Die langjährige Leiterin der Aue-Schule, Angela Heußler, geht in den Ruhestand

Demokratisch und vertrauensvoll

Noch sitzt sie am Schreibtisch: Zum August hin wird Angela Heußler in den Ruhestand gehen. Foto: Eickhoff

Dietzenbach – Als sie 1996 an die Aue-Schule kam, da wusste Angela Heußler noch nicht so richtig, „ob das wieder etwas für mich ist“. Denn ihr zweites Staatsexamen für Gymnasiallehramt lag da bereits 13 Jahre zurück. VON PATRICK EICKHOFF

„Es war damals klar, dass wir Referendare keinen Job bekommen, also haben wir in Darmstadt einen Verein gegründet, der Lehrer unterstützen sollte“, sagt sie. Doch da sie nicht vereidigt waren, gestaltete sich das als schwierig. An der Darmstädter Schillerschule führten Heußler und ihre Mitstreiter das Projekt „Betreute Grundschule“ ein.

„Wir hatten es viel mit Aussiedlern zu tun, es kamen auch immer mehr Diplompädagogen dazu“, berichtet sie. 1995 entschließt Heußler sich für drei Semester eine Zusatzqualifikation für Grundschulehramt anzueignen. „Ein Jahr später kam die Anfrage der Aue-Schule, da habe ich gerade im Frauenzentrum gearbeitet.“ Das habe sie durchaus ins Grübeln gebracht. „Dietzenbach war mir ein Begriff und ich habe mir die Schule natürlich erst einmal angeschaut, bevor ich zugesagt habe“, sagt die 64-Jährige. Aus den Gymnasialfächern Biologie und Sport wurden Deutsch und Sachkunde. Getreu dem Motto „Wenn ich etwas mache, dann aber richtig“ bringt sich Heußler von Anfang an ein, wird 2003 zunächst Konrektorin und übernimmt offiziell im April 2004 die Schulleitung von Ingo Klingbeil. „Das waren große Fußstapfen, aber ich habe es nie bereut.“

15 Jahre hat Heußler die Bildungseinrichtung geleitet. Ende Juli ist Schluss. „Ich habe mir immer gesagt, ich kann zwar nicht die Welt retten, aber in diesem Kosmos Schule, da kann ich etwas bewegen.“ Zwischen 2003 und 2007 war die Aue-Schule eine von sechs hessischen Projektschulen der Bund-Länder-Kommission mit dem Thema „Demokratie lernen und leben“ und dem Schwerpunkt „Mediation und Partizipation“. „Das war mir immer besonders wichtig“, sagt Heußler. „Wir haben ein Schülerparlament, das beispielsweise die Regeln auf dem Schulhof bestimmt. Oder die Klassenräte, die sich eine Stunde in der Woche treffen. Es liegt mir am Herzen, dass wir eine demokratische Schule sind.“ Und auch sonst sei die Atmosphäre stets offen und vertrauensvoll gewesen.

Rund 400 Kinder gehen momentan auf die Schule an der Talstraße. „Wir sind am Limit“, gibt die 64-Jährige zu. Gerne denkt sie an die 40-Jahr-Feier 2012 zurück. Aber auch an die Aktionen, die sich wiederholen. „Der Spendenlauf ist immer eine tolle Sache. Auch die Theater- und Musicalaufführungen werde ich so schnell nicht vergessen.“ In den vergangenen Jahren habe sich viel getan. „Wir waren mit die erste Schule, die Mädchen-Fußball-AGs angeboten hat. Nia Künzer und Steffi Jones waren sogar dabei.“

Der Austausch mit den anderen Schulen sei gut gewesen. „Wir sitzen mit den Leitern regelmäßig zusammen.“ Aber auch die Stadt setze sich sehr für die Einrichtungen ein. „In Dietzenbach hat man früh erkannt, dass Schulsozialarbeiter sehr wichtig sind“, betont Heußler. „Die Grundschule ist der Grundstock für die Schullaufbahn. Man hat viele verschiedene Arten von Kindern im Unterrichtet, die einem so viel zurückgeben. Ich bin wirklich froh, dass ich nie gegangen bin.“ Worte, die vom Herzen kommen. Dem Förderverein wird sie als stellvertretende Vorsitzende erhalten bleiben. „Also stehe ich weiterhin mit der Aue-Schule in Verbindung und natürlich auch jederzeit für Fragen zur Verfügung.“

Seit dem Schuljahr 2010/11 hat sich die pädagogische Mittagsbetreuung an der AueSchule etabliert. Die Teilzertifikate für Bewegung und Wahrnehmung sowie für Sucht- und Gewaltprävention hat die Einrichtung erhalten. Seit sechs Jahren gibt es islamischen Religionsunterricht. „Da haben wir jetzt auch wieder eine Referendarin.“ Für Heußler keine Frage, diesen Unterricht anzubieten. „Das Wort Migrationshintergrund finde ich furchtbar“, sagt sie. „Wir sind eine bunte Schule. Natürlich sind wir auch den Eltern eine Hilfe, aber sie sind unglaublich dankbar. Ich denke, jeder kann von jedem lernen.“

Doch für Heußler stehen die letzten Wochen als Schulleiterin an. Als Nachfolgerin steht ihre aktuelle Stellvertreterin Sabine Wunderlin in den Startlöchern. „Es muss nur noch durch die jeweiligen Instanzen, aber ich denke damit ist die Aue-Schule gut aufgestellt“, sagt sie. Gemeinsam werde man noch den Stundenplan gestalten. Leider fehle es an Fachkräften. „Es gibt immer weniger Grundschullehrer. Das ist allerdings keine Überraschung. Sie arbeiten mehr als andere Lehrer und verdienen weniger Geld.“ Deshalb setzt man auch an der Aue-Schule auf sogenannte TV-H-Kräfte (Anm. d. Red.: Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst des Landes Hessen). „Das sind keine ausgebildeten Lehrer, aber Personen wie Künstler, die Qualifikationen in gewissen Bereichen vorweisen können.“ Auch Heußler hat bis zum Schluss zwölf Stunden in der Woche unterrichtet.

Am Dienstag fand die offizielle Verabschiedung in der Schule statt. Und nun? Wie es genau weitergeht, weiß die 64-Jährige noch nicht. „Ich lasse es auf mich zukommen, aber ich werde bestimmt keine Däumchen drehen.“

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