Neustart in Dietzenbach

Sanftes Erwachen in Dietzenbach

Verkauf während der Corona-Krise: Elisabeth Eyßen bedient bei „Tischlein deck dich“ hinter Plexiglas Kunde Dirk Schlosshauer. Inhaberin Irmgard Weber (in Rot) schminkt zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Doris Plakinger in der Parfümerie am Stadtbrunnen ihren Mundschutz. 
+
Verkauf während der Corona-Krise: Elisabeth Eyßen bedient bei „Tischlein deck dich“ hinter Plexiglas Kunde Dirk Schlosshauer. Inhaberin Irmgard Weber (in Rot) schminkt zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Doris Plakinger in der Parfümerie am Stadtbrunnen ihren Mundschutz. 

Seit Montag dürfen bis zu 800 Quadratmeter große Läden wieder öffnen. Es kehrt wieder ein wenig Alltag in die Altstadt zurück – mit Abstand und Spuckschutz. VON LISA SCHMEDEMANN

Dietzenbach - Durch die offene Tür der Parfümerie am Stadtbrunnen weht nicht nur eine frühlingshafte Brise, sondern auch immer wieder ein „Wie geht es euch?“ verschiedener Kunden. Manche nutzen die Gelegenheit, um Inhaberin Irmgard Weber zum Geburtstag zu gratulieren. „Rund“ wird es zwar erst nächstes Jahr, denkwürdig ist er dieses Jahr wohl trotzdem. „Ich habe schon bei der Schließung gesagt, dass wir am 20. April wieder zusammen im Laden stehen“, erzählt Weber. Eigentlich hätte sie sich zu ihrem Ehrentag freigenommen, wäre fortgefahren. „Ich kann noch nicht einmal essen gehen.“, bedauert sie. Umso glücklicher ist sie jedoch, mit ihren Mitarbeiterinnen zur gewohnten Zeit in der Parfümerie zu stehen: ausgestattet mit Mundschutz und Desinfektionsmittel. Die Plexiglasscheibe über der Theke kommt im Laufe der Woche. „Da gab es Verzögerungen beim Liefern.“

Was ebenfalls bestellt und bald in der Parfümerie erworben werden kann: Einweg-Mundschutzmasken. „Bei meinem Großhändler habe ich mich gleich für die ganze Altstadt mit eingedeckt.“ In den vergangenen fünf Wochen war Weber täglich im Laden, um den Lieferdienst zu organisieren. „Das hat hervorragend geklappt, aber ich bin auch froh, dass wir wieder hier sein können.“

Coronavirus in Dietzenbach: Eis Essen 50 Meter entfernt von der Eisdiele

Und das geht beiden Seiten so: Zwar ist es im Geschenkartikelladen „Echter Genuss“ von Marcel Echternach noch etwas ruhig, doch lassen sich auch dort Stammkunden einen Plausch hinterm Plexiglas nicht nehmen. Eine Kundin macht glücklich vom Angebot Gebrauch, ihren Kaffee zumindest im „to-go“-Becher mitnehmen zu können. „Ich fühle mich sicher, wenn ich auf die Regeln wie Abstand und Händewaschen achte“, sagt sie. Dennoch habe sie Verständnis dafür, wenn andere noch vorsichtig sind.

Die Nachmittagssonne lockt einige Passanten auf den „Roten Platz“, die einen zögerlichen Blick in die Schaufenster und Läden werfen. Die Eisdiele „San Marco“ startet ebenso behutsam: Ein Hinweisschild, die Kugeln im Becher – nicht in der Waffel – erst in einem Abstand von 50 Metern zu verzehren, hängt neben der Bitte, größere Bestellungen zum Abholen vorab telefonisch aufzugeben. „Wir haben noch nicht alle Sorten wie sonst, weil wir erst einmal abwarten, wie es läuft“, berichtet Tiziana Piazza. Mit Flatter- und Klebeband hat die Inhaberin den Bereich vor der Ausgabe so gegliedert, wie es zurzeit an Supermarktkassen üblich ist.

Von treuen Kunden weiß auch Jasmina Kreso zu berichten. In ihrem Modeladen schauten am Montag verhältnismäßig viele vorbei. „Die Stammkunden halten die Treue, das ist wirklich beeindruckend.“ Sie empfindet keine Ängstlichkeit unter den Menschen. „Es wirkt eher so, als seien viele erleichtert, endlich mal wieder etwas anderes zu sehen.“ Kreso ist zuversichtlich: „Gemeinsam schaffen wir das auch.“ In ihren recht weitläufigen Laden können fünf Menschen gleichzeitig stöbern. „Abstand zu halten, ist hier kein Problem – aber ich denke, ich werde noch eine weitere Umkleidekabine in die Ecke bauen.“

Elisabeth Eyßen, Mitarbeiterin bei „Tischlein, deck dich“ an der Schmidtstraße freut sich, wieder hinter dem Tresen zu stehen. „Es tut gut, endlich wieder mit Menschen reden zu können.“ Zwar sei in dem kleinen Laden die Höchstanzahl an Kunden schnell erreicht, doch begnügten sich diese auch gerne mit den Schaufenstern. „Es ist gut, dass Sie wieder da sind, denn ich brauchte wirklich Geschirrtücher“, sagt Kunde Dirk Schlosshauer und lacht.

Von Lisa Schmedemann

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare