„Die Stadt muss Konzepte entwickeln“

Ärger über Müll in Dietzenbach

Nach der Beschwerde von Ingo Hille (linkes Bild) sammelte die Stadt die Müllsäcke zwar ein, der Müll blieb jedoch liegen.
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Nach der Beschwerde von Ingo Hille (linkes Bild) sammelte die Stadt die Müllsäcke zwar ein, der Müll blieb jedoch liegen.

Wer auf Dietzenbacher Gemarkung Verunreinigungen oder Müllablagerungen meldet, muss sich in der Verwaltungsorganisation der Stadt gut auskennen. Sind doch nach Auskunft der Stadtwerke und der Städtischen Betriebe „Zuständigkeiten“ dafür entscheidend, ob der Müll entsorgt wird, liegen bleibt oder per Wind weiter seinen Weg durch die Stadt nimmt.

Dietzenbach – Das ganze Thema lasse sich „nur bedingt bürgerfreundlich erklären, da es von außen gesehen unsinnig wirkt“, teilen die Eigenbetriebe mit. Empfänger dieser Aussage per Mail ist im konkreten Fall Ingo Hille. Bereits am 19. Februar hatte der Anwohner der Vélizystraße eine starke Verunreinigung auf einer Fläche mitten in der „Neuen Stadtmitte“ angezeigt. Zwar wurden die umherliegenden Müllsäcke nach Auskunft des Anwohners tatsächlich nach rund zwei Wochen abgeholt. Liegen geblieben ist indes alles an Unrat, was aus den Behältnissen entfleucht war. Bis heute verteilt sich der Müll über die Stadt. Der Grund: „Das sind andere Zuständigkeiten“, stellt Thomas Vollmuth, Geschäftsführer der Stadtwerke und Kaufmännischer Geschäftsführer der Städtischen Betriebe, fest.

Nicht nur Ingo Hille, der eine der hochpreisigen neuen Wohnungen entlang der Vélizystraße gekauft hat, wundert sich immer mehr über die Müllpolitik der Stadt und ihrer Eigenbetriebe. Auch aktuell wieder häufen sich in den Sozialen Medien und bei Anrufen von Dietzenbacher Zeitungslesern die Beschwerden über Müll und Dreck im Stadtbild. „Ja, es ist in erster Linie eine Sauerei der Verursacher“, sagt Hille ebenso wie viele Facebook-Nutzer. Dennoch sei die Stadt in der Pflicht, greifende Konzepte zu entwickeln und anzuwenden, um der zunehmenden Verschmutzung Herr zu werden. Dabei stelle sich die Frage, ob überhaupt nach den Verursachern geforscht werde. „Und bei der Entsorgung mit dem Finger auf andere zu zeigen, die zuständig sind, bringt uns nicht weiter.“ Gerade in einer Zeit, in der coronabedingt mit Essensbehältern aus vielerlei Bestellungen oder Masken mehr Müll anfällt.

Dagegen erinnert Vollmuth daran, dass die Kosten „verursachergerecht“ verteilt werden müssten, damit weder der Gebührenzahler, noch der städtische Haushalt unsachgemäß belastet werde. So sei für das sogenannte Littering, das achtlose Wegwerfen von Abfall, egal ob Sammelbehälter vorhanden sind oder