Ausstellung

Deutsch-chinesische Freundschaft

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Liga der außergewöhnlichen Gentlemen: Abenteurer Jin Feibao (von links) mit seinen Freunden Norbert Kern und Lou Xu.

Dietzenbach - Wie eine Expedition zum Südpol zur ersten Ausstellung eines Chinesen im Dietzenbacher Rathaus führte. Von Nina Beck

Das Großartige an Norbert Kern und Jin Feibao sei, dass sie Pläne machen, sagt Luo Xu. „Die suchen sich ein Ziel und sagen: Ich gehe diesen Weg. Ob das nun zum Nord- oder zum Südpol ist, oder quer durch Grönland.“ Kurze Pause, Lächeln: „Und das Großartige an mir ist, dass ich keine Pläne mache. Ich habe noch nie Pläne gemacht. “ Gut, heute Abend ist Vernissage seiner Ausstellung im Rathaus, ab morgen sind seine Bilder und Kunstwerke für jedermann einen Monat lang zu bestaunen. Aber was danach kommt? Wer weiß das schon. Irgendwie wird es immer weitergehen.

„Wenn ich mit Norbert und Feibao unterwegs wäre“, sagt der 56 Jahre alte Künstler aus Kunming, „würden die beiden sagen: Wir gehen hier rauf auf den Gipfel. Und ich würde wahrscheinlich bei der Hälfte sagen: Ich kehre um.“ Herausforderungen, Visionen – Feibao spricht von Träumen – Ziele: Das ist es, was den 72-jährigen Dietzenbacher Norbert Kern wie auch den 49 Jahre alten Abenteurer aus Kunming gleichsam verbindet wie antreibt.

Die Südpolexpedition

Feibao nennt es Schicksal: „Dass Luo Xu jetzt in Dietzenbach ausstellt, wäre nicht passiert, wenn Norbert und ich uns nicht bei der Südpolexpedition kennengelernt hätten.“ Denn seit Jahrzehnten schon ist Feibao mit Luo Xu befreundet, kannte ihn, bevor dieser mit der Kunst anfing. Und über Feibao wiederum lernte auch Kern Luo Xu kennen. „Nach nur fünfzehn Minuten habe ich gespürt: Das ist ein Mensch, mit dem ich gern befreundet sein will“, erzählt der.

Mit Feibao sei das ähnlich gewesen. Der ist in China fast so etwas wie ein Nationalheld – „der Reinhold Messner Chinas“, sagt Kern. In nur anderthalb Jahren, von Mai 2006 bis Dezember 2007, hat Feibao den „Explorers Grand Slam“ absolviert: Angefangen gleich mit dem höchsten Berg der Welt, dem Mount Everest, den er gemeinsam mit seinem Bruder bestieg, erklomm er die insgesamt sieben höchsten Gipfel Asiens, Afrikas, Australiens, Nord- und Südamerikas, Europas und der Antarktis. Ach ja, und dazwischen, nicht zu vergessen, die beiden Expeditionen zum Süd- und dem Nordpol. Bei Ersterer lernte er, wie erwähnt, Norbert Kern kennen, mit dem er später auch Grönland durchqueren sollte. Als jeweils Ältester der Expeditionsgruppe habe der Dietzenbacher den Jüngeren nicht selten Beine gemacht. „Verglichen mit ihm sind wir alle seine kleinen Brüder“, sagt Feibao lächelnd – und voller Respekt.

Jede Menge Reisepläne

Doch nicht nur bergige Höhen und eisige Kälte treiben den Abenteurer aus Kunming an: Von April bis Juni 2009 etwa durchquerte er die Sahara von Westen nach Osten. Sechs Länder, mehr als 6700 Kilometer. Und weitere Pläne hat er bestimmt hunderte, so Feibao: Die Beringstraße würde er eigentlich gerne einmal überqueren – bislang allerdings wurde auch von den erfahrensten Expeditionsleitern abgeraten: lebensgefährlich. Anderes dagegen scheint eher realisierbar. So etwa hat er sich zum Ziel gesetzt, bis er 60 Jahre alt ist, 100 Marathonläufe absolviert zu haben.

„Das würde mich sehr stolz machen.“ Auch jede Menge Reisepläne hegt Feibao. Ob sich allerdings sein größter Traum, als erster chinesischer Tourist ins All zu fliegen, tatsächlich noch zu Lebzeiten bewahrheiten wird, da ist er mittlerweile skeptisch. „Ein Ticket habe ich schon gekauft“, so Feibao. Daran also sollte es nicht scheitern. Und auch ein Training im Kennedy Space Center in Florida hat er schon absolviert. Vielleicht meint es das Schicksal ja gut mit ihm. Wie mit der Schau seines Freundes Xu im Rathaus.

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