Neun Säulen, ein Auto, vier Kameras:

Vögelchen lauert auf Temposünder

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In grau-schwarz gestreift steht sie da, die Blitzersäule mit Laserfächer. Weder Rot- noch Temposünder sind vor ihr sicher.

Dietzenbach - Neun Blitzersäulen sind in der Stadt fest installiert, ein Caddy misst mobil die Geschwindigkeit. Temposünder haben in „Blitzerbach“ keine Chance. Von Carolin Henneberg 

Die Emotionen schlagen beim Thema Blitzer in Dietzenbach stets hoch. Die Stadt am Besten gleich in „Blitzerbach“ umbenennen, schreit die eine Seite. Es ist gut für die Straßensicherheit, argumentiert die andere. Wer sich an die gebotene Geschwindigkeit hält, hat ja auch keine Probleme. Definitiv zur zweiten Gruppe gehört Markus Hockling, Leiter des Fachbereichs für Sicherheit und Ordnung: „Wir blitzen nicht, um Leute zu ärgern“, stellt er klar. „Es geht darum, Unfallpunkte im Auge zu behalten, den Lärm für Anwohner zu reduzieren und für die Sicherheit an Schulen und in Wohngebieten zu sorgen.“

Die Zahlen geben Hockling recht. Im vergangenen Jahr blitzte es in Blitzerbach 21.372 Mal. Spitzenreiter was die Schnelligkeit angeht, auch wenn er wohl auf einen Pokal dafür verzichten muss, war ein Fahrer an der Kreisquerverbindung. Bei erlaubten 60 raste er mit 118 Stundenkilometern, die Toleranz von drei schon abgezogen, in den Blitzer. An der Waldorfschule – erlaubt sind dort 50 Stundenkilometer – wurde ein Auto mit rasanten 102 Stundenkilometern erwischt. Aber auch die Rodgaustraße muss sich in Sachen geblitzte doppelte Geschwindigkeit nicht verstecken: 30 sind erlaubt, 64 Stundenkilometer wurden gefahren.

„Viele Fahrer unterschätzen die Blitzersäulen“, ist sich Hockling sicher. So zum Beispiel am Ausgang des Hexenbergs Richtung Waldschwimmbad und Offenthal. Früher, vor besagten Säulen, seien viele einfach – aus Offenthal kommend – auf die Gegenfahrbahn ausgewichen, um so die Kontaktschleifen auf dem Boden zu umgehen. Diese seien bei der neuen Technik aber nicht mehr nötig, erklärt Hockling, der Laserfächer erledige das. Das mussten in der Vergangenheit auch Jugendliche in Papas BMW M3 leidvoll erfahren: „Die sind mit rund 120 Stundenkilometern auf die Gegenseite gebrettert, dann hat’s geblitzt“, erzählt Hockling. Seit 2011 nennen neun der grauen Türmchen Dietzenbach ihr Zuhause. 600.000 Euro kostete die Anschaffung damals, inklusive aller Erdarbeiten und drei Kamera-Einschüben. Fest installierte stehen je drei an der Vélizystraße, an der Offenbacher Straße und an der Kreisquerverbindung. Die Kosten haben sich laut Hockling mittlerweile amortisiert – und das nicht erst heute.

Neun Säulen, drei Kameras. Bedeutet konsequenterweise, dass immer nur an drei stationären Blitzern das Vögelchen auf Sünder lauert: „Die Kameras werden etwa im Vier-Wochen-Takt getauscht“, sagt der Fachbereichsleiter.

Der mobile Blitzer-Caddy des Ordnungsamtes ist 2015 167 Mal ausgerückt. Dabei standen am Ende 845 Stunden Blitzlichtgewitter auf der Uhr. Ihm gingen auch die meisten Temposünder in den Laser, nämlich 15 357. Diese Zahlen bleiben laut Hockling jedes Jahr auch relativ konstant. Wo das Auto steht, ändere sich natürlich regelmäßig. Problemzonen sieht Hockling etwa an der Berliner Straße auf dem Hexenberg, dem Theodor-Heuss-Ring und an der Frankfurter Straße. „Wenn sich Bürger bei uns melden und von einer problematischen Stelle berichten, versuchen wir auch dort hinzugehen, wenn das Blitzen an dieser Position denn auch möglich ist“, sagt der Fachbereichsleiter.

Über die genauen Beträge, die dadurch in den Stacksäckel geschwemmt werden, gibt es seitens der Stadtverwaltung keine Auskunft. Doch die kann jeder für sich selbst errechnen. So befinden sich die meisten Strafzettel im Verwarngeldbereich zwischen 15 und 25 Euro. Bußgelder über 55 Euro bleiben nur zu 40 Prozent in der Kreisstadt, die restlichen 60 Prozent gehen an das Land Hessen. „Natürlich gibt es Einnahmen“, sagt Hockling, „doch der Strafkatalog ist bundesweit einheitlich“. Grundsätzlich werde ja auch nur der geblitzt und zur Kasse gebeten, der zu schnell war und sich somit nicht an die Gesetze hält.

Neue Säulen sind in der Kreisstadt indes nicht geplant. Auf der Wunschliste des Fachbereichsleiters steht allerdings eine weitere mobile Kamera: „Mit zwei davon könnten wir endlich auch mal die Motorradfahrer erwischen, die bis jetzt ungeschoren davon kommen.“ Die Kosten von rund 55.000 Euro wurden im Haushalt der vergangenen Jahre jedoch nicht eingeplant. Hockling sieht in der Dietzenbacher Blitzerei in keinster Weise eine Abzocke: „Es ist nötig, für die Verkehrssicherung. Die Fahrer sollten an die Kinder denken, die Messergebnisse bestätigen das.“

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