Nach 49 Jahren

Abschied vor dem Jubiläum: Buchhandlung Bernshausen schließt 

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Dirk Holm und Ronja Schrod schließen am 11. August zum letzten Mal die Buchhandlung Bernshausen auf.

Dietzenbach - Im kommenden Jahr wäre die Buchhandlung Bernshausen 50 Jahre alt geworden. Doch kurz vor dem Jubiläum schließt Inhaber Dirk Holm den vorletzten Buchladen in der Altstadt. Von Ronny Paul 

„Es gibt (fast) nichts Lesbares, das Sie bei uns nicht finden“, heißt es auf einem Flugblatt der Buchhandlung Bernshausen, das vermutlich Ende der 70er Jahre rausgegeben wurde. Neben Krimis, Romanen und Reiseführern werden dort auch etwa Spiele, Gitarrensaiten und Poster aufgeführt. Das ist Vergangenheit: Die Buchhandlung Bernshausen schließt zum 11. August. Damit verschwindet ein echtes Traditionsgeschäft für immer aus der Altstadt. Es war die erste Buchhandlung, die im noch nicht stadtgewordenen Dietzenbach 1969 eröffnete und wohl eine der ersten im Kreis Offenbach, vermutet der aktuelle Geschäftsführer Dirk Holm.

Elke Bernshausen startete mit der gleichnamigen Buchhandlung zunächst an der Landwehrstraße, mehr aus Lust und Begeisterung als aus Profitstreben, schrieb sie in dem Werbeflyer. Die „kleinen und heimeligen“ Geschäftsräume „platzten jedoch bald aus allen Wänden“: „Deshalb zog ich im September 1977 ins ,Gelbe Haus’ in der Bahnhofstraße“, heißt es weiter in der Broschüre, die in dem selben Grün wie die prägnante Markise mit der Aufschrift Bücher am Eingang gehalten ist.

Holm, der die Werbebroschüre entdeckt hat, führt die Buchhandlung mittlerweile in dritter Generation, hat den Laden 1998 von Bernshausens Nachfolgerin Heidi Ullrich übernommen. „Aus wirtschaftlichen Gründen hätte ich das Geschäft schon vor zwei bis drei Jahren schließen müssen“, sagt der 54-Jährige, der neben dem Ladenlokal in Dietzenbach noch die Buchhandlung Rödermark, die Jügesheimer Bücherstube und „Bücher am Gänseeck“, ebenfalls in Rödermark, betreibt. Einen weiteren Buchladen in Dreieichenhain hat er im vergangenen Jahr verkauft. Er habe lange mit der Schließung gehadert, müsse aber Personal und Laden finanzieren, was in den vergangenen Jahren nicht mehr kostendeckend gewesen sei. Es sei der erste Laden, den er schließen müsse: „Man schneidet schon ein Stück aus sich raus“, bedauert der Rodgauer.

Aber die Veränderung in der Altstadt sei „gravierend“: „Schauen Sie sich in der Bahnhofstraße um: Der Bäcker ist weg, der Metzger ist weg, der Schlecker schon länger.“ Dadurch bleibe das Laufpublikum aus. Das sei kein Dietzenbach spezifisches Problem, die Infrastruktur in den Städten verändere sich: Erst schwinden die Läden, dann die Cafés und Restaurants, sagt Holm: „Die Einkaufsstraßen in Kleinstädten sterben aus. Wir kämpfen im Einzelhandel wie Don Quichotte gegen die Windmühlen.“

OP unterwegs auf der Frankfurter Buchmesse 2017

Natürlich habe das Internet vieles verändert. Das Hauptproblem sei aber nicht der Marktriese Amazon – die Buchpreisbindung verhindert Dumpingpreise – sondern die Suchmaschine Google, die gedruckte Wörterbücher und Lexika komplett vom Markt gewischt hat. Die wohl bekannteste Enzyklopädie, der Brockhaus, wird seit 2014 nicht mehr herausgegeben. Amazon liefere zudem auch nicht schneller, „wer bis 18.30 Uhr bei uns ein Buch bestellt, kann es am nächsten Tag schon im Laden abholen“, betont Holm und fügt an: „Wir sind seit 30 Jahren schon so schnell.“ Er vermutet eher, dass Menschen „zu faul“ seien, um das Bestellte im Laden abzuholen. Auch Öffnungszeiten seien ein Problem, besonders an den Sonntagen in der Weihnachtszeit. „Wenn ein Frankfurter zum Weihnachtsmarkt kommt, möchte ich ihm sofort ein Buch verkaufen, der kommt nicht montags noch mal nach Dietzenbach.“

Allerdings ist sich Holm auch sicher: „Der Buchhandel wird nie sterben, darüber muss man sich keinen Kopf machen.“ In den letzten Wochen verkauft die Buchhandlung alle „Nonbook“-Artikel zu 50 Prozent, Kalender für 2019 zu 30 Prozent reduziert. Zudem weist Holm darauf hin, dass gekaufte Gutscheine weiterhin in seinen anderen Geschäften eingelöst werden können.

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