Bewährung für Betrüger

Mann bestellt Waren an fremde Adressen und verkauft sie auf Flohmärkten

Ein Dietzenbacher wollte mit seiner Betrugs-Masche zusätzliches Geld verdienen. (Symbolbild)
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Ein Dietzenbacher wollte mit seiner Betrugs-Masche zusätzliches Geld verdienen. (Symbolbild)

In Offenbach steht ein Mann aus Dietzenbach vor Gericht. Ihm wird dutzendfacher Betrug vorgeworfen.

Dietzenbach – Viel lästigen Ärger verursachte ein Dietzenbacher, der sich vor dem Schöffengericht in Offenbach verantworten musste. Er hatte auf die Adressen ihm fremder Personen 62-mal bei Versandhändlern bestellt, um die Ware auf dem Flohmarkt zu verkaufen. Die zwei Jahre Gefängnishaft bekommt er zur Bewährung ausgesetzt, den Schaden von rund 25 596 Euro muss er bezahlen.

Während des Prozesses fragt Staatsanwalt Alexander Betz den Vorsitzenden Richter Manfred Beck nach einer gewissen Zeit, ob er die Anklage im Sitzen weiter verlesen dürfe. Beck stimmt zu. Betz muss alle 62 Bestellungen zwischen dem 2. Februar und dem 25. April 2018 samt dem jeweils entstandenen Schaden aufzählen. Das zieht sich.

Der Angeklagte wohnt mit seiner Frau in Dietzenbach. Die sollte eigentlich auch vor Gericht stehen, kann jedoch ein ärztliches Gutachten vorlegen, das ihr attestiert, nicht verhandlungsfähig zu sein.

Dietzenbach: Zusteller helfen Angeklagtem

Der Staatsanwalt wirft dem 51-Jährigen vor, ohne Zahlungsabsicht bei Firmen bestellt zu haben, die gegen Rechnung liefern. Der Mann orderte vor allem teures Spielzeug, hochwertige Kleider und Parfüm.

Sinn macht es aber keinen, wenn irgendwelche Leute etwas geliefert bekommen, was sie nicht bestellten. Deshalb soll der Angeklagte auch nur Firmen ins Visier genommen haben, die über einen bestimmten Zustelldienst liefern lassen. Dort kannte er angeblich zwei Fahrer, die gegen 20 Euro pro Paket ihren kargen Lohn aufbesserten und nicht an die gewünschte Adresse lieferten, sondern in Alzenau und Kahl am Main die Ware dem Angeklagten oder einer Mittelsfrau übergaben.

Offenbach: Mann aus Dietzenbach wegen dutzendfachen Betruges verurteilt

Die Adressen der vermeintlichen Besteller existierten tatsächlich, Richter Beck wird am Ende in seiner Urteilsbegründung erwähnen, wie sehr der Angeklagte die Betroffenen durch die Verwendung ihrer Adressen nervte, die sich zum einen mit den liefernden Firmen auseinandersetzen und zum anderen noch Anzeige erstatten mussten.

Beck fragt Rechtsanwalt Lars Leichner, was er von einem Rechtsgespräch halte. Leichner ist einverstanden. Verteidiger, Staatsanwalt, Richter und die Schöffen tasten untereinander ab, wie der Strafrahmen im Falle eines Geständnisses aussehen könnte. Anschließend verkündet Beck, der Korridor für die Gefängnishaft läge zwischen 18 und 24 Monaten, hinzu kämen 300 Arbeitsstunden.

Dietzenbach: Frau des Angeklagten ist schwer krank

Verteidiger Leichner erklärt, sein Mandant räume alle Taten ein. Dessen Gattin hätte von den Taten jedoch nichts gewusst. Im Alltag bezieht der Angeklagte von der Versicherung Geld für die Pflege seiner schwerkranken Frau. Der Dietzenbacher selbst legt Wert darauf, mit einer anderen Frau zusammengearbeitet zu haben, nicht mit seiner. Er habe sich vom Geldmangel leiten lassen, „die Sachen verkaufte ich auf dem Flohmarkt“. Er habe sich auch durch die Erkrankung seiner Gattin in einer misslichen wirtschaftlichen Lage befunden.

Der Dietzenbacher kassierte in den vergangenen 21 Jahren manchen Eintrag im Bundeszentralregister, etwa wegen Urkundenfälschung oder Autofahren ohne Pflichtversicherung. Staatsanwalt Betz verlangt die anberaumten zwei Jahre Haft, die nächsten vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem soll der Mann 300 Sozialstunden ableisten, sowieso muss er 25 595,99 Euro Wertersatz zahlen. Erwartungsgemäß plädiert Verteidiger Leichner auf 18 Monate Bewährungshaft, „durch das Geständnis ersparte er dem Gericht Zeugenaussagen“. Außerdem läge die Tat dreieinhalb Jahre zurück.

Richter Beck und die beide Schöffen folgen jedoch in Gänze dem geforderten Strafmaß des Staatsanwalts. Eine mildere Strafe sei nicht möglich, auch wenn auf dem Flohmarkt wohl nicht viel hängen geblieben sei: „Ihr Zubrot fiel wohl gering aus, dass die Polizei Sie erwischt, das war klar.“ (Von Stefan Mangold)

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