Coronakrise

Not macht erfinderisch: Wie sich eine Apotheke in Dietzenbach vor dem Coronavirus schützen will 

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Viele Betriebe, vor allem in der Gastronomie, leiden unter den Umsatzeinbußen durch das Coronavirus. Auch das Hotel „Sonnenhof“ an der Otto-Hahn-Straße hat kaum noch Übernachtungsgäste. 

Während das Coronavirus Unternehmen und Hotels wirtschaftlich bedroht, können sich Arztpraxen und Apotheken kaum vor Patienten retten. Wie sich Betriebe in Dietzenbach in der Krise behelfen.

  • Das Coronavirus gefährdet kleine und mittelständische Betriebe sowie Hotels in Dietzenbach
  • Großer Andrang in Apotheken macht erfinderisch
  • Restaurants stellen Tische auseinander

Dietzenbach – Die aktuelle Lage ist existenzgefährdend, heißt es vonseiten des Hotels „Sonnenhof“. Der „Sonnenhof“ liegt in Dietzenbach an der Otto-Hahn-Straße, unter normalen Umständen kommen dort in den 154 Hotelzimmern Dutzende Geschäftsreisende unter. Doch in Zeiten des Coronavirus ist nichts mehr normal.

Coronavirus in Dietzenbach: 90 Prozent weniger Gäste für Hotel

Während das Coronavirus Deutschland in einen Ausnahmezustand versetzt und viele Menschen von zu Hause arbeiten müssen, ist gerade für kleine und mittelständische Betriebe die Lage sehr dramatisch. Rund 90 Prozent weniger Gäste muss das Vier-Sterne-Hotel Sonnenhof in Dietzenbach verkraften. Die Belegschaft ist aktuell in Kurzarbeit, nur zwei Mitarbeiter sind noch Vollzeit vor Ort. 

Doch wie lange dies noch aufrechterhalten werden kann, ist ungewiss. Auf der Website gibt sich das Unternehmen kämpferisch: „So lange es erlaubt ist, Gäste zu bewirten und beherbergen, machen wir genau das, was wir am liebsten tun: Wir sind für Sie da!“

Coronavirus in Dietzenbach: Gasthaus „Zur Linde“ schiebt Tische auseinander

Bereits am Montag haben Bund und Länder einen weitreichenden Maßnahmenkatalog beschlossen, der auch den Tourismus zu Urlaubszwecken weitgehend verbietet. Das Hotel Sonnenhof ist allerdings überwiegend auf Geschäftsreisende ausgelegt, weshalb die aktuellen Maßnahmen den Betrieb noch nicht betreffen würden, wie es seitens des Hotels heißt.

Auch im Gasthaus „Zur Linde“ in Dietzenbach sieht die Lage nicht anders aus, wie Inhaber Elias Kourtoglou berichtet: „Unsere Stammgäste kommen noch, allerdings haben wir bei den anderen Gästen einen dramatischen Einbruch.“ Insgesamt sieht sich das Restaurant mit rund zwei Dritteln weniger Gästen konfrontiert. 

Coronavirus in Dietzenbach: Apotheke stattet Schalter mit Plexiglas aus

Um die verbleibenden zu schützen, halten sich sowohl das Hotel „Sonnenhof“ als auch das Restaurant „Zur Linde“ an aktuelle Empfehlungen: „Wir haben die Tische eineinhalb Meter auseinander geschoben und stellen Desinfektionsmittel bereit“, sagt Kourtoglou.

Ein anderes Problem haben dagegen Apotheken und Arztpraxen. Dort ist der Ansturm an Kunden wesentlich angewachsen. In der Hirsch-Apotheke an der Babenhäuser Straße in Dietzenbach greift die Geschäftsleitung zu besonderen Maßnahmen: „Wir sind gerade dabei, die Schalter mit Plexiglas auszustatten, die Scheiben sollen uns vor der Ansteckung durch Kunden schützen“, verrät der leitende Pharmazeut Marvin Krug.

Coronavirus in Dietzenbach: Nur drei Leute auf einmal in der Apotheke

Eine weitere Maßnahme der Apotheke zum Schutz ihrer Mitarbeiter und der Kunden vor dem Coronavirus in Dietzenbach ist Reglementierung bei der Anzahl der Kunden, die sie betreten dürfen. Nur drei Kunden dürfen gleichzeitig rein, der Rest muss draußen vor der Tür mit genügend Abstand zueinander warten. 

Gerade Kunden mit chronischen Erkrankungen würden besonders stark die Apotheke frequentieren, wie Krug erzählt. „Viele haben sich vorsorglich weitere Rezepte vom Arzt ausstellen lassen und decken sich nun mit einem Vorrat an Medikamenten ein“, sagt der leitende Apotheker, „das ist vernünftig, da viele zur Risikogruppe gehören und sie so sichergehen können, so wenig wie möglich das Haus zu verlassen.“

Arztpraxis in Dietzenbach bekommt pro Tag 20 Coronavirus-Anfragen

Groß ist der Andrang auch in der Dietzenbacher Gemeinschaftspraxis von Dagmar Plumpe und Gerda Starl. „Gut 20 Leute melden sich täglich mit Verdacht auf das Coronavirus bei uns“, berichtet Ärztin Gerda Starl. „Es ist wichtig, zu betonen, dass man bei einem Infektionsverdacht bitte nicht persönlich in die Arztpraxis geht, sondern sich nur telefonisch meldet.“

Wenn ein Infizierter eine Arztpraxis betrete, dann drohe im Zweifel die Schließung der Praxis und dies könne im schlimmsten Fall zum Zusammenbruch der ärztlichen Versorgung führen, wie die Ärztin Starl mahnt.

Arztpraxis in Dietzenbach: Wegen Coronavirus den Hausarzt anrufen, nicht das Gesundheitsamt

Menschen mit einem Verdacht auf eine Infizierung seien bereits zu ihr gekommen, „da müssen wir den Patienten sofort von den anderen Patienten trennen und in einen zusätzlichen Raum bringen, aber unsere Räumlichkeiten sind begrenzt“.

Wenn sie jemand mit Symptomen wie Fieber oder Husten kontaktiert, dann gibt es laut Gerda Starl einen festgelegten Maßnahmenplan. Wichtig sei, dass sich der Patient entweder bei seinem Hausarzt oder direkt bei dem Gesundheitsamt telefonisch melde. 

Coronavirus in Dietzenbach: Hotline des Gesundheitsamts an der Belastungsgrenze

Da das Gesundheitsamt und dessen speziell für das Coronavirus eingerichtete Hotline ständig an der Belastungsgrenze sei, empfiehlt Starl: „Nicht einmal wir kommen immer beim Gesundheitsamt durch, deswegen ist der Hausarzt zu bevorzugen.“ Starl bemerkt aber auch, dass die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt gut sei: „Die tun, was sie können."

Der Hausarzt rät dann zunächst, sich zu Hause in Quarantäne zu begeben und keinen direkten Kontakt zu anderen Menschen zu haben. Der Arzt wird anschließend selbst das Gesundheitsamt kontaktieren. Dieses meldet sich dann bei dem Patienten und leitet den Test und alles Weitere in die Wege.

Von Lukas Reus

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