Es darf wieder spekuliert werden

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Dietzenbach ‐ Wohl dem, der für schlechte Zeiten Geld auf der hohen Kante hat. Auch die hoch verschuldete Kreisstadt kann sich glücklich schätzen, noch über einen Sparstrumpf zu verfügen.  Von Christoph Zöllner

Genauer gesagt handelt es sich um das Finanzmanagement. Rund 24 Millionen Euro – so der aktuelle Buchwert – sind vor allem in Rentenpapiere wie Bundesanleihen sowie Investmentfonds angelegt. Aktien sind zurzeit nicht darunter. Dabei gibt es seit Jahresbeginn keinerlei Auflagen mehr, die eine Spekulation mit risikobehafteten Wertpapieren einschränken oder verhindern könnten.

Zur Erinnerung: Nachdem die Stadt mit Erstem Stadtrat Manfred Hendel vor zehn Jahren den Erlös aus dem Verkauf der EVO-Anteile unter anderem in Aktien investiert hatte, sprach der damalige Innenminister Volker Bouffier ein Machtwort. Die Stadt wurde angewiesen, Einzelaktien oder reine Aktienfonds wieder zu verkaufen. Begründung: Eine Kommune dürfe bei der Anlage ihres Vermögens kein überdurchschnittliches Risiko eingehen. Später wurde in Wiesbaden eine „Lex Dietzenbach“ erlassen, um die Sonderrücklage unter Auflagen doch noch zu ermöglichen.

Keine Einschränkungen mehr beim Aktienkauf

Die Genehmigung hierfür lief am 31. Dezember 2010 aus. Und eine Verlängerung, die bereits beantragt war, ist der Kommunalaufsicht zufolge nicht mehr erforderlich, da die Stadtverwaltung auf doppische Haushaltsführung umstelle. „Das fließt jetzt alles in die Vermögensrechnung ein“, erläutert der städtische Kämmereileiter Eberhard Mohr. Bei der doppelten Buchführung (Doppik) geht es auch darum, nicht zu Lasten nachfolgender Generationen zu wirtschaften.

Mohr zufolge gibt es keine Einschränkungen mehr beim Aktienkauf – so durften etwa bislang maximal 30 Prozent des Vermögens investiert werden – oder bei der Auswahl der Länder. Trotz der neuen Freiheit will der achtköpfige Anlagenausschuss, der sich mindestens zweimal im Jahr trifft, seine defensive Strategie beibehalten. Mohr: „Wir sind an das Gemeindewirtschaftsrecht gebunden und müssen die Mittel so anlegen, dass sie nicht zu Verlusten führen.“

Es sollen aber keine „Exoten“ gekauft werden

Dem Anlagenausschuss gehören zwei Vertreter der Allianz-Tochter AGI an, die den Dietzenbach-Fonds nach den Veränderungen bei der Commerzbank übernommen hat. Hinzu kommen zwei Vertreter der Commerzbank und vier der Kreisstadt: Bürgermeister Jürgen Rogg, Erster Stadtrat Dietmar Kolmer und zwei kundige Bürger aus der Bankenbranche.

Die Entscheidung, alle Aktien im November 2007 zu verkaufen, hatte sich angesichts riesiger Verluste weltweit als weise erwiesen. Und seither lassen es die Strategen an der Börse ruhig angehen. Aktuell kann sich Mohr vorstellen, wieder vorsichtig Aktien zu kaufen. Nur deutsche Standardwerte. „Keine Exoten“, stellt der Kämmereileiter klar. Immerhin liegt die durchschnittliche Rendite des Finanzmanagements über die komplette Laufzeit bei 3,34 Prozent.

Nach einigen Entnahmen, etwa um den Anteil an der Maingau Energie GmbH aufzustocken, kam zuletzt Geld aus dem Verkauf des Altkanalnetzes an die Abwasser Dietzenbach GmbH hinzu. Sollte der Bau eines Biomassekraftwerks genehmigt werden, würde die Stadt die erforderliche Million ebenfalls aus dem Finanzmanagement holen. Zu dessen Zielen gehört es auch, Kredite abzulösen. „Es muss sich aber im Einzelfall rechnen“, so Mohr. Auch beim Abschluss der defizitären Entwicklungsmaßnahme könnte das Sondervermögen einmal eine wichtige Rolle spielen. Bei aller Eigenverantwortung der Kommune wäre dies aber Verhandlungssache. Denn ohne das Wohlwollen aus Wiesbaden geht nichts.

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