ADFC-Fahrradklimatest

Radfahrer sind unzufrieden – Hoffnung auf neuen Radschnellweg

Einzig die fahrradfreundliche Umgestaltung der Nord-Süd-Achse (L3001) gibt Dietzenbacher Radfahrern Anlass zur Hoffnung. (Archivbild)
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Einzig die fahrradfreundliche Umgestaltung der Nord-Süd-Achse (L3001) gibt Dietzenbacher Radfahrern Anlass zur Hoffnung. (Archivbild)

Dietzenbach hat beim Thema Radfahren wieder einmal die „rote Laterne“ im Kreis Offenbach einkassiert. Die Mitglieder der ADFC-Ortsgruppe setzen Hoffnungen auf das neue Radschnellweg-Projekt.

Dietzenbach – Ausgewertet hatten die Radler die ortspezifischen Daten des aktuellen bundesweiten ADFC-Fahrradklima-Tests. Gemessen wird dabei alle zwei Jahre, wie zufrieden die Radfahrer in den jeweiligen Kommunen sind. Zwar basieren die Umfrageergebnisse auf den Angaben freiwilliger Teilnehmer und seien so nicht repräsentativ, teilt der ADFC mit. „Dennoch spiegelt das Ergebnis ein reales Bild“, heißt es weiter. Beteiligt hatten sich für die Kreisstadt 101 Teilnehmer.

Im Rahmen der Untersuchung belegt Dietzenbach in der Ortsgrößenklasse bis 50 .000 Einwohner den Platz 369 von 415 teilnehmenden Kommunen. Gegenüber dem Klimatest von 2018 bedeutet das keine Veränderung, teilt das ADFC-Team mit. Besonders negativ falle auf, dass Fahrradfahrer selten gegen die Einbahnstraßen fahren dürfen und es in der Kreisstadt beständig zu einer hohen Zahl von Fahrraddiebstählen komme. Ebenso zu rügen seien die „schlechte Oberfläche“ und die „unzureichende Reinigung“ der wenigen Fahrradwege.

Dietzenbach im Kreis Offenbach: Politische Aufmerksamkeit für Radfahren wächst

Das alles sei nun wenig überraschend, zieht die Ortsgruppe Bilanz. Denn: „Jahrelang hat sich zu wenig getan, was die Fahrradinfrastruktur verbessert hätte.“ Einzige Hoffnung seien derzeit lediglich die Pläne zur fahrradfreundlichen Umgestaltung der Dietzenbacher Nord-Süd-Achse (L 3001). „In der Politik nimmt die Aufmerksamkeit für das Thema Radfahren zu“, folgert der ADFC.

Im Rahmen einer längeren Online-Sitzung konnten sich die Fahrrad-Fans der Kreisstadt kurz vor Ostern auch über einen möglichen Radschnellweg von Seligenstadt über Rodgau, Dietzenbach, Dreieich und Neu-Isenburg bis zum Frankfurter Flughafen informieren. Rund 25 Kilometer lang soll die Strecke sein. Das Projekt, das noch in den Kinderschuhen steckt, ist beim „Regionalverband FrankfurtRheinMain“ angesiedelt. Mit einer ersten Machbarkeitsstudie, an der sich auch die Stadt Dietzenbach beteiligt und die durch eine Online-Umfrage verstärkt wird, soll es nun auf Tauglichkeit überprüft werden. Kommt es tatsächlich zustande, könnte es Teil eines hessenweiten Netzes von acht weiteren Radschnellwegen sein. Fertiggestellt ist bisher ein Abschnitt zwischen Frankfurt und Darmstadt.

Weitere Informationen

Umfrage zur geplanten Radschnellverbindung FRM 9 (Seligenstadt - Frankfurt Flughafen).

Fahrradfahren im Kreis Offenbach: Dietzenbacher „Radschnellweg entlastet den Verkehr“

FRM9, so der Name des Streckenabschnittes, der durch Dietzenbach führen soll, ist derzeit noch nicht festgelegt, auch während der Sitzung gezeigte Bilder präsentierten lediglich verschiedene Möglichkeiten der Routenführung quer durch oder an der Kreisstadt vorbei. Grundsätzlich sollen die Trassen dort entstehen, wo das höchste Potenzial vorhanden ist. Also etwa große Arbeitgeber an der Strecke liegen und möglichst wenig „Nutzungskonflikte“ mit Landwirten oder Spaziergängern entstehen. „Die Machbarkeitsstudie ist ergebnisoffen“, betonte die regionale Radverkehrsbeauftragte Antje Quitta. Nur ganz wenig werde „kategorisch ausgeschlossen“, vielmehr gehe es darum, Vorschläge zu sammeln, die auf bereits bestehenden Radrouten, auf Planungen und auf Empfehlungen von Stadtverwaltung, ADFC und Bevölkerung beruhen.

Nicht nur Berufspendlern, sondern eher jedem Radfahrer soll der Schnellweg idealere Bedingungen bieten. Ganz nach dem Motto „zügig, sicher, entspannt und freudig“. Ebenso heißt es: „Ein Radschnellweg entlastet den Verkehr, ist gut für die Umwelt und für die Gesundheit.“ Die Trasse soll ganzjährig und auch nachts befahrbar sein und sich für alle Fahrradtypen eignen, vom Kinderfahrrad bis zur elektromotorischen Unterstützung, auch an Lastenräder ist gedacht. Mit einer Breite von etwa vier Metern ist sie auch zum Überholen geeignet.

Fahrradfahren im Kreis Offenbach: Radschnellweg von Seligenstadt bis zum Flughafen Frankfurt

Der erste Schritt auf dem Weg zu tragfähigen Konzepten geht nun bis zum Frühjahr des kommenden Jahres, dann müssen die politischen Gremien der Kommunen entscheiden. „Die örtlichen Vertreter sind in den Prozess eng eingebunden“, heißt es. Müssen sie doch letztendlich die Wegeführung festlegen, den Bau unterstützen und vor allem mitfinanzieren. Allein die Machbarkeitsstudie kostet 100 .000 Euro, wobei die Hälfte vom Land kommt, den Rest müssen die Städte einbringen.

Wer Ideen oder Anregungen rund um den Bau des Radschnellweges Seligenstadt, Rodgau, Dietzenbach, Dreieich, Neu-Isenburg, Frankfurter Flughafen hat, kann bis Sonntag, 9. Mai, an der Online-Umfrage teilnehmen. (Barbara Scholze)

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