„Kerbdutt fer dahaam“

Dietzenbacher Kirchweihfest fällt aus – doch es gibt eine „abgespeckten Kerb-Variante“

Ein Fest, das mit der Zeit geht: Während früher allein die Kerbborsche das Zepter in der Hand hatten, teilen sie sich heute das Regiment über das Kirchweihfest mit den Kerbmädscher.
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Ein Fest, das mit der Zeit geht: Während früher allein die Kerbborsche das Zepter in der Hand hatten, teilen sie sich heute das Regiment über das Kirchweihfest mit den Kerbmädscher.

Nachdem die Kerbveranstaltung in Dietzenbach im Kreis Offenbach wegen Corona bereits letztes Jahr ausfallen musste, wird es sie in diesem Jahr auch nicht geben. Ein paar Ideen präsentieren die Organisatoren doch.

Dietzenbach – Noch vor zwei Jahren hatte die Kreisstadt den stärksten Jahrgang an Kerbborsche und Kerbmädscher seit Wiederbelebung der Kerbtradition. Dann kam Corona. Und auch in diesem Jahr steht fest: Die üblichen Kerbveranstaltungen am letzten Oktoberwochenende zum Gedenken an die Kirchweih im Jahr 1754 wird es nicht geben. Auch kein Karussell, keine Verkaufsstände oder Losbuden auf dem Kerbplatz und den Straßen der Altstadt. Indes: Ein paar Ideen präsentieren die Organisatoren der Brauchtumsgeselligkeiten doch.

So geben Kerbverein und Stadtverwaltung in einer gemeinsamen Erklärung die Details einer „abgespeckten Kerb-Variante“ bekannt. Dabei kommt etwa zum ersten Mal die Halterung für den traditionellen Kerbbaum auf dem Harmonieplatz zum Einsatz. Bereits im vergangenen Jahr hatten zahlreiche Sponsoren die dauerhaft im Boden verankerte Befestigung ermöglicht, eine Einweihung war allerdings pandemiebedingt nicht möglich. Nun also sollen die Kerbleut den Baum nicht nur sicher in die Höhe hieven, sondern auch gut gehalten wissen.

Kirchweihfest in Dietzenbach (Kreis Offenbach): Eine Kerbandacht soll es dennoch geben

„Auch auf den Kerbkuche müssen die Dietzenbacher dieses Mal nicht verzichten“, heißt es in der Mitteilung weiter. Dieser stammt in bewährter Weise aus der Backstube von Diana Dutiné-Löhr (Dianas Kochwerk im Lädchen), ein Stück Kuchen ist für fünf Euro zu haben. Die ebenfalls schon aus dem ersten Pandemiejahr bekannten „Kerbkränze fer dahaam“ zum Preis von 20 Euro steuert einmal mehr Arne Brokmeier mit seinem Blumenladen (Bahnhofstraße 9) bei. Dort ist der Kerbverein auch am Kerbsamstag, 30. Oktober, von 10 bis 14 Uhr mit einem Verkaufsstand präsent.

Im Angebot hat das Team die „Ditzebäscher Kerbdutt“ der Textildesigner Batedi mit allen Utensilien, die für eine „Kerb dahaam“ notwendig sind: ein Getränk mit oder ohne Alkohol, Popcorn, gebrannte Mandeln und ein bisschen mehr. Vorbestellungen sind möglich auf kerbverein-dietzenbach.de/bestellanfrage.

Darüber hinaus ruft der Verein erneut die Bevölkerung zum Mitmachen auf und bittet darum, Stadtfahnen an Hauswänden, Fenstern oder Masten wehen zu lassen und blau-gelbe Wimpel aufzuhängen. Damit bei allem bunten Treiben schlussendlich auch an den eigentlichen Anlass der Kerb, die Einweihung der Christuskirche an der Darmstädter Straße am 27. Oktober 1754 gedacht wird, sind Interessierte zu einer Kerbandacht eingeladen, ebenfalls am Samstag, 30. Oktober, um 18 Uhr im Kirchhof der Christuskirche.

Kerb in Dietzenbach im Kreis Offenbach: Tradition soll weiterentwickelt werden

Zahlreiche historische Bilder in den überlieferten Veröffentlichungen zeugen von einer langen Tradition des Kerb-Festes in Dietzenbach. Nach dem Zweiten Weltkrieg schliefen die Aktivitäten allerdings vorübergehend ein und flammten erst in den 1970er Jahren, auch anlässlich der Stadtwerdung, für einige Zeit wieder auf. Im Jahr 2004, zum 250. Geburtstag der Kirche, ergriffen ein paar „alte Kämpen“ erneut die Initiative für das Kerbbrauchtum. Zu erwähnen sind dabei alteingesessene Dietzenbacher wie Reiner Wagner, Rainer Rill, Peter Maul, Axel Schäfer, Rainer Riff und Jürgen Altmannsberger. Im Jahr 2009 gründete sich schließlich der „Kerbverein Dietzenbach“.

Ziel des Vereins ist es, die Tradition der Kirchweih nicht nur für den Ort zu erhalten, sondern sie stetig weiterzuentwickeln. Die alten Gepflogenheiten sollen sich möglichst der heutigen Stadt Dietzenbach anpassen. So gibt es mittlerweile etwa auch Kerbmädscher. Gelungen ist es den Mitgliedern des Kerbvereins ebenso, die Innenstadt mit Fahnen und Wimpeln wieder nach außen sichtbar in die alten Bräuche einzubinden.

Darüber hinaus gilt der Blick sorgsam den überlieferten Symbolen wie Kerbbaum, Kerbkranz und Kerbbobb, letztere mittlerweile auch in einer weiblichen Variante. Ebenso den historischen Ritualen wie Kerbansprache, Kerbparrer und Kerbvadder sowie der Verbrennung der Kerbbobb mit Grabrede und Leichenschmaus am letzten Kerbtag. (Barbara Scholze)

Während die Kerbveranstaltung in Dietzenbach ausfallen muss, kann sie in anderen Regionen im Kreis Offenbach dennoch stattfinden. So etwa in Götzenhain, bei der unter anderem eine Coverband aus dem Darmstädter Raum auftrat.

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