Die Gräben sind zugeschüttet

Dietzenbach: CDU unterstützt Bürgermeister Jürgen Rogg bei seiner Kandidatur

CDU-Vorsitzender Christoph Mikuschek spricht über gemeinsame Werte zwischen der Partei und Bürgermeister Jürgen Rogg, der erneut kandidiert.
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CDU-Vorsitzender Christoph Mikuschek spricht über gemeinsame Werte zwischen der Partei und Bürgermeister Jürgen Rogg, der erneut kandidiert.

Die Dietzenbacher CDU hat angekündigt, den parteilosen Bürgermeister Jürgen Rogg bei seiner erneuten Kandidatur zu unterstützen. Vor mehr als elf Jahren waren Rogg und die Christdemokraten noch im Unfrieden auseinandergegangen.

Dietzenbach – Kurz vor Weihnachten herrscht bei der CDU wieder Friede und Freude. Anlässlich der Mitgliederversammlung der Partei am vergangenen Freitag verkündete der Stadtverbands-Vorsitzende Christoph Mikuschek zum einen seine Kandidatur als Erster Stadtrat und gab gleichzeitig bekannt: „Wir haben alte Gräben zugeschüttet.“ Damit bezog er sich auf die Ankündigung, dass die Christdemokraten sich dazu entschlossen haben, Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos) in seiner Neukandidatur zu unterstützen.

„Zugeschüttet“ haben Parteivorstand und Kandidat dabei wohl auch die Tatsache, dass ihre Wege bei der Bürgermeisterwahl 2009 auseinandergingen. Der Grund: Damals hatten sich sowohl Rogg, als auch Kornelia Butterweck bei der CDU für das Amt des Rathauschefs interessiert. Bei der Mitgliederversammlung vor elf Jahren entschieden sich jedoch 42 Stimmberechtigte für Butterweck und nur 34 für das derzeitige Stadtoberhaupt.

Um dennoch eine Chance auf das Amt zu haben, trat Rogg aus der Partei aus. Unterstützung fand er dabei in der von ihm gegründeten „Wählerinitiative Jürgen Rogg“ (WIR), die später mit den Bürgern für Dietzenbach zusammenging und heute als WIR-BfD bekannt ist. Dass der heutige Verwaltungschef 2009 richtig gehandelt hatte, zeigte das Wahlergebnis nur zu deutlich. Denn bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen ihm und seiner ehemaligen Parteigenossin Kornelia Butterweck hatte er mit 67,1 Prozent der Stimmen die Nase vorne.

Dietzenbach: Gegenseitige Vorwürfe von CDU und Rogg

Die an die Wahlschlappe anschließende Mitgliederversammlung der CDU zeigte indes, dass der interne Kampf um den richtigen Kandidaten Zwietracht gesät hatte. „Nicht nur der Vorstand, auch die Mitgliederversammlung hat Kornelia Butterweck nominiert, obwohl ganze Mitgliedergruppen mobilisiert waren, gegen sie zu stimmen“, sagte der ehemalige Parteivorsitzende Helmut Butterweck damals. Während des Wahlkampfes habe es „versteckte und offene Unterstützung“ für den Gegenkandidaten gegeben. Speziell den Mitgliedern der Senioren-Union warf Butterweck vor: „Ihr habt aktiv gegen Kornelia gearbeitet und euch dafür ausgesprochen, Jürgen Rogg zu wählen“. Auch konnte sich das heutige Magistratsmitglied Butterweck bei der damaligen Versammlung die Spitzen gegen das frisch amtierende Stadtoberhaupt nicht verkneifen. „Wir haben jetzt einen Bürgermeister, der in fünf Jahren Vorstandsarbeit fast nie etwas gesagt hat, der die Freizeitpolitiker im Parlament belächelt hat und Berufspolitiker werden wollte.“ Dabei sprang Butterwecks Stellvertreter, der damalige Fraktionsvorsitzende Thomas Wegener ihm zur Seite und riet seinen Genossen im Verhältnis zum neuen Bürgermeister nicht dem „etwas klebrigen Harmoniebedürfnis“ nachzukommen. Auch fünf Jahre später, während der Bürgermeisterwahl 2015, fanden die Feindseligkeiten zwischen der Partei und Rogg kein Ende. Zu diesem Zeitpunkt war es der Christdemokrat und ehemalige Erste Stadtrat Dietmar Kolmer, der gegen den derzeitigen Rathauschef antrat. Damals teilte auch Letzterer kräftig aus. So behauptete Rogg etwa, dass die CDU-Fraktion diverse Magistratsanfragen dazu instrumentalisiert hätten, um Wahlkampf gegen ihn zu machen.

Doch all das scheint nun vergessen zu sein. Denn, wie Parteichef Christoph Mikuschek am vergangenen Freitag mitteilte, habe man insbesondere während der Pandemie festgestellt, dass man auf einer Ebene sei. Gleichzeitig kündigte er jedoch an, dass man noch bestehende inhaltliche Differenzen schnell überwinden wolle.

Bürgermeister auch als Kandidat auf CDU-Liste

Die wiedergefundene Verbundenheit wird indes nicht allein durch gleiche Werte und der Unterstützung seiner Kandidatur seitens der Partei bekräftigt. Auch ist der derzeitige Bürgermeister auf Platz 12 der Kommunalwahlliste wiederzufinden.

Trotz alledem, so teilte das Stadtoberhaupt auf eine Anfrage hin mit, behalte er weiterhin seine parteiliche Unabhängigkeit. Zudem verkündete er, dass er, wie in den Jahren 2009 und 2015, auch dieses Mal seinen Wahlkampf selbst finanzieren werde. Zur WIR-BfD, die zur Kommunalwahl am 13. März keine Liste aufstellt, sagte Rogg indes, dass auch diese ihn bei der Wahl unterstützen werde. Denn bis dahin bestehe die Fraktion schließlich weiterhin (ausführlicher Bericht folgt). Von Anna Scholze

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