„Den Kindern wird die Zeit fehlen“

Coronakrise in Dietzenbach: Studienkreis nun mit Online-Angebot

Gerade aktuell will Daniela Wagner von der Studienkreis eine Unterstützung für Schüler und Eltern sein.
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Gerade aktuell will Daniela Wagner von der Studienkreis eine Unterstützung für Schüler und Eltern sein.

Daniela Wagner, die in Dietzenbach und Heusenstamm zwei Studienkreis-Institute leitet, musste aufgrund der Coronakrise nun mit ihren Kollegen ein Online-Angebot auf die Beine. Unsere Zeitung hat mit ihr über die aktuelle Situation und anstehende Herausforderungen gesprochen.

Dietzenbach – Schulen sind geschlossen, Veranstaltungen abgesagt, Zusammenkünfte von Gruppen verboten. Auch Daniela Wagner, die seit 2016 in Dietzenbach und Heusenstamm zwei Studienkreis-Institute leitet, musste entsprechend der Corona-Vorsichtsmaßnahmen ihre Nachhilfeeinrichtungen schließen. Damit der Unterricht dennoch weiterlaufen kann, stellten sie und ihr Team binnen weniger Tage ein Online-Angebot auf die Beine. Seit einigen Tagen läuft die Nachhilfe via Internet, im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet Daniela Wagner, wie der Unterricht läuft und was derzeit die großen Herausforderungen für Schüler, aber auch Eltern sind.

Sie konnten den Online-Unterricht sehr schnell umsetzen. Bestanden die entsprechenden Strukturen schon vorher?

Nein, das haben wir alles in der einen Woche aus dem Boden gestampft. Am Donnerstag ging es ja bereits mit den Abiturprüfungen los. Erste Priorität für uns waren also die Abiturienten. Und für die konnten wir am Mittwoch dann auch schon den ersten Kurs anbieten.

Stand für Sie die Überlegung im Raum, den Unterricht bis auf Weiteres komplett ausfallen zu lassen?

Für mich war eigentlich klar, dass ich da einen Weg finden will. Alleine schon, weil den Kindern ja diese Zeit fehlt, wenn sie wieder in die Schule gehen. Sie müssen das aufarbeiten, und wer zuhause nicht aufarbeitet, der wird unter Umständen nächstes Schuljahr ein Problem haben.

Wie genau läuft denn die Online-Nachhilfe nun ab?

Wir machen Gruppen-Videochats, die Schüler und die Lehrkräfte. Wir haben es sogar geschafft, dass es mehr oder weniger die gleichen Gruppen sind wie normalerweise auch. So geben wir Gruppen-, aber auch Einzelunterricht, immer zwischen einem und vier Schüler, wie sonst auch. In den Chats können Aufgaben und Korrekturen hin- und hergeschickt werden, wir nutzen aber auch Mails. Das mit den Videochats hat ja gerade etwas ganz Tolles. Ich kann mich mit meinem Masteraccount in jeden Kurs einwählen, und wenn ich dann die Kinder und Jugendlichen sehe, da geht mir immer das Herz auf. Man sieht sich ja gerade nicht live, und ich habe den Eindruck, alle sind total froh, dass wenigstens dieser Kontakt zustande kommt.

Und die Lehrer halten dann vor der Webcam ihre Kurse, so wie sie es auch offline machen?

Es gibt unterschiedliche Modelle. Noch überlasse ich es den Lehrern, ob sie die Kurse von den Studienkreis-Räumen oder von zuhause aus halten. Der eine steht an der Tafel und schreibt an, der nächste hat zuhause zwei Bildschirme und benutzt den einen als Tafelersatz. Er erteilt den Schülern dann vielleicht auch die Freigabe, auf diesen Bildschirm zuzugreifen und Aufgaben zu bearbeiten. Wir Lehrkräfte tauschen uns da aktuell natürlich auch untereinander aus. Die einen haben jetzt schon Erfahrungen, können Tipps geben, was gut funktioniert.

Was sind Ihrer Meinung aktuell die größten Herausforderungen rund ums Thema Schule und Lernen?

Die Kinder stehen teilweise richtig unter Druck. Zum Teil müssen sich die Schüler in neue Themen einarbeiten – alleine. Also wenn man mir mit zwölf gesagt hätte, hier, erarbeite dir mal Bruchrechnung, dann hätte ich aber das Schuljahr wiederholen können. Die Kinder, die Familien werden da ein Stück weit mit der Situation alleine gelassen. Ich sehe die Rolle der Nachhilfe darum jetzt auch ein bisschen verändert, nicht unbedingt mehr als Nachhilfe, sondern als Schulersatz.

Also sind in der jetzigen Situation im Grunde die Kinder und Jugendlichen, die die Möglichkeit haben, von Ihnen unterrichtet zu werden, im Vorteil gegenüber anderen?

Kinder, die Zugang zu Nachhilfe, zu Online-Nachhilfe haben, sind jetzt ganz klar im Vorteil, da wir sie bei der Erledigung ihrer Aufgaben unterstützen. Wir wissen ja auch nicht, wie es mit den Klassenarbeiten gemacht wird. Schreiben die Kinder irgendwann Arbeiten oder wird gesagt, wir nehmen das Material, das ihr eingereicht habt, als Bewertungsgrundlage.

Aber nicht jede Familie kann es sich leisten, die Kinder zur Nachhilfe zu schicken. Das ist ja auch eine Kostenfrage.

Ja, ganz klar. Dadurch, dass jetzt aktuell auch noch die Förderung für Nachhilfe bei finanziell weniger gut aufgestellten Familien eingestellt wurde, weil Online-Angebote nicht gefördert werden – das ist im Regelwerk so nicht vorgesehen –, sind dann eindeutig die im Nachteil, die es sowieso schon schwerer haben. Ich hoffe aber, dass sich da zeitnah noch was tut.

Das Gespräch führte Lena Jochum.

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