Bummel mit mulmigem Gefühl

Altstadtmarkt mit verkaufsoffenem Sonntag lockt viele Besucher an

Zum ersten Mal war Carolin Heilig (rechts) mit ihrem neuen Laden „Herzstück“ beim verkaufsoffenen Sonntag dabei. Sie eröffnete erst kürzlich, trotzt Corona, und freut sich nun umso mehr über ihre Kunden.
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Zum ersten Mal war Carolin Heilig (rechts) mit ihrem neuen Laden „Herzstück“ beim verkaufsoffenen Sonntag dabei. Sie eröffnete erst kürzlich, trotzt Corona, und freut sich nun umso mehr über ihre Kunden.

Beim Altstadtmarkt war einiges los. Dennoch blieb bei manchen Dietzenbachern ein mulmiges Gefühl.

Dietzenbach – Das Coronavirus hat auch dem Altstadtmarkt ein neues Gesicht verpasst. Eigentlich hätten verschiedene Stände rund um den „Roten Platz“ auf die Dietzenbacher gewartet. Leer ist es rund um den Stadtbrunnen dennoch nicht gewesen. Im Gegenteil. Statt der Standbetreiber, die sonst zu Gast gewesen wären, haben sich zu diesem verkaufsoffenen Sonntag die Gastronomen dazu entschlossen, die Besucher vor ihrem Bummel durch die Altstadtläden zu stärken. 

„Dianas Kochwerk im Lädchen“ und „Die Suppe und das Grün“ bieten Leckereien und Sitzgelegenheiten an. Die „Parfümerie am Stadtbrunnen“ organisiert die typische Tombola. Jedoch auch in neuem Gewand. Inhaberin Irmgard Weber sammelt während des Altstadtfrühstücks, das im April stattgefunden hätte, und des verkaufsoffenen Sonntags Spenden. „Eigentlich sollten die für den Kultursommer sein – jetzt muss ich mir etwas Neues suchen.“

Nach der langen Durststrecke sind die Dietzenbacher offensichtlich froh, dass wieder etwas in der Kreisstadt passiert. Wie Magnete ziehen die geöffneten Ladentüren die Besucher an. Hinter der Türschwelle gelten jedoch klare Coronaregeln mit Mundschutz, Abstand und begrenzter Personenzahl. Hinter so manchem Schaufenster sieht man allerdings die Ladenbesitzer oftmals mit Handgeste kleinere Grüppchen aus dem Verkaufsraum bitten. „Manche sind ganz schön übermütig“, findet Weber. Außerhalb der Läden wird der Mindestabstand nicht immer gewahrt. „Da bleibt ein mulmiges Gefühl“, findet Besucherin Tanja Duda. Dennoch sei sie froh, „mal wieder unter Leute zu kommen“. Die Dietzenbacherin Karin Arnold ergänzt: „Es tut einfach mal gut, weil man es vermisst hat – das Gebabbel, das Beisammensein, die gute Stimmung.“

Auch Carolin Heilig kann allmählich aufatmen. Es ist der erste verkaufsoffene Sonntag, an dem sie mit ihrem neuen Laden „Herzstück“ teilnimmt. Das schwarze Fähnchen mit rosafarbenem Schriftzug ist gerade rechtzeitig per Post eingetrudelt, um den Besuchern den Weg in den Laden in der Schäfergasse 20 zu weisen. Ein Teil der Herzstücke steht im Schaufenster: Mit bunten Farben und Stoffen hat Heilig alten Möbelstücken neues Leben eingehaucht. Der verspielte Vintage-Stil zieht sich durch den gesamten Laden, es gibt nostalgische Bonbongläser oder Tee in Metalldosen, Kleidung im „Boho chic“-Stil fügt sich ebenfalls ein. Inhaberin Carolin Heilig hat sich damit einen Traum erfüllt – trotz Corona. „Den Mietvertrag habe ich Anfang Februar unterschrieben“, erzählt sie. Richtig eröffnen konnte sie vor rund einem Monat. „Das lief erst mal schleppend, aber langsam wird es“, sagt sie.

Die dreifache Mutter wünschte sich etwas, das sie mit ihrem Traum eines Ladens und dem „Mamasein“ vereinbaren kann. Den Plan schmiedete sie schon lange, die Initialzündung war die anstehende Einschulung der jüngsten Tochter Tilda. Auch wenn der Start etwas holprig war, haben die Corona-Umstände etwas Gutes: Die elfjährige Mia, die älteste Tochter, packt schon mit an und tippt fleißig verkaufte Stücke in die Registrierkasse ein. „Wenn es wieder geht, biete ich auch Workshops zur Restaurierung alter Möbel an“, sagt Heilig. Kundin Daniela Hofmann freut’s: „So was hat hier in Dietzenbach gefehlt.“

VON LISA SCHMEDEMANN

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