Das Vertrauen vieler strapaziert

Corona-Testzentrum: Etliche Kunden warten vergeblich auf Ergebnisse - Betreiber überfordert?

Die Erfahrungen mit dem neuen Corona-Testzentrum in Dietzenbach fallen recht unterschiedlich aus: Während einige Kunden den Service loben, erhalten andere kein Ergebnis.

  • Auf dem Parkplatz am Waldschwimmbad in Dietzenbach entsteht ein Corona-Testzentrum.
  • Eine Woche nach dem Start fallen die Erfahrungen mit den Corona-Tests sehr unterschiedlich aus.
  • Das Unternehmen InVitaGo spricht von „vielen unerwarteten Herausforderungen“ im Kreis Offenbach.

Dietzenbach – Nach der ersten Woche des Covid-19-Testzentrums auf dem Parkplatz am Waldschwimmbad und, von der Betreiberfirma geschätzt, mehr als 6800 PCR- und Antigen-Schnelltests sind die Erfahrungen sehr unterschiedlich. Während einige Kunden den Service loben, wird von anderen eben dieser kritisiert. Das Privatunternehmen „InVitaGo“, das im Auftrag des Kreises Offenbach das Testzentrum betreibt, scheint überfordert. Zumindest legen das Erfahrungsberichte von Personen nach PCR-Tests, eine Stellungnahme auf Facebook sowie eine eingeschränkte Erreichbarkeit des Neusser Unternehmens nahe. Gestern Nachmittag reagiert das Unternehmen dann auf eine Anfrage der Redaktion und erklärt die entstandenen Komplikationen mit EDV-Problemen.

Für Richard L. ein schwacher Trost. Er spricht von einem „verdorbenen Weihnachtsfest“. Der Dietzenbacher war, wie viele andere auch, guter Dinge, als er sich vergangenen Montag um 9.15 Uhr zum PCR-Test an die Offenthaler Straße begab, noch vor Heiligabend ein Ergebnis zu haben, um ruhigen Gewissens das Weihnachtsfest verbringen zu können. Immerhin wirbt InVitaGo auf der Homepage für verschiedene Arten von PCR-Tests mit Ergebnissen innerhalb von zwölf bis 24 Stunden. L. hatte bis gestern jedoch noch keines.

Corona-Testzentrum in Dietzenbach: Kunde schildert Wirrwarr bei der Datenerfassung

L. wendet sich erstmals am 23. Dezember an unsere Redaktion, zwei Tage nach dem absolvierten Test, kritisiert die fehlende Auskunft, was mit seinen Testergebnissen sei und schildert, immer wieder per Mail und bei der Hotline ins Leere gelaufen zu sein. Er vermutet eine Schwachstelle in der Datenerfassung, da das Personal im Zentrum „die ganzen Anmeldedaten händisch in ein Notizbüchlein“ habe abschreiben müssen.

Eine ähnliche Erfahrung hat Michael G. gemacht, samstags für einen PCR-Test angemeldet, Montag um 16 Uhr getestet. Auch er beschreibt in seiner Mail das Wirrwarr bei der Datenerfassung. Dort angekommen seien zunächst QR-Code und Personalausweis von einem Sicherheitsmitarbeiter überprüft worden. Dieselben Daten wurden erneut bei der Anmeldung abgefragt. Im Testzelt sei er dann nach Namen und Geburtsdatum gefragt worden, erst darauf erfolgte der Test. Anschließend sei ihm mitgeteilt worden, dass er die Rechnung per Post und das Ergebnis per Mail bekomme. In dem Zusammenhang habe G. erwähnt, dass er nie eine Bestätigungsmail erhalten habe und daher befürchte, dass das Testergebnis „dann wohl auch nicht ankommt“. Man kümmere sich um eine Lösung, habe es geheißen. Etwa 15 Minuten später habe man seine Nummer abgefragt und zugesagt, das Ergebnis am Tag darauf per Whatsapp zu schicken. Doch auf dem Heimweg sei er erneut angerufen worden, man habe vergessen, Namen und Geburtsdatum zu notieren. Die Infos sendet G. per Whatsapp. Seitdem habe er nichts mehr gehört, schreibt er an Heiligabend. Auch die Mitarbeiter beim Kreis Offenbach hätten ihm nicht helfen können, dort werde nur auf eine Telefonnummer verwiesen, die ins Nichts führe.

Seit einer Woche geöffnet: Im Covid-19-Testzentrum des Kreises Offenbach an der Offenthaler Straße, das vom Unternehmen „InVitaGo“ betrieben wird, läuft noch nicht alles rund.

