Wegen Corona

Trotz Protest von Bürgern: Hammer-Entscheidung für Dietzenbacher Waldschwimmbad

Enttäuscht über die Entscheidung der Politiker: In Bademäntel gekleidete Kinder haben im Capitol für die Schwimmbadöffnung demonstriert.
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Enttäuscht über die Entscheidung der Politiker: In Bademäntel gekleidete Kinder haben im Capitol für die Schwimmbadöffnung demonstriert.

Das Waldschwimmbad in Dietzenbach bleibt dieses Jahr geschlossen. Das kann auch ein gutes Dutzend demonstrierender Bürger nicht verhindern.

  • Viele Freibäder öffnen nach den Corona-Lockerungen in Hessen wieder
  • Für das Waldschwimmbad gibt es nun jedoch eine Hammer-Entscheidung
  • 2020 wird das Freibad in Dietzenbach keinen Gast empfangen

Dietzenbach – Das Waldschwimmbad bleibt dieses Jahr geschlossen. Das haben die Stadtverordneten in der letzten Sitzung vor der Sommerpause beschlossen. Das kann auch ein gutes Dutzend demonstrierender Bürger nicht verhindern. Die in Bademäntel gehüllten Öffnungsbefürworter – darunter auch einige Kinder – machen sich vor der Sitzung im Capitol mit Plakaten fürs Schwimmbad stark. Ihre Forderungen werden aber nur von einem Teil der Fraktionen erhört.

Corona in Dietzenbach: Entscheidung um Öffnung des Waldstadions

Gleich zur Bürgerfragestunde tritt eine Götzenhainerin ans Rednerpult: „Alle anderen Schwimmbäder haben auf, nur das in Dietzenbach nicht.“ Ein Punkt, der sich im vorgelegten Betriebs- und Hygienekonzept für das Freibad wiederfindet. Dort werden Pro und Contra aufgelistet. Die Bürger erwarten eine Öffnung von einer familienfreundlichen Stadt wie Dietzenbach, man möchte ihnen „in dieser schwierigen Zeit nicht das Badevergnügen vorenthalten“, zumal Chlorwasser Bakterien und Viren abtöte, heißt bei den Pro-Argumenten.

Auf der Gegenseite sind unter anderem die Mehrkosten und ein erheblicher Aufwand bei Umsetzung des Hygienekonzeptes aufgeführt. Auch sei durch eine erheblich geringere Besucherzahl – in der ersten Stufe wird mit 105 pro vier Stunden, in der zweiten, Stufe mit 210 Besuchern gerechnet – sei Unzufriedenheit vorprogrammiert. 291.000 Euro Mehrkosten gegenüber 183 000 Euro bei Nicht-Öffnung sind dazu im Plan aufgelistet. Daher raten die badbetreibenden Städtischen Betriebe aus rein wirtschaftlichen Gründen von einer Öffnung ab.

Waldstation in Dietzenbach: Jugendliche bräuchten während Corona dringend ein Sommerangebot

Eine Einschätzung, die Jens Hinrichsen von der DL/FW-UDS nicht teilt. Der Fraktionschef will mit einen Änderungsantrag eine schnellstmögliche Öffnung unter Berücksichtigung des Hygiene- und Betriebskonzeptes erreichen. Bei einem Eintrittspreis von drei Euro komme unter dem Strich ein vertretbares Spartenergebnis heraus, das kaum von dem Planergebnis abweiche, meint er und zweifelt den vorgelegten Bericht an. Er verstehe nicht, „wie man mit solchen Zahlen kalkulieren kann“.

Das Schwimmbad müsse gerade der sozialpolitischen Komponente wegen öffnen. Jugendliche bräuchten dringend ein Sommerangebot, fordert Hinrichsen. Die Meinung hatte auch Ausländerbeiratsvorsitzende Helga Giardino im Haupt- und Finanzausschuss vertreten.

Corona: Debatte um Dietzenbacher Waldstadion „bizarr“

Dem pflichtet Andrea Wacker-Hempel bei. Die Grünenfraktionsvorsitzende fragt „Was machen die, die nicht in den Urlaub fahren?“ und verweist auf eine Online-Petition und eben die kleinen und großen Bademantelträger. Das Bad sei Teil der Daseinsfürsorge und sehr wichtig.

Während AfD-Fraktionschef Heinrich Eckert antizipiert, „egal, was wir mit dem Bad machen, bekommen wir Prügel“, stellt CDU-Fraktionschef Manuel Salomon klar: „Das oberste Ziel ist, die Gesundheit der Bürger zu schützen.“ Bei einer Öffnung könnten die Erwartungen der Besucher nicht erfüllt werden, „vom erhofften Familienspaß bleibt nichts“. Er plädiert fürs Sparen: „Alles umzusetzen ist ein hoher Aufwand und sehr teuer.“

Jerome Alex nennt die Debatte „bizarr“. Das Bad sei bei Öffnung unter den Vorgaben nur ein Schatten seiner selbst. Es gehe ihm nicht ums Geld, sagt der Fraktionsvorsitzende der SPD: „Ich gebe gern Geld aus, um das echte Schwimmbad zu retten – aber nicht für diese Mogelpackung.“ FDP-Fraktionschef Sven Hartmann plädiert für eine sinnvolle Nutzung der Zeit mit notwendigen Reparaturen.

Corona in Dietzenbach: Waldstadion muss geschlossen bleiben

Dem Antrag der DL/FW-UDS für eine Schwimmbadöffnung stimmen nur noch Grüne und Linke zu. Bei der namentlichen Abstimmung zum Magistratsantrag gegen eine Öffnung sind 31 der Abgeordneten dafür, zehn dagegen. Die Bürger im Bademantel verlassen enttäuscht den Saal. Wacker-Hempel schimpft nach der Entscheidung: „Das ist eine Blamage, ausgerechnet die Kreisstadt.“

Im weiteren Sitzungsverlauf haben die Stadtverordneten auf SPD-Initiative hin einen 40.000-Euro-Sondertopf zur Vereinsförderung in Corona-Zeiten verabschiedet. VON RONNY PAUL

Das Freibad in Egelsbach öffnet in der Corona-Krise wieder. Gleich mit mehreren beherzten Sprüngen ins Schwimmerbecken gab Bürgermeister Tobias Wilbrand den Startschuss zur diesjährigen, so heiß ersehnten Freibadsaison.

In Seligenstadt fehlt noch eine Hürde, dann öffnet die Stadt ihr Freibad nach den Corona-Lockerungen erneut.

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