Biomüll vergären und Geld sparen

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Die während des Testversuchs eingesparten 80 000 Euro wandern in die Rücklage der Städtischen Betriebe.

Dietzenbach ‐ Bananenschalen und Kaffeesatz, Gartenabfälle und Grünschnitt landen nicht immer auf dem Kompost. Viele Bürger werfen diese Stoffe mangels Alternativen in die Hausmülltonne, deren Inhalt schließlich in der Müllverbrennungsanlage landet. Von Christoph Zöllner

Dabei kann dieses biogene Material vergoren und in Energie umgewandelt werden. Und die Bürger sparen obendrein Gebühren, denn je weniger Abfall im Heizkraftwerk landet, desto weniger Geld muss die Stadt zahlen.

„Zentrale Sortierung“ lautet das Zauberwort. Die Städte Dietzenbach und Offenbach haben es bei einem mehrmonatigen Modellversuch bereits erfolgreich getestet. Der Hausmüll aus der Kreisstadt wurde bis Juni 2010 nach Wicker bei Flörsheim gekarrt und um die biogenen Stoffe erleichtert. Nun hat der Kreis Offenbach als zuständiger Entsorgungsträger die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass aus dem Probe- ein Regelbetrieb werden kann.

Kommunen, die ihren Müll sortieren lassen wollen, profitieren von einem kleinen Passus mit großen Folgen. In Paragraf 20 der seit 1. Januar gültigen Novelle der Abfallsatzung heißt es: „Von den Bestimmungen dieser Satzung können Ausnahmen auf schriftlichen Antrag zugelassen werden.“ Doch bevor dem Restmüll wieder Biomasse entzogen werden kann, muss die Stadt einen neuen Anbieter für die Sortierung finden, da Wicker nicht mehr in Frage kommt. Problematischer ist es aber, eine Vergärungsanlage in der Nähe zu finden – irgendwo zwischen Mainz und Aschaffenburg. Sonst rechnet sich der logistische Aufwand nicht. Außerdem würden lange Wege mit entsprechender CO²-Emission die Ökobilanz verhageln. Und dann wäre eine zentrale Sortierung keine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Alternative mehr zur Biotonne. „Wir beobachten den Markt“, sagt Michael Würz, einer von zwei Leitern der Städtischen Betriebe in Dietzenbach.

Bis zu 32 Prozent des Restmülls dürfen in einer zentralen Sortieranlage herausgefiltert werden, so hat es die Rhein-Main Abfall GmbH (RMA) festgelegt, die für die Kommunen den Müll entsorgt. Die während des Testversuchs eingesparten 80 000 Euro wandern in die Rücklage der Städtischen Betriebe. In Zukunft rechnet Betriebsleiter Christian Locke mit bis zu 150 000 Euro weniger Kosten pro Jahr, die an die RMA zu zahlen sind. Das entspräche einem Anteil von fast neun Prozent. Zurzeit fallen rund 7800 Tonnen Restmüll pro Jahr in Dietzenbach an.

„Je größer die Menge, desto besser der Preis fürs Sortieren“, weiß Würz um seine Verhandlungsposition. Und deshalb gibt es auch Gespräche mit Langen und Neu-Isenburg. Kommunen, die wie Dietzenbach an einer Alternative zur Biotonne interessiert sind und die Testphase in Wicker mit Argusaugen beobachtet haben.

Sobald die Städte Anbieter gefunden haben, die zu einem akzeptablen Preis sortieren und vergären, könnten sie die schriftliche Genehmigung des Kreises beantragen. Dies sollte nach der Änderung der Abfallsatzung reine Formsache sein. Doch bis es so weit ist, können noch Monate vergehen. Bis dahin werden 100 Prozent des Hausmülls verbrannt – samt Bananenschalen und Kaffeesatz.

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