„Bin weiterhin ein Liberaler“

Artus Rosenbusch blickt auf 21 Jahre als Stadtverordneter zurück

Vor alten Wahlplakaten: Artus Rosenbusch war 21 Jahre Stadtverordneter.
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Vor alten Wahlplakaten: Artus Rosenbusch war 21 Jahre Stadtverordneter.

Mit der neuen Legislaturperiode endet für so manchen Stadtverordneten auch die jahrzehntelange Arbeit im Parlament. Einer von ihnen ist Artus Rosenbusch. 21 Jahre war der 84-Jährige Stadtverordneter. 16 Jahre für die FDP und zuletzt fünf Jahre als Fraktionsloser. Ein Zwist im Jahr 2016 sorgte für sein Ausscheiden aus der FDP.

Dietzenbach – Die Nachricht seines Austrittes kam im Juli 2016 für viele überraschend. Nach Querelen mit dem Vorstand der Dietzenbacher FDP und Abstimmungen gegen ihn als Person, trat Artus Rosenbusch mit seiner Frau Gisela aus der FDP aus. Er war zu diesem Zeitpunkt 25 Jahre Partei-Mitglied und führte die FDP-Fraktion zudem jahrelang an. Das Fass zum Überlaufen brachte zu jener Zeit die Wahl der Vertreter für die Betriebskommission der Städtischen Betriebe. Dabei erhielt Rosenbusch nur zwei Stimmen, obwohl die FDP-Fraktion zu jener Zeit drei Stimmen stark war. „Das geht einfach nicht“, sagt Rosenbusch. Der Austritt folgte, seitdem saß er als Parteiloser im Stadtparlament. Bei der letzten Stadtverordnetensitzung am 5. März dieses Jahres hielt der Fraktionsvorsitzende der Dietzenbacher Liberalen, Sven Hartmann, sogar eine Rede zu Ehren von Rosenbusch. Also: Ende gut, alles gut? „Ich war auf jeden Fall überrascht und gerührt“, sagt der ehemalige Stadtverordnete, „ich bin weiterhin ein Liberaler durch und durch“.

Doch der Dietzenbacher kann nicht nur auf ein bewegtes politisches Wirken zurückblicken, sondern auch auf ein ereignisreiches Leben: 1937 in Offenbach geboren, erlebt der junge Artus Rosenbusch noch die letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs mit. Ab 1943 kommt er bei Verwandten auf dem Land unter, denn Kinder mussten in dieser Zeit die Stadt verlassen, wie Rosenbusch erzählt. Später machte er zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann in der Offenbacher Gerberei „Mayer & Sohn“. In dem Betrieb kam er auch das erste Mal mit dem Thema Werbung in Kontakt und machte dazu später noch ein Fernstudium.

Es folgte darauf der Wechsel zur Bank für Gemeinwirtschaft, bei der Rosenbusch bald auch die Werbeabteilung leitete. Dort wirkte der heute 84-Jährige an der Gründung der Bank für Sparanlagen und Vermögensbildung (BSV) mit, die später zur ING Diba wurde. Es war damals die erste Direktbank ohne Filialen in Deutschland. „Da bin ich heute noch Kunde, weil da hängt einfach ein Stück Herzblut mit drin.“ Doch der bisherige Erfolg war ihm noch nicht genug und so gründete Rosenbusch mit einem Freund seine eigene Werbeagentur. „Wir haben damals ab morgens in der Werbeabteilung gearbeitet, dann waren wir kurz einen Schoppen trinken und haben abends spät noch am Aufbau der Werbeagentur gearbeitet“, erzählt Rosenbusch, „als wir Wüstenrot als Kunden hatten, konnten wir uns dann auch voll auf die Agentur konzentrieren“.

Neben dem Umbruch im beruflichen Leben gab es auch Veränderungen im Privaten. Bei einem Skiausflug lernte er seine heutige Frau Gisela kennen, mit der er zwei Töchter und einen Sohn hat. Eine Tochter ist allerdings bereits verstorben. Es zog ihn 1972 nach Dietzenbach, wo er noch heute lebt. Beim SC Steinberg schloss er dann schließlich auch eine enge Freundschaft zu Horst-Eberhard von Kiesling, der schon länger in der FDP war. Und so zog es auch den Unternehmer Rosenbusch zu den Liberalen. Bald darauf folgte für ihn der Eintritt in die FDP und im Jahr 2000 die Wahl ins Stadtparlament. Später wirkte Rosenbusch unter anderem auch beim Arbeitskreis „Aktives Gedenken in Dietzenbach“ mit und sorgte mit dafür, dass Stolpersteine zur Erinnerung an von den Nazis verfolgte Menschen verlegt wurden.

(Von Lukas Reus)

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