Wettbewerb der Evangelischen Akademie Frankfurt

Schülerinnen sichern sich mit Film über Demokratie vierten Platz

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„Ein Netz-Heringhaus-Film“ steht in weißen Buschstaben in der Ecke des Videos. Ein großer Erfolg für die 14-jährigen Teenager, die mit ihrem Demokratie-Projekt bei einem Wettbewerb den vierten Platz belegten. 

Dietzenbach - Was 28 Papiertüten-Gesichter mit Demokratie zu tun haben, zeigt der knapp drei Minuten lange Film von Delia Netz und Katharina Heringhaus, der bei einem Wettbewerb der Evangelischen Akademie Frankfurt ausgezeichnet worden ist. Von Carolin Henneberg 

Katharina Heringhaus (links) und Delia Netz.

Der Kassierer im Altstadt-Rewe guckt irritiert, als Delia Netz und Katharina Heringhaus knapp 30 Papiertüten aufs Band legen. „Ist für ein Schulprojekt“, sagt Katharina schnell. Das stimmt zwar nicht wirklich, macht die Erklärung in dem Moment aber einfacher. Denn es war nicht etwa ein Lehrer, der ihnen eine Hausaufgabe aufgegeben hat – die beiden 14-Jährigen haben sich entschieden, einen Kurzfilm über Demokratie zu drehen. Zusammen haben die Schülerinnen schon einige kleine Clips produziert, die sie bis jetzt aber nie jemandem gezeigt haben: „Das waren private, witzige Kurzfilmchen“, sagt Delia und lacht. „Nichts, was man zeigen müsste.“ Mit ihrem neuesten Projekt ist das etwas anderes. Wildnispädagogin Andrea Ullrich von der Christusgemeinde machte Delia auf den Wettbewerb der Evangelischen Akademie Frankfurt aufmerksam. „Ich habe dann mit Katharina darüber geredet und wir haben das Ganze zu unserem nächsten Freundinnen-Projekt gemacht.“

Gedreht haben sie einen Großteil der Szenen an der Ernst-Reuter-Schule, die Delia besucht. Freundin Katharina kommt auch aus Dietzenbach, geht aber aufs Reichwein-Gymnasium in Heusenstamm. Das Motto des Wettbewerbs „Deine Demokratie – Dein Film“ hat beiden gleich zugesagt: „Eines meiner Lieblingsfächer in der Schule ist Politik und Wirtschaft“, erklärt Delia. Und auch für Katharina ist die politische Mitbestimmung, die in Deutschland möglich ist, ein echtes Privileg – auch wenn die beiden jungen Frauen selbst noch nicht wählen gehen dürfen.

Gut drei Monate hat es gedauert, bis die letzte Szene abgedreht und der Film fertig geschnitten und vertont war. Hilfe hatten sie keine, vom Drehbuch bis zum unkenntlich machen eines Türschildes haben die Freundinnen alles selbst gemacht. „Was wir nicht wussten, haben wir uns über YouTube-Videos beigebracht“, sagt Katharina. Um ihr Konzept zu entwickeln, haben sie sich überlegt, wo überhaupt Demokratie vorkommt, wann die Menschen mit ihr in Berührung kommen. Schnell war die Idee der Papiertüten geboren: „Dadurch konnten wir zeigen, wie vielseitig aber gleichzeitig anonym Demokratie sein kann“, erklärt die Dietzenbacherin. Ihren Tüten gaben sie verschiedene Mimiken: Mal mit Lippenstift tragendem Lächeln, mal mit skeptisch zusammengezogenen Augenbrauen – Tütenmenschgesichter mit Piercings im Gesicht, einer Zigarette im Mundwinkel oder einem Schnurrbart.

Die Geschichte Hessens in Bildern

Der Alltag sei das beste Beispiel für Demokratie. Schon in der Grundschule habe man demokratisches Verhalten und Denke beigebracht bekommen – Elternbeiräte, Schüler- und Klassensprecher, Instanzen, die es nicht überall auf der Welt gibt. „Für Demokratie muss täglich gekämpft werden, sonst geht uns die Freiheit verloren“, heißt es dann auch im Film. Letztendlich hat es bei der Preisverleihung in Frankfurt für den vierten von 14 Plätzen gereicht. „Wir sind stolz auf uns und froh über die tolle Erfahrung“, sagt Delia. Einem nächsten Freundinnen-Projekt steht also nichts im Weg.

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