Hinter den Kulissen - „Die Nachfrage ist da“

Auf der Großbaustelle in Dietzenbach mit Brass-Geschäftsführer Artan Statovci

Mann steht auf Dach, neben ihm eine Baustelle
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Ab November die „größte Automobilhandelsfläche im Rhein-Main-Gebiet“: Brass-Geschäftsführer Artan Statovci blickt vom Parkdeck auf die Baustelle an der Elisabeth-Selbert-Straße.

Ob hinter kleinen Ladentheken in der Altstadt oder in großen Hallen im Gewerbegebiet: Die Dietzenbacher Unternehmenswelt hat einiges zu bieten. In loser Reihenfolge werfen wir einen Blick hinter die Kulissen. Diesmal haben wir Artan Statovci, Geschäftsführer vom Autohaus Brass, besucht.

Dietzenbach – Im Osten Dietzenbachs wird viel gebaut. Wer in den vergangenen neun Monaten etwa die Elisabeth-Selbert-Straße entlang gefahren ist, hat Gebäude in die Höhe wachsen sehen. Neuster Blickfang: ein viergeschossiges Parkdeck voller Autos. Die Brass-Gruppe, mit Hauptsitz in Aschaffenburg, expandiert am Dietzenbacher Standort. Zu den bereits vorhandenen Häusern auf rund 18 000 Quadratmetern Fläche mit den Marken Audi und VW kommen nun auf rund 22 000 Quadratmetern unter anderem ein Opel- und Skoda-Autohaus mit Verkaufsausstellungsraum, Kundenzentrum und zusammenhängender Werkstatt. Dazu ein Auslieferzentrum und eine moderne Aufbereitungsanlage für Gebrauchtwagen sowie ein Großkundenleistungszentrum. „Der Standort Dietzenbach wird eine sehr große Rolle in der Brass-Unternehmensgruppe übernehmen“, sagt Geschäftsführer Artan Statovci stolz. „Wir haben dann die größte Automobilhandelsfläche im Rhein-Main-Gebiet.“

Im Schnitt zähle er aktuell fast täglich 20 000 Schritte auf dem Tacho. „Das ist gut für die Gesundheit“, sagt er und lacht. Während er über die von der Paul-Brass-, der Elisabeth-Selbert- und der Lise-Meitner-Straße eingerahmte Großbaustelle östlich der S-Bahn-Schienen geht, klingelt immer wieder das Telefon. Statovci ist nicht nur in Dietzenbach ein gefragter Mann, leitet er doch noch weitere Filialen der Brass-Gruppe im Rhein-Main-Gebiet. Das Handy mal klingeln lassen? Nicht mit Statovci. „Ich bin immer erreichbar.“

Der „Schrauber aus Leidenschaft“ feiert am heutigen Samstag sein 30-Jähriges im Autohaus, das bis 2002 zu Gotta gehörte. Die „Brass Autowelten Dietzenbach“ mit mehr als 100 Arbeitsplätzen sind eine weitere Spitze im imposanten Werdegang des überzeugten Dietzenbachers.

1986 kommt Statovci aus dem Kosovo nach Deutschland, ohne die Sprache zu sprechen. Er besucht die Heinrich-Mann-Schule, entscheidet sich dann aber mit 15 Jahren für eine Lehre als Kfz-Mechaniker. Da ist aber nicht Schluss. Er macht weiter: Ausbildung als Verkäufer, später als Verkaufsleiter und dann eine Qualifizierung zur Unternehmensnachfolge bei Audi. „Ich war der einzige Nicht-Unternehmersohn.“ Statovci engagiert sich im Betriebsrat, wird Prokurist, dann 2007 Geschäftsführer. „Ich gehe auf, wenn ich gestalten und Menschen Perspektiven geben kann.“ Das schätzten auch seine Mitarbeiter: „Meine Leute sind so gut, wie ich selbst bin“, sagt er. Man müsse immer ein Vorbild sein und ein gutes Klima schaffen. Bei einer Umfrage des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) hat das Brass-Autohaus in der Kreisstadt im vergangenen Jahr in der Kategorie „Mitarbeiterzufriedenheit“ die Traumnote 1,23 bekommen. „Das macht mich schon sehr stolz“, sagt Statovci. Gleiches gilt für seine Wahlheimat Dietzenbach. Er lebe gerne dort, sieht sich auch ein Stück weit als dessen Botschafter, zumal er auch im Wirtschaftsrat sitzt.

Auch nun, während die Autoindustrie in der Krise steckt und die Corona-Pandemie immer noch allgegenwertig ist, ist er von der Expansion überzeugt: „Die Mitarbeiter und die Kunden haben es verdient, die Nachfrage ist da.“ Lediglich im Privatkundengeschäft habe es starke Einbrüche gegeben, bei Hybrid- und Elektro-Autos sei die Nachfrage groß. Auch beim Werkstattbetrieb habe es keinen Einbruch gegeben, „systemrelevante Personen haben wir bevorzugt behandelt und ihnen Sonderkonditionen gewährt“.

Statovci steht auf dem neun Meter hohen Parkdeck und lässt den Blick über die Baustelle schweifen. Überall wird gehämmert, gebohrt und gebaggert. Im November soll alles fertig sein, trotz Corona, sagt der 45-Jährige. Generalunternehmer des Bauvorhabens ist mit der Ten Brinke Group, die das Rathaus-Center gebaut hat, kein Unbekannter. Wert wurde auf Nachhaltigkeit gelegt. So gibt es unter anderem eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach, E-Ladesäulen auf dem Gelände und großzügige Begrünung. Verkäufer werden auf E-Autos spezialisiert, erwähnt Statovci. Angst vor der Zukunft habe er nicht. „Wir sind sehr gut aufgestellt.“ (Von Ronny Paul)

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