Bürgerreise nach Kunming

In der Stadt des Frühlings

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Ein chinesischer Schüler hat bei Uschi Heusels Ausstellung ihre Ratte Ludwig nachgemalt. Die Dietzenbacher Delegation besuchte unter anderem die drei Pagoden des Chongsheng-Tempels in Dali.

Dietzenbach - Unzählige Eindrücke haben die Dietzenbacher auf der ersten Bürgerreise in die Freundschaftsstadt Kunming gesammelt. Nicht nur die Ausstellung von Uschi Heusel und die Sehenswürdigkeiten, auch die Gastfreundschaft bleibt den Teilnehmern im Gedächtnis. Von Ronny Paul 

„Seit vergangenen Oktober ist der Virus in mir wieder ausgebrochen.“ Es ist kein gesundheitsbedrohlicher, sondern ein Erreger der Aufregung und Anspannung, der die Künstlerin Uschi Heusel gepackt hat, ihre Werke in Dietzenbachs sieben Millionen Einwohner großen Freundschaftsstadt Kunming auszustellen. Nachdem die vergangenes Jahr bereits vorgesehene Bürgerreise nicht geklappt hat, ist jüngst eine 13-köpfige Gruppe über Peking in Dietzenbachs Freundschaftsstadt Kunming geflogen. Im Mittelpunkt stand dabei Uschis Heusels Ausstellung im „Liuyun Hall H Experimental Theater“. Dabei hatten Heusel und Norbert Kern, der zum einen die Freundschaft zwischen beiden Städten zusammen mit seinem Kunminger Freund Jin Feibao initiiert und zum anderen die Bürgerreise organisiert hat, eine Zeit lang Angst, die Gemälde der Dietzenbacher Künstlerin könnten nicht rechtzeitig im Reich der Mitte ankommen. Letztlich war es eine Punktlandung, berichtet Kern, der die Reise aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig nicht antreten konnte. Als die Bilder dann in der Nacht vor der Ausstellungseröffnung ankamen und Jin Feibao mit Freunden die ganze Nacht alles vorbereitet hat, sei ihr ein „Riesenstein“ vom Herzen gefallen, berichtet Heusel.

Die Ausstellungseröffnung selbst war für die Künstlerin überwältigend. Alle Plätze waren besetzt, Zeitungs-, Radio- und Fernsehjournalisten sowie viele namhafte Künstler aus Kunming und Umgebung waren gekommen, um Ratte Ludwig und das „Museum of Modern Rat“ kennenzulernen. Darunter auch der bekannte Künstler Luo Xu, der 2012 einige seiner Werke im Dietzenbacher Rathaus ausgestellt und die Delegation auf ihrer elftägigen Reise Tage später in Mile empfangen hat. Feibao, der die Ausstellung komplett über Sponsoren-Geld finanziert, viel Werbung und Plakate gemacht hat und die Dietzenbacher mit Ratte-Ludwig-Shirts sowie üppig gestalteten und mit aktuellen Reisefotos illustrierten Ausstellungsbroschüren beschenkte, schätzte 5000 bis 6000 Ausstellungs-Besucher. Darunter auch Schulkinder, die in der Ausstellung die Werke von Heusel nachmalten. Die Steinbergerin sagt rückblickend und immer noch überwältigt: „Ich habe mich kleiner gefühlt wie in Dietzenbach, obwohl die Chinesen mich größer gemacht haben.“

Nach der Ausstellungseröffnung stand für die Dietzenbacher der Empfang bei der Stadt durch Vize-Bürgermeisterin Jianying Wang an. Diese unterstrich den Wunsch, die Freundschaft zwischen beiden Städten weiter auszubauen und auch die Möglichkeit zu nutzen, voneinander zu lernen, berichtet Erster Stadtrat Dieter Lang. „Die Bürgerreise war eine gute Möglichkeit, den Verband der Freundschaft zwischen Norbert Kern und Jin Feibao auf ein breiteres Fundament zu stellen.“ Wie es sich für gute Gäste gehört, überreichte der Erste Stadtrat einen Dietzenbach Bembel. Feibao und Wang seien zudem begeistert von Apfelwein gewesen. Eine Bürgerreise in die Kreisstadt sei für 2019 angedacht, berichtet Lang. „Sie haben klar gesagt, dass sie nächstes Jahr nach Dietzenbach kommen.“ Und dann gebe es die Überlegung, gemeinsam Apfelwein zu keltern.

Neben dem offiziellen Teil stand für die Gruppe auch viel Erkundung an.

Bilder: „Mein schönstes Selfie mit Ludwig“

Einer der Höhepunkte war der Besuch bei Luo Xu in Mile. Dort hat der Künstler eine „völlig neu gestaltete Landschaft“ geschaffen, sagt Lang. Er habe die Landschaft – etwa Hügel – so modelliert, dass sie zu den Gebäuden dort passt. Auch eine Gedenkstätte für die Toten der Kulturrevolution (1966 bis 1976) unter Mao Zedong haben die Dietzenbacher besucht. Ein Mahnmal listet die Namen der Verstorbenen auf, die unrühmliche Vergangenheit ist dort auch mit Fotos und Texten dargestellt, berichtet der Erste Stadtrat. China-Kenner Kern bestätigt, dass sich die Bürger sehr wohl mit der Aufarbeitung der damaligen Gräueltaten befassen und alte, von Mao abgerissene Tempel originalgetreu wiederaufbauen.

Bei Luo Xu haben sich die Kreisstädter besonders wohlgefühlt. Am letzten Abend stimmte Barbara Wendtland deutsches Liedgut an, nachdem die Chinesen Heusel ein Ständchen gebracht haben.

Beim Besuch des Pudacao-Nationalparks kamen die Dietzenbacher ganz schön aus der Puste, weil dieser auf 3600 Metern Höhe liegt. Und der Besuch der berühmten Tigersprungschlucht in Shangri La wird der Gruppe wohl auch noch lange in Erinnerung bleiben.

Lang: „Es gab tagtäglich so viele Eindrücke, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskam.“ Er hebt vor allem die Freundlichkeit und die zuvorkommende Art der Menschen hervor.

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