City-Passage: Kampf um Kunden und Attraktivität

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Die City-Passage in der Altstadt von Dietzenbach.

Dietzenbach -  Schon der Name versprüht den Charme einer vergangenen Zeit: Die City-Passage in der Altstadt an der Babenhäuser Straße ist ihrem 80er Jahre-Profil bis heute treu geblieben. Von Barbara Scholze 

Außen bestimmen grüne Fassadenelemente, schmale Fenster, viel Beton und spitze Giebelchen das Gebäude, innen ist das Highlight eine einst moderne Rolltreppe, die sich knarzend und quietschend durch den Tag quält und unaufhörlich Strom frisst. Schon lange ist die Passage eine Art Problemkind für die Altstadt geworden. Niemand liebt sie aus vollem Herzen, ganz missen möchte sie aber auch keiner. Vereint das Gebäude doch einerseits attraktive Geschäfte wie eine Apotheke und einen Feinkostladen mit alt eingesessenen Arztpraxen, einem Handy-shop und kleineren Schuh- oder Bekleidungsgeschäften. Dennoch muss der Besucher traurige Anblicke ertragen. So gibt es im Erdgeschoss viel Leerstand, nachdem im Juli 2012 der Schlecker XL-Markt in der City-Passage im Zuge der Konzernpleite schließen musste. Dazu ist die ein oder andere Ladenfläche voll gestopft mit gemischtem Haushaltsallerlei und wirkt nicht gerade attraktiv. Ein kleines Bistro, ein Dönerladen und eine Sportsbar runden das Angebot ab.

„Wir sind ziemlich frustriert und glauben nicht mehr, dass sich in der City-Passage noch etwas ändert“, sagt Mujo Kamili. Ebenso wie sein Bruder Eup hat er seit Jahren kräftig in die Passage investiert und Wohnungen sowie Ladengeschäfte gekauft. Rund 60 Eigentümer gibt es insgesamt. Um die Geschicke der Immobilie mitbestimmen zu können, sitzt Kamili im Verwaltungsbeirat. Zum neuen Jahr hat wieder einmal die Hausverwaltung gewechselt, Bianca Kollig aus Obertshausen hat die Aufgabe übernommen. „Mal sehen“, sagt Kamili, „noch sind wir in der Phase des Kennenlernens“. Gerade erst war er mit Kollig zu einem gemeinsamen Rundgang durch die Passage unterwegs.

Indes habe er wenig Hoffnung, dass die Probleme sich durch den Wechsel in Luft auflösen. Die Eigentümer seien untereinander zerstritten, das Verhältnis zum Hausmeister zerrüttet, die Mieter mit den Vermietern uneins. „Wir kommen hier auf keinen grünen Zweig“, seufzt Kamili. Die einzige Hoffnung sei, wenn ein Interessent auftauche, der mit attraktivem Gewerbe auf großer Fläche Käufer anziehe. „Wir haben gerade wieder einen Makler damit beauftragt, aber auch der hatte, ehrlich gesagt, wenig Hoffnung.“ Einen letzten Versuch, Öffentlichkeit und Verwaltung für die Probleme der Passage zu sensibilisieren, hatten die Kamili-Brüder mit einem flammenden Aufruf anlässlich eines Runden Tisches zum Thema Altstadt im September 2013 unternommen. Dabei gab es erschreckende Berichte zu der Immobilie. So war die Rede von Renovierungsstau, Cliquenbildung bei den Eigentümern, Rauschgiftdealern und viel zu hohen Nebenkosten, die keine Gewinne zulassen.

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Auch wenn sie keine Kraft mehr hätten, um das Objekt zu „kämpfen“, würden die Kamili-Brüder doch lieber weiterinvestieren. „Wir haben Ideen genug, wenn wir wüssten, dass wieder eine Art Ankermieter kommt, würden wir ein paar davon angehen, vielleicht einen Kiosk aufbauen mit Lottospiel oder ähnlichem.“ Einen kleinen Hoffnungsschimmer bietet nun der aktuelle Bericht der Wirtschaftsförderung. Gemeinsam mit dem „Fachbereich Bauen“ sei man dabei, bauliche Umbaumaßnahmen und eine bedarfsgerechter Umgestaltung zu prüfen, steht da geschrieben. Und tatsächlich gebe es einen Interessenten, der einen „weiteren Standort“ in Dietzenbach etablieren möchte, Planungsunterlagen und Bauakten für erste Planungsentwürfe seien ihm bereits zur Verfügung gestellt worden. „Wir sind im Gespräch, allerdings in einem sehr frühen Stadium“, teilt Michael Krtsch, Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung mit. Gewünscht sei ein „Magnetbetrieb“ mit einem Warenangebot für stetige Nachfrage. „Das wird für Frequenzsteigerung sorgen und bietet Potenzial für die umliegenden Geschäfte.“

In einer Analyse Ende des Jahres 2003 hatte die Kölner Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) gar den Abriss der Immobilie vorgeschlagen und für die Altstadt einen größeren Supermarkt als Kundenmagneten empfohlen. Die Passage besitze keinerlei Entwicklungschancen, hieß es damals. 2004 wollte der Neu-Isenburger Unternehmensberater Bernd Gothan ein „Gesundheitszentrum“ gründen, mit Ärzten, Therapeuten und „Menschen aus dem Wellness- und Beauty-Bereich“.

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