Neue Veranstaltungsreihe will Zeichen setzen

Demokratie leben: Gemeinsam für Vielfalt und Toleranz

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Erster Stadtrat Dieter Lang, Maud Möller (Bildungshaus), Michael Becker (Awo), Petra Lück (Vhs) und Dirk Hartmann (Awo) bei der Vorstellung von „Gemeinsam für Vielfalt und Toleranz – Dietzenbach gegen Diskriminierung und Rassismus“.

Dietzenbach - Seien es Stammtische in kleinen Dörfern oder die Parlamente in den Großstädten, Schulhöfe oder Vereine – Begriffe wie Rassismus und Diskriminierung sind in verschiedenerlei Hinsicht ein brisantes Thema in diesen Tagen. Von Christian Wachter

Auch bei der Partnerschaft für Demokratie, einem Projekt im Förderprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesfamilienministeriums und in Trägerschaft des Awo-Kreisverbands Offenbach Land, befasst man sich intensiv mit solchen Strömungen. Zusammen mit der Partnerschaft Demokratie Dietzenbach und der des Kreises wollen die Volkshochschule und das Bildungshaus nun ein nachhaltiges Zeichen setzen – gegen Rassismus und Diskriminierung. Dafür wurde eine Veranstaltungsreihe geplant, die Mitte September mit der Ausstellung „Der Weg der Sinti & Roma“ beginnt. Dort wird die Geschichte der Minderheit seit ihrer Ankunft im deutschsprachigen Raum vor mehr als 600 Jahren thematisiert. Gut eine Woche danach bietet außerdem der Historiker und Politologe Udo Engbring-Romang einen Rundgang an.

Ebenfalls im September gibt es einen Workshop im Bildungshaus, der sich mit Diskriminierung und Rassismus in der Migrationsgesellschaft befasst und einen Vortrag in der Volkshochschule, der den Titel „,Armutszuwanderung?’ – Anmerkungen zu einer antiziganistischen Debatte“ trägt. Im Oktober öffnet das Bildungshaus erneut seine Türen. Dann zum Workshop „Same, Same But Different“, bei dem Diskriminierung auf Grundlage der Erfahrungen von Jugendlichen behandelt wird. Folglich richtet sich das Angebot an Interessierte zwischen 13 und 18 Jahren. Beim letzten Teil der Reihe schließlich spricht Professor Dr. Julia Bernstein in der Volkshochschule über „Antisemitismus aus jüdischer Perspektive“. Aus Sicht von Betroffenen werden dort die kommunikativen Fallen in der Diskussion um Antisemitismus und Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Die Reihe, sagt Erster Stadtrat Dieter Lang, gehe in die Fläche: „In die Quartiere, um viele Bürger und Multiplikatoren zu erreichen.“ Gegen die Egoismen in der Gesellschaft habe man nur eine Chance, wenn man gemeinsam vorgehe. Anerkennung zollt Lang dem Programm „Demokratie Leben“. Dort habe man mitgedacht und etwa mit Michael Becker von der Awo, der die Partnerschaft für Dietzenbach koordiniert, auch an die personellen Ressourcen gedacht. Becker betont, dass man in diesen Tagen mit Menschen rechnen müsse, die versuchen, rassistische und antiziganistische Aussagen salonfähig zu machen. „Wir müssen die Sensibilität für Phänomene wie Alltagsrassismus erhöhen, in geschütztem Rahmen reflektieren, wie man dem solidarisch entgegenwirken kann.“ Eine einmalige Sache soll das Netzwerk der verschiedenen Akteure nicht bleiben: „Wir haben den Auftrag, das kontinuierlich zu behandeln.“

Was das Wort Alltagsrassismus bedeutet, kann Maud Möller vom Bildungshaus gut mit den Erfahrungen belegen, die sie mit den jungen Besuchern macht. Da gebe es jene, die davon berichten, wie ihre Eltern mit Migrationshintergrund bei Behörden geduzt werden und eine Einserschülerin, die von den Lehrern ignoriert worden sei, nachdem sie ein Kopftuch anzog. Und dann gebe es natürlich noch die häufig gestellte Frage, der ein Nachhaken folgt, falls die Antwort Deutschland ist: Woher kommst du? „Wenn Teilhabe infrage gestellt wird, reproduziert sich das“, sagt Möller. Umso mehr hofft sie auf viele Teilnehmer bei den Workshops. „Es geht darum, Jugendliche sensibel zu machen, dass sie aktiv werden in den Schulen, sich für Toleranz einsetzen.“ Auch Petra Lück. Leiterin der hiesigen Volkshochschule, liegt die Beteiligung an der Aktion am Herzen. „Die politische Bildung gehört zu unserer Arbeit und in den vergangenen Jahren gibt es Entwicklungen in der Diskussionskultur, die wir nicht als positiv erachten.“ Das Schöne an den Vorträgen sei, dass man nicht nur eine Zielgruppe im Blick habe, sondern sich etwa von Rassismus Betroffene mit Menschen austauschen, die andere Sichtweisen haben. „Wenn eine Debatte hitzig ist, heißt das nicht, dass sie kein Erfolg ist, die Spielregeln, die wir dabei einfordern, werden aber nicht hinterfragt.“

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