„Alles nach einheitlichem Schema“

Standpreise für Händler auf Wochenmarkt sollen erhöht werden

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Vor allem an wärmeren Tagen ist der freitägliche Wochenmarkt in der Altstadt bei den Bürgern beliebt. 

Dietzenbach - Der freitägliche Wochenmarkt in der Altstadt hat sich etabliert. Vor allem an wärmeren Tagen sammeln sich dort viele Bürger und verweilen an den Tischen und Bänken in der Hammannsgasse. Doch nun möchte die Marktgilde das Standgeld und die Nebenkosten erhöhen. Das betrübt die Händler. Von Ronny Paul 

Die Deutsche Marktgilde hat die Händler des Wochenmarkts in der Hammannsgasse in einem Brief darüber informiert, dass sich sowohl die Standgebühren als auch die Nebenkosten zum April erhöhen. Anfang 2017 hat die Marktgilde die Organisation des Wochenmarkts von der Stadtmarketing-Agentur übernommen. „Für die Übergabe wurde zwischen der Stadt Dietzenbach und der Marktgilde vereinbart, die bis dato geltenden Standgelder und Nebenkosten zunächst unverändert zu übernehmen“, heißt es in dem Schreiben der Marktgilde. Eigentlich sollten die Preise schon zum April des vergangenen Jahres „an unsere Standards angepasst werden, weil die bis dato von der Stadt Dietzenbach erhobenen Standgebühren ohne Subventionen einen wirtschaftlichen Betrieb auf Dauer nicht ermöglichen“, teilt die Marktgilde weiter mit.

Eine Revision am Standort habe nun ergeben, dass der ehemalige Niederlassungsleiter Uwe Lorey Vereinbarungen mit der Stadt „nicht nur nicht termingerecht umgesetzt hat“: „Bei der Berechnung der Standgelder und Nebenkosten ist er darüber hinaus unzulässigerweise von den Regelungen der geltenden Wochenmarktordnung und den für den Standort Dietzenbach im Einzelnen festgelegten Entgelten abgewichen.“

So sei festgestellt worden, dass die tatsächlich in Anspruch genommenen Standflächen in Einzelfällen für die Entgeltabrechnungen eigenmächtig und willkürlich reduziert beziehungsweise für einzelne Stände „völlig indiskutable, geringe Pauschalpreise festgelegt wurden“. Marktgilde-Prokuristin Cornelia Pitzer sagt auf Nachfrage: „Normalerweise bemessen wir Stellflächen deutschlandweit nach einem einheitlichen Schema.“

Für die Markthändler allerdings ist die Ankündigung ein Damokles-Schwert. Noch wissen sie nicht genau, welche Preise konkret auf sie zukommen, da die Marktgilde die Flächen noch nicht neu vermessen hat. Ein Händler, der auf mehreren Märkten in der Region seine Waren verkauft, sagt: „Noch sind die Preise akzeptabel.“ Sollten sie allerdings erhöht werden, sei dies für ihn angesichts der Besucherzahlen nicht mehr rentabel. „Wenn’s regnet oder kalt ist, lohnt es sich ohnehin nicht“, betont er.

Ein weiterer sagt: „Fast alle müssten dann das Doppelte zahlen, das gibt der Markt aber nicht her.“ Überhaupt seien alle der rund zehn auf dem Markt vertretenen Händler gegen die Erhöhung der Preise. Der Händler betont zudem: „Uns wäre es das Liebste, wenn die Stadt die Organisation wieder übernimmt, da war Ordnung drin.“

Der Offenbacher Wochenmarkt in Bildern

Bürgermeister Jürgen Rogg bedauert das Vorgehen: „Leider übt die Marktgilde gerne auch Druck auf die Standbetreiber aus – schließlich sind einige auch auf anderen Märkten, die von der Marktgilde ausgereichtet werden.“

Auf die Frage, ob es Befürchtungen gebe, dass der Markt durch die neuen Preise eingestellt werden müsse, antwortet der Rathauschef: „Ja, die gibt es. Gerade zu einem Zeitpunkt, wo es ganz gut läuft nun diese Preiserhöhung. Wenn – wie die Marktgilde schreibt – es aus deren Sicht nicht wirtschaftlich ist, den Markt zu betreiben, sollen sie uns den Markt wieder übergeben. Wir stehen jederzeit zur Verfügung, den Markt wieder in eigener Regie zu übernehmen.“ Wichtig sei, dass sich alle einig sind und an einem Strang ziehen. Derzeit habe die Stadtmarketing-Agentur „lediglich einen beratenden Einfluss, da gemäß gerichtlicher Einigung seit dem 1. Januar 2017 die Marktgilde alleiniger Betreiber ist“ .

Gespräche mit der Marktgilde habe es noch nicht gegeben, die Stadt habe auch erst vor zwei Wochen von den Briefen an die Standbetreiber erfahren, betont Rogg, der darauf hinweist, dass fälschlicherweise in den besagten Schreiben stehe, das Handeln sei mit der Stadt so besprochen worden. „Das stimmt nicht. Nach unserer Einschätzung wird insbesondere die Strompauschale über Gebühr erhöht – dies ist auch für uns so nicht nachvollziehbar. Wir werden erst mit den Standbetreibern sprechen und dann mit der Marktgilde.“ Die neuen Strompauschalen liegen zwischen 1,90 Euro für Minderverbraucher und 7,50 Euro für Sonderverbraucher (Starkstrom).

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Sollten zwei bis drei der Markthändler abspringen, dann werde der Markt unattraktiv und müsse über kurz oder lang komplett eingestellt werden, sagt Rogg. „Da tut sich die Marktgilde keinen Gefallen mit.“

Die Marktgilde wiederum ist der Meinung, „die Preise sind vertretbar“, sagt Prokuristin Pitzer. „Wir treffen solche Maßnahmen nicht, um Händler loszuwerden.“ Zudem habe sie bisher weder von der Stadt noch von den Händlern Rückmeldungen zu dem Schreiben bekommen.

Einen Nachfolger für den seit Loreys Abgang vakanten Posten des Niederlassungsleiters sei noch nicht gefunden. Man arbeite daran, informiert Pitzer.

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