Nach 30 Jahren

Das Ende der Reptilienschau: Privatzoo L’alligatore macht nach 30 Jahren dicht

Der 18 Jahre alte schwarzweiße Tejus Oskar ist einer von Martinos Lieblingstieren.
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Der 18 Jahre alte schwarzweiße Tejus Oskar ist einer von Martinos Lieblingstieren.

Mit seinem Privatzoo L’alligatore hat der Dietzenbacher Orazio Martino sein Hobby zum Beruf gemacht. Nach Jahrzehnten im Rampenlicht geht er nun in den Ruhestand.

Dietzenbach – Seit weit mehr als 30 Jahren lebt der Dietzenbacher Orazio Martino nun schon mit Alligatoren unter einem Dach. Ein Leben im Rampenlicht: Er war in TV-Shows, hat von Stefan Raab über Dieter Bohlen bis Günther Jauch die gesamte deutsche Prominenz getroffen. Als „Vollblut-Entertainer“ beschreibt der 62-jährige Italiener sich selbst. Doch jetzt soll Schluss sein mit der Echsen-Show, zumindest vorerst. Martino zieht sich zurück und verkauft sein Haus. Möglichkeiten, die Tiere unterzubringen, hat er auch schon.

Doch nun erst einmal auf Anfang. Begonnen hat die schuppige Erfolgsgeschichte vor über drei Jahrzehnten. Damals begann Orazio Martino mit dem Bau seines Hauses in der Alemannenstraße 4. Zu der Zeit hatte er einen Alligator. „Andere bauen ein Haus für ihre Kinder, ich baue ein Haus für meine Alligatoren“, scherzt der Italiener. Mittlerweile hat sich viel im Haus getan: Im Wohnzimmer stehen viele Terrarien mit unterschiedlichen Tieren. Vom Ochsenfrosch Jabba bis zum schwarzweißen Tejus Oskar teilen sich unzählige Exoten ein Heim mit Martino. Zunächst waren die Reptilien für ihn nur ein Hobby. Er war zuvor Boxer, errang mehrere Titel in seiner Gewichtsklasse und später führte er ein Restaurant in Hanau. Wie sein kleiner Zoo in Dietzenbach hieß auch das Restaurant „L’alligatore“. Schon während dieser Zeit merkte er, dass er mit seinen Tieren auch gut Geld verdienen konnte. Er errichtete damals verschiedene Terrarien in Restaurants oder Bars für andere Gastronomen. Schließlich entschied er sich, sein Hobby zum Beruf zu machen. „Immer wenn ich nicht mehr voll bei einer Sache bin, dann habe ich mich im Leben einer anderen Sache zugewandt; nach dem Boxen und dem Restaurant waren es dann die Alligatoren.“

Inhaber des L’alligatore: Orazio Martino hatte viele Auftritte im Fernsehen

Und auch mit den Reptilien und Amphibien hatte Orazio Martino große Erfolge: TV-Auftritte folgten, viele Menschen in Deutschland schätzen sein Fachwissen zu den Reptilien. Auch die Behörden: Immer wieder melden sich Veterinärämter aus ganz Deutschland bei ihm, damit Martino Tiere aufnimmt, wie er berichtet. Auch für Einkaufscenter oder Baumärkte machte er Shows mit seinen Tieren. Doch das Geschäft dort läuft schon länger kaum noch, Proteste von Tierschützern lassen die Einkaufscenter andere Wege einschlagen. In der Zeit vor der Corona-Pandemie konnten Besucher gegen Gebühr zu ihm nach Hause kommen und hatten unter seiner Aufsicht Kontakt zu den Tieren, beispielsweise für ein Fotoshooting. Auch viele Kindergeburtstage waren darunter. Doch dann kam die Pandemie und eine der Haupteinnahmequellen für Martino brach weg. „Die Corona-Hilfen haben mir durchaus geholfen und dafür bin ich sehr dankbar“, sagt der 62-Jährige, „nur weil ich Reserven aufgebaut habe, kann ich aber noch existieren.“

Nun halte er sich mit den Hilfen für die Veterinärämter über Wasser und ist verstärkt auf Instagram und Facebook mit seiner Seite aktiv oder stellt Tiere beispielsweise für Musikvideos von Rappern zur Verfügung. Doch weiterhin koste der Unterhalt der Reptilien zwischen 5000 und 8000 Euro monatlich. „Ich bin sehr sparsam und brauche sonst nicht viel“, beschreibt sich Martino selbst. Deshalb komme er auch trotz Corona gut über die Runden.

Aus für das L’alligatore: Interessenten für das Haus gibt es bereits

In den kommenden Monaten will der Alligator-Flüsterer Orazio Martino trotzdem seinen kleinen Zoo auflösen und sein Haus verkaufen. „Wie mit dem Restaurant und dem Boxen ist es jetzt auch mit meinen Alligatoren an der Zeit, sich einem neuen Lebensabschnitt zuzuwenden.“ Gründe seien die viele Arbeit, die immer mehr werde. Zwar sei er noch fit, die Arbeit sei allerdings sehr anstrengend und körperlich fordernd. Gerade die Alligatoren können mehrere Dutzende Kilo schwer werden. „Und jünger werde ich auch nicht.“

Nicht nur Schuppen, auch Borsten gibt’s bei Martino zu bestaunen: Das Schwein Billy ist zudem wesentlich zutraulicher als die Kaltblüter.

Das Haus am Alemannenweg ist bereits zu verkaufen, auch erste Interessenten gebe es bereits. Für die Tiere, überwiegend Nachzuchten aus eigener Hand, habe er bereits Abnehmer, meist bei befreundeten Kollegen. Dann möchte er sich mit dem Geld aus dem Verkauf des Hauses zur Ruhe setzen. Pläne habe er noch keine konkreten: „Ich suche mir eine kleine Wohnung oder fahre mal ein halbes Jahr nach Italien, um einfach mal nichts zu machen“, so der Chef von L’alligatore. Doch trotz Ruhestand will er danach nicht für immer untätig sein: „Ich kann mir vorstellen, dann andere als Experte bei Projekten mit Reptilien zu beraten.“ (Lukas Reus)

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