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Chöre wollen nicht im Haus der Integration proben

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Dietzenbach - Im Haus der Integration steht ein neuer Probenraum zur Verfügung. Doch TGS- und AGV-Chor wollen da nicht hin und ärgern sich über die ungewisse Situation. Sie ziehen von Raum zu Raum. Von Ronny Paul und Barbara Scholze 

Reinhard-Göpfert-Haus, Rathaus, Bürgerhaus, Haus der Integration: „Es ist derzeit ein Hin und Her – wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagt Gisela Decker, „eine Dauerlösung ist nicht in Sicht, das Karussell dreht sich weiter“. Die Vorsitzende des Arbeitergesangsvereins Vorwärts (AGV) schildert die Ungewissheit, in der sich die gemischten Chöre des AGV und der TGS aktuell befinden. Beide haben bis zur Umnutzung der Begegnungsstätte im November 2015 für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Reinhard-Göpfert-Haus geprobt. Nach dem Auszug der Flüchtlinge steht das Haus im Westend leer.

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Gegen eine Reanimation hatte sich etwa Bürgermeister Jürgen Rogg ausgesprochen. Und seit mehr als einem Jahr pendeln die Chöre zwischen Räumen im Bürger- und Rathaus. Der TGS-Chor habe seit dem Auszug aus dem Göpfert-Haus an fünf verschiedenen Orten in beiden Häusern geprobt, berichtet die TGS-Chor-Vorsitzende Hannelore Prüßner: „Es reicht jetzt wirklich.“

Doch die Raum-Odyssee scheint anzuhalten: Die Stadt hat dem AGV- und TGS-Chor das Forum im Haus der Integration zum Proben angeboten. Es hieß zunächst, ab dieser Woche sollten die Chöre an die Justus-von-Liebig-Straße ziehen, berichtet Decker. Prüßner erzählt von einer Mail von Sandra Homberg, Fachbereich Bau und Immobilienmanagement, in der für den TGS-Chor der 7. Februar als erster Probetermin im Haus der Integration genannt sei – zwecks Schlüsselübergabe und Einweisung wolle man vorab einen Termin abstimmen. Des Weiteren, so Prüßner, habe es geheißen, ein Verbleib im Rathaus sei nicht möglich wegen Überschneidungen mit politischen Sitzungen.

Dabei hatten sowohl TGS als auch AGV bereits verkündet, dass die jeweiligen Chormitglieder dort im Gewerbegebiet nicht proben wollen. „Für uns ist das kein Stadtteilzentrum“, sagt Decker und nennt Zahlen: 90 Prozent der Sänger wohnen nur rund 500 Meter Luftlinie vom Göpfert-Haus entfernt und nur etwa einen Kilometer vom Bürgerhaus. Einen Kilometer Luftlinie entfernt vom Haus der Integration wohne allerdings nur eine Sängerin, sagt Decker. Zudem spreche es sich herum, dass die Gegend ein Problemgebiet sei: „Man kann alte Menschen nicht versetzen, das geht einfach nicht.“ Prüßner sagt, viele Frauen fürchten sich vor dem Gewerbegebiet: „Abends, wenn es dunkel ist, ist das nicht angenehm.“

Vorerst dürfen beide Chöre jedoch weiter im Bürgerhaus proben, zumindest bis Ende Februar. Das hat Stadtmarketing-Leiter Christoph Zens-Petzinger den beiden Chören per Mail zugesagt. „Wir sind froh, dass wir bis Ende Februar üben können wie bisher“, sagt Prüßner. Erster Stadtrat Dieter Lang (SPD) erläutert auf Nachfrage, so gebe es vier Wochen Übergangsfrist und die Möglichkeit für die Chöre, sich die Räume im Haus der Integration noch einmal anzuschauen. Eine Besichtigung sei angedacht.

Während der Sitzung des Ausschusses für Städtebau, Verkehr und Umwelt vergangene Woche hatte Homberg verkündet, ein Sachverständiger habe das Göpfert-Haus 2010 besichtigt und die Kostenschätzung des Fachbereichs 60 über rund 700 000 Euro bestätigt. Weil keine Notwendigkeit bestanden habe, so Homberg, hatte die Stadt seinerzeit kein Gutachten beauftragt. Das sei nun nachgeholt worden, ein Gutachten solle Mitte Februar vorliegen. Die Umbauten im Göpfert-Haus wieder zurückzubauen, würde den Kreis Offenbach laut Homberg rund 25.000 Euro kosten.

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