Dietzenbacher Afghanen schienen integriert 

Bewährung für zwei Schläger

Dietzenbach - Noch nie sind Ahmad J. (37) und sein Bruder Mohamad J. (29) mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Die beiden Dietzenbacher Afghanen  sind recht gut integriert. Doch wegen einer Schlägerei mit ihrem Cousin sind sie nun zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Mohamad hat eine Ausbildungsstelle als Lagerlogistiker in Aussicht, sein Bruder ist sechsfacher Familienvater und unterrichtet als Imam 70 Schüler in einer muslimischen Schule.

Am 6. Juni 2012 jedoch verschmutzt eine Schlägerei mit Cousin Z. A. (34) die vorbildlichen weißen Westen. Wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung wurden die Brüder nun am Darmstädter Landgericht zu Bewährungsstrafen verurteilt: Ahmad zu zwei Jahren, Mohamad zu eineinhalb Jahren. Die ursprüngliche Anklage wegen versuchten Totschlags kann Staatsanwältin Sylvia Erdelt nicht aufrechterhalten, zu groß sind die während der vierstündigen Verhandlung mit 18 Zeugen aufgekommenen Zweifel. So sicher wie selten vor Gericht ist dagegen der Tathergang – der wurde von einer Überwachungskamera aus einiger Entfernung komplett aufgezeichnet.

Wie zuvor telefonisch verabredet, trifft sich Ahmad am Tattag mit Z. A. auf dem Parkdeck am Rohrbrunner Weg. Angeblich geht es um eine Frage der Ehre, was in muslimischen Familien nicht selten als Streitauslöser gilt. Richter Volker Wagner lässt sich davon aber nicht täuschen: „Es ging hier nicht um Moral, sondern um handfeste wirtschaftliche Interessen.“

Schläge wegen 300 Euro Schulden

Wochen zuvor nämlich hatte Ahmad mit Z. A. einen Autoverkauf ausgehandelt – und wartet noch immer auf die Restzahlung. Der Cousin aber hat auf dem Parkdeck die fehlenden 300 Euro nicht dabei. Schon Augenblicke später geht eine Rangelei los; wer anfängt, ist nicht erkennbar. Dann kehrt kurz Ruhe ein, Mohamad kommt hinzu, will schlichten. Z. A. läuft weg, beide verfolgen ihn. Um sich zu wehren, zielt das Opfer mit einem Teleskopschlagstock auf Ahmads Kopf, verliert die Waffe aber aus der Hand. Das bringt den Imam endgültig aus der Fassung. Er schnappt sich den Schlagstock, zückt ein mitgebrachtes Messer. Beide Brü-der bringen den Cousin zu Fall und wirken mit roher Gewalt schlagend, tretend und stechend auf ihn ein, bis Zeuge K. dazwischen geht und die Polizei ruft.

Messer nicht für Apfelsinenschälen dabei

Gerichtsmediziner Peter Trageser zählt später im Offenbacher Klinikum drei größere Schnittverletzungen sowie zahllose Blutergüsse, Quetschriss- und Schürfwunden. Nur dem Zufall ist es zu verdanken, dass keine der Blessuren lebensgefährlich ist. Beide Verurteilte sind geständig, zu erdrückend wäre ohnehin die bildliche Beweis-last der Kamera und die der unbeteiligten Augenzeugen K. und M. Wagner lobend: „Das waren sehr gute Zeugen, wie man sie normalerweise nicht im Spessartviertel erwartet.“

Nur das mit dem Messer will Ahmad anfangs nicht so herausrücken, das scheint ihm offensichtlich unangenehm. „Das hat mir in der Schule jemand fürs Essen geschenkt“, entschuldigt er, räumt aber später nach Einwirken seiner Verteidigerin doch ein, es benutzt zu haben. Für Wagner war das ohnehin klar: „Das Messer, das ein Mensch in Dietzenbach dabei hat, ist nicht zum Apfelsinenschälen!“

Rubriklistenbild: © dpa

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