Inhaber scheitern an der Genehmigung

Café Central: Keine Tische und Stühle auf Masayaplatz

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Der Masayaplatz.

Dietzenbach - Die Inhaber des Café Central wollen den Masayaplatz vor der Mobilitätszentrale beleben. Draußen Tische und Stühle aufstellen, das gebe die Genehmigung allerdings nicht her. Sagen Stadt und Kreis. Die Brüder Tatar sehen da noch Spielraum. Sie haben eine Online-Petition gestartet. Von Ronny Paul

Cocktailsessel, Schirmständer, Reisekoffer, Kommoden, Lampen: Im Cafe Central am Masayaplatz fühlt sich der Gast in die 1960er Jahre zurückversetzt. An den Wänden hängen alte Fotos und Streckenpläne von U-Bahnen europäischer Großstädte: Paris, London, Istanbul, Barcelona, Frankfurt. Das Motto: Reisen. „Sei es für einen Zwischenstop, einen längeren Aufenthalt oder einen Tagesausflug: Für Expressreisende bieten wir im Sprinterbereich eine große Auswahl unseres Streckennetzes und unserer Fahrkarten an“, steht auf der Speisekarte. Dementsprechend ist sie auch gestaltet: Dort werden verschiedene „Tickets“ angeboten. Unter „Schwarzfahrer“ finden sich Kaffees, unter „Nachtzuschlägen“ Biere und Weine, „Langstreckentickets“ sind Longdrinks, „Ei(senbahnen)“ Eierspeisen.

Dafür waren die Inhaber Özkan und Özgür Tatar viel unterwegs, haben sich inspirieren lassen: „Wir wollten etwas anderes bieten und haben ungewollt eine Lücke gefunden“, sagt Özgür Tatar. „Wir hätten nicht gedacht, dass es so einschlägt“, fügt sein Bruder an. „Viele Gäste aus Dietzenbach, unter anderem aus dem Kreishaus und aus dem Umkreis von etwa 30 Kilometern kommen regelmäßig zu uns“, sagt Özgür Tatar. Auf dem bekannten Internetportal Trip Advisor etwa ist das seit November geöffnete Cafe derzeit von den Nutzern auf Platz eins unter den Ausgehmöglichkeiten der Kreisstadt gelistet. Eigentlich könnten die Brüder nicht zufriedener sein. Eigentlich.

Den Masayaplatz vor ihrem Café Central wollen die Brüder Özgür (von links) und Özkan Tatar mit Außenbewirtung beleben

„Ein Café zu eröffnen klingt für viele wahrscheinlich nicht so anstrengend. Allerdings mussten wir zehn Monate um eine Genehmigung für die Nutzungsänderung der Gewerbeeinheit kämpfen“, berichtet Özkan Tatar. In den Räumen war vorher eine Versicherung ansässig. Nach Erhalt der Nutzungsänderung haben die Brüder sofort Widerspruch gegen den Punkt zwei eingereicht – „...Außenbewirtschaftung ist nicht Bestandteil dieser Genehmigung und auch nicht nachträglich genehmigungsfähig.“ Denn: „Eine Gastronomie ohne Außenbewirtung ist in vielen Städten kaum denkbar. Was wäre ein Biergarten in München ohne Garten? Oder die Cafés am Markusplatz in Venedig ohne ihre Außenbestuhlung?“, fragt Özkan Tatar. „Wir wollen der Stadt doch etwas Schönes bieten.“ In Frankfurt wäre das Café mit Außenbereich von morgens bis abends voll, vermutet Özkan Tatar: „Hätten wir das Café doch besser in Frankfurt eröffnet.“ Ihn wundert: „Statt Wege zu öffnen, werden uns Steine in den Weg gelegt.“

Kreispressesprecherin Ursula Luh sagt auf Anfrage: „Eine Baugenehmigung hat es nur gegen Auflagen gegeben.“ Und die Kreisstadt selbst teilt mit: „Bauplanungsrechtlich ist die Art der Nutzung (Gaststättennutzung) in diesem Gebiet ausgeschlossen. Die Einschränkung in der Nutzung in diesem Bebauungsplan ergibt sich aus immissionsschutzrechtlichen Gründen, um eine Störung der angrenzenden Wohnnutzung (Wohnruhe) zu vermeiden.“ Um eine Gaststätte dort zu ermöglichen, sei eine weitreichende Befreiung von den Festsetzungen (...) erforderlich gewesen.

Schwarz und stark: Perfekter Kaffee ist Geschmackssache

Das kommentiert Özgür Tatar: „Wir schließen gegen 19 Uhr, die S-Bahn fährt allerdings bis 1 Uhr und ist viel lauter.“ Er wolle fünf bis sechs Tische auf dem Masayaplatz aufbauen und ihn gleichzeitig auch sauberhalten. „Das würde den Platz aufwerten“, sagt Özkan Tatar.

Die Antwort der Stadt: Zur Bereicherung der städtischen Infrastruktur im Bereich der neuen Stadtmitte sei der Magistrat dem Antragsteller entgegen gekommen und habe im April vergangenen Jahres sein Einvernehmen unter mehreren Auflagen – unter anderem, dass explizit keine Außenbewirtschaftung erfolgen dürfe – erteilt. „Die Auflagen wurden bereits zu Beginn des Verfahrens kommuniziert und sind Bestandteil der Baugenehmigung vom Oktober.“

Özkan Tatars Einschätzung: „Die Anwohner haben kein Problem mit uns.“ Die Tatars wollen weiter für die Außenbewirtung kämpfen und haben mittlerweile erneut bei der Kreisbauaufsicht Widerspruch gegen das Verbot eingelegt. Eine Antwort steht noch aus. Derweil ist im Internet auf change.org eine Petition unter „Der schöne Masayaplatz in Dietzenbach“ gestartet, mit der die Brüder auf ihr Anliegen aufmerksam machen wollen. Özkan Tatars Ziel: „Wir möchten uns mit der Stadt einigen.“

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