Bildungshaus

Kinder warten schon vor der Tür

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Ob draußen im Hessentagspark, auf dem Grün rund ums Bildungshaus oder auch drinnen am Tischkicker: Auch beim Kids-Treff ist Fußball gerade mächtig angesagt.

Dietzenbach - Sonntags besuchen bis zu 40 Mädchen und Jungen den Kids-Treff im Bildungshaus. Von Khang Nguyen 

„Früher war ich selbst hier“, erinnert sich Youssef Errais, während er sich im Bistro des Bildungshauses umschaut. Doch das ist schon lange her. Damals habe er viel Zeit im Jugendzentrum verbracht, auf dessen Grundstück nun das Bildungshaus steht. Heute jedoch arbeitet er als pädagogische Fachkraft und leitet den „Kids-Treff“: Jeden Sonntag kommen hier bis zu 40 Kinder zusammen, die miteinander den Nachmittag verbringen möchten. Gemeinsam mit Mirand Kamili öffnet Errais um halb zwei die Türen. „Meistens stehen die Kinder dann schon eine Stunde davor und warten“, sagt der Betreuer mit marokkanischen Wurzeln.

Beim Eintritt ins Bildungshaus gilt als erste Regel: Schuhe ausziehen. Denn irgendwann habe er bemerkt, dass viel Dreck an den Kissen zurückbleibe, erläutert Errais. In den darauffolgenden drei Stunden wird dann ein großes Angebot aufgefahren: Die Mädchen und Jungen im Alter zwischen 9 und 13 Jahren dürfen selbst entscheiden, ob ihnen an diesem Tag eher nach Brett- und Gesellschaftsspielen zumute ist oder sie lieber basteln möchten. Bei schönem Wetter geht es dagegen raus, wo Kamili und Errais mit den Kindern sportlichen Aktivitäten nachgehen – beispielsweise Ball spielen.

Viele Kinder aus Spessartviertel

Fast alle teilnehmenden Kinder haben einen Migrationshintergrund, vor allem aus dem Spessartviertel kommen viele Besucher. Neben Kindern, deren Familie aus der Türkei oder Marokko stammen, mehrten sich unterdessen auch Mädchen und Jungen mit spanischen Wurzeln, sagt Maud Möller, die Koordinatorin im Bildungshaus: „Auch andere, weniger stark vertretene ethnische Gruppen kommen öfter.“ Genau diesen Effekt wolle man fördern, damit Verständigungsbarrieren untereinander mit der Zeit wegfielen. „Es ist ein ständiges soziales Lernen in Gruppen“, erläutert Möller. Und in der Tat: Kamili und Errais sind das beste Beispiel dafür, dass derlei Angebote, um die Jugend von der Straße zu holen, bei den Kindern gut ankommen. „Ich kenne Mirand bereits, seitdem er in die Schule gekommen ist“, erinnert sich Errais an das erste Zusammentreffen beider. Seither pflege man einen guten Kontakt zueinander. „Irgendwann habe ich ihn gefragt, ob er mir helfen möchte, auf die Kinder aufzupassen und ihnen eine Chance zu bieten.“

Der 18-jährige Kamili ist seitdem stolz, im Bildungshaus arbeiten zu dürfen. Gemeinsam mit Errais plant er regelmäßige Ausflüge – um den Kindern zu zeigen, was es in ihrer Stadt so alles gibt. Während viele beispielsweise den Hessentagspark schon kannten, waren einige erstaunt, als sie zum ersten Mal beim Aussichtsturm waren.

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Doch abseits des ganzen Vergnügens gibt es auch Momente, in denen die Betreuer durchgreifen müssen. Erst vor Kurzem etwa verwies Errais einen Jungen des Bildungshauses und erteilte ihm ein Verbot bis zu den Sommerferien, da dieser die Regeln nicht befolgt hatte. „Man muss den Kindern manchmal zeigen, was richtig ist und was nicht“, sagt er.

Für die Zukunft wünscht sich Errais, dass jemand anderes einmal sein Projekt übernimmt. Und wer weiß – vielleicht wird es ja dann sein langjähriger Freund Kamili sein?

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