnte ich wieder schlafen“. Zudem habe er dort einen Mann kennengelernt, der ihm berichtete, wie leicht der Anbau von Marihuana angeblich von der Hand gehe. In Dietzenbach hätte sein erster Versuch nicht funktioniert.

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Marihuana-Handel bei Offenbach: Staatsanwalt hält Geschichte des Angeklagten nicht für plausibel

Ein bisschen scheint der Angeklagte dann doch ins Geschäft gekommen zu sein, denn die Polizei fand bei der Hausdurchsuchung über 1000 Euro Bargeld. Der Angeklagte führt aus, seinen zwischenzeitlichen Job habe er zwar wegen Corona verloren, ansonsten aber seine Existenz in stabile Bahnen lenken können, was er vor allem seiner neuen Lebensgefährtin zu verdanken habe. Sie habe seine Außenstände getilgt, „ich werde alles daran setzen, ihr das Geld wieder zurückzugeben“. Mittlerweile ist der Mann zu seiner Freundin gezogen.

Staatsanwalt Glab hält die Geschichte von der hohen Verschuldung als Grund für Cannabis-Großhandel für wenig plausibel, „ich habe schon Schlimmeres gehört, als 30.000 Euro abbezahlen zu müssen“. Weil der Angeklagte nicht vorbestraft ist, belässt er es bei der Forderung nach 22 Monaten Gefängnis, die sich zur Bewährung aussetzen ließen. Außerdem soll der Angeklagte 150 Arbeitsstunden ableisten. Verteidiger Euler geht mit Glab die Haftzeit betreffend d’accord.

Seiner Meinung nach reichen aber 50 Arbeitsstunden, „denn was ist, wenn mein Mandant eine feste Arbeitsstelle findet?“. Dann könne das Gericht stattdessen eine Geldauflage verhängen, erklärt Richter Manfred Beck. Der Vorsitzende und die beiden Schöffen verhängen 22 Monate Gefängnis auf Bewährung. Dem Angeklagten gibt Beck auf den Weg, „ich denke, Sie schaffen es, sauber zu bleiben“. Das Urteil ist rechtskräftig. (Stefan Mangold)

Einige Experten fordern ein Umdenken in der Drogenpolitik - zum Beispiel die Legalisierung von Cannabis.

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