Diese Erfahrung von L., G. und weiteren Kunden des Testcenters teilt auch unsere Redaktion. Vonseiten des Kreises verwies man vergangene Woche auf eine Rufnummer in Neuss. Ebenso ist auf der Homepage des Unternehmens noch eine Handynummer angegeben. Doch bei beiden erging es der Redaktion so, wie vielen Kunden über die Weihnachtstage. Auf etliche Anrufversuche seit vergangenen Mittwoch und auch eine Mailanfrage hatte InVitaGo bis gestern Nachmittag nicht reagiert.

Ähnlich erlebt es eine Rodgauerin. Sie sei am ersten Weihnachtsfeiertag auf Eigeninitiative ins Testzentrum gefahren, weil ein vermeintlich positiver Schnelltest vor dem Besuch ihres Angehörigen in einem Altenheim an Heiligabend einen PCR-Test erforderte, schildert sie gegenüber unserer Zeitung. Dieser sollte in diesem Verdachtsfall den Schnelltest entweder widerlegen oder erhärten. Im Testzentrum bekam sie Code und Pinnummer, mit denen sie binnen 24 bis 30 Stunden das Testergebnis über die Corona-App abrufen könne, hieß es. Als das gestern, etwa 48 Stunden nach dem Test, immer noch nicht funktionierte, fuhr sie ins Testcenter, weil sie zuvor bei der Hotline keinen erreicht hatte. „Ich hab’s stundenlang probiert“, reklamiert sie. In Dietzenbach habe dann ein sehr freundlicher Mitarbeiter ihr persönlich erläutert, die Datenübermittlung funktioniere nicht. Dieses Problem habe viele Getestete dazu veranlasst, nach Dietzenbach zu kommen, um sich das Ergebnis dann eben persönlich zu holen. Ihr werde das Ergebnis umgehend telefonisch mitgeteilt, hieß es. Das geschah dann auch prompt: zum Glück negativ. Der Schnelltest am Altenheim, der Heiligabend alles ausgelöst hatte, war also falsch gewesen.

Corona-Testzentrum in Dietzenbach: Unternehmen entschuldigt sich per Mitteilung auf Facebook

In einer vom Kreis Offenbach im Namen von InVitaGo am Nachmittag des Heiligen Abends auf Facebook verbreitete Stellungnahme heißt es unter anderem: Man wende sich an die Kunden, „mit dem Wunsch und dem Ziel Ihr Vertrauen zurückzugewinnen“. Mit Start des Testzentrums habe man mit vielen unerwarteten Herausforderungen zu kämpfen gehabt und das Vertrauen „ganz vieler Bürger in den letzten drei Tagen strapaziert“. Auf keinen Fall sei es zu entschuldigen, „dass wir nicht in der Lage waren, Testergebnisse zeitgerecht möglich zu machen“.

Gestern Nachmittag dann meldet sich Jochen Hüter, Laborarzt bei InVitaGo, und erläutert, dass man mit den Kontaktdaten und deren Zuordnung anfänglich EDV-Probleme hatte, „sonst hätten wir auch schneller Befunde übermitteln können“. Zunächst habe man die Kunden auch nur über Hotline wegen der fehlenden Datenzuordnung, dann jedoch auch via SMS und Mail informieren können „sowie in unterschiedlichen Rhythmen und Veränderungen auch über die Webseite“, sagt er.

Corona-Testzentrum in Dietzenbach: Kunden berichten von guten Erfahrungen bei Antigen-Schnelltests

Er gehe stark davon aus, dass ab heute die Übermittlungen reibungslos laufen werden, da man über die Weihnachtsfeiertage intensiv daran gearbeitet habe, die Probleme in den Griff zu bekommen. Er verspricht zudem, dass keine Rechnungen an Kunden gehen, deren Bearbeitungszeit über 72 Stunden liegt. Diese bekommen darüber hinaus noch einen kostenfreien PCR- oder Antigen-Schnelltest in der Folge, sagt Hüter.

Reibungslos hingegen läuft’s mit den Schnelltests. Das schildern viele Nutzer auf Facebook und unser Mitarbeiter Burghard Wittekopf, der noch vor Weihnachten sicherheitshalber einen Antigen-Schnelltest machen ließ und dabei ein schnelles und unkompliziertes Prozedere erlebt hat. Auch das negative Ergebnis habe nicht lange auf sich warten lassen. (Ronny Paul)

Rubriklistenbild: © dreger

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