Comedian Dave Davis im Interview

Auf der Bühne gibt’s keine Tabus

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Dave Davis bringt sein aktuelles Soloprogramm nach Dietzenbach mit.

Dietzenbach -  Mit seinem Programm „Blacko Mio! – Glück ist eine Holschuld“ ist Dave Davis am Donnerstag, 20. April, ab 20 Uhr zu Gast im Bürgerhaus (Europaplatz 3). Wir haben mit ihm über politisch korrekten Humor und sein Publikum gesprochen. Von Christian Wachter 

Wo hört eigentlich für Sie der Spaß auf?

Das Besondere an unserem Metier ist ja, dass wir über alles reden können. Man muss nur die Wendung hinbekommen. Wie der Narr, der Witze über den König machen darf, ohne geköpft zu werden.

Es heißt, Sie philosophieren gerne über die „German Angst“. Machen wir uns zu viele Sorgen?

Ja, auf jeden Fall. Vor allem machen wir uns Sorgen, wo keine von Nöten sind. Wir leben immer noch in einem der reichsten Länder der Welt. Allerdings beziehen viele Leute ihr aktuelles Weltbild und die Nachrichten von Facebook.

Ist Ihr Humor politisch korrekt?

Den Begriff mag ich nicht, er wurde eigentlich von den Rechten erfunden. Sobald man sagt, es sei politisch korrekt, impliziert das, dass es eine Wahrheit gibt, aber mit dem politisch Unkorrekten noch eine, die darüber steht. Für mich gibt es Anstand und keinen Anstand. Ich nenne eine Frau nicht „Weib“ oder einen Behinderten „Krüppel“. Auf der Bühne ist das etwas anderes, da verwende ich Stilmittel, die Überhöhung etwa. Dann gibt’s auch keine Tabus, sonst bräuchte ich meinen Job nicht zu machen. Ich muss Dinge ansprechen, die wehtun.

Welche Themen tun Ihnen denn weh?

Einige. Es ist eine Beleidigung für meinen Verstand, wenn ich sehe, dass Menschen einen Präsidenten wie Trump wählen. Ich wundere mich auch über AfD-Wähler, weil das eben nicht die sind, die von der Wirtschafts- oder Familienpolitik dieser Partei begünstigt würden.

Die Fernsehbühne betreten haben Sie mit Formaten wie NightWash, bei denen es einen engen Kontakt zum Publikum gibt...

Ich hab’ Spaß an der Unmittelbarkeit. Ich mag zwar größeren Bühnen, aber da geht das Persönliche etwas verloren. Ich möchte mit dem Publikum interagieren und spule mein Programm auch nicht einfach ab, sondern ändere häufig den Ablauf.

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Möchte auch jeder im Publikum mit Ihnen interagieren?

Das hat man im Gespür, ein paar Schlaumeier gibt es natürlich, die sich in die erste Reihe setzen und nicht angesprochen werden wollen. Aber inzwischen merke ich so was.

Sie haben bei Ihren Auftritten lange den Toilettenmann Motombo Umbokko verkörpert. Gibt es die Figur noch?

Die Rolle gibt es noch, gerade an Karneval. In der nächsten Saison habe ich 120 Termine in sechs Wochen, spiele teils acht Mal am Tag. Aber das macht Spaß. So habe ich immer noch die Figur, aber kann auch als Klarperson auf die Bühne. Aktuell ist es mein persönlichstes Programm, ich erzähle aus meinem Privatleben und stelle das in einen politischen Kontext.

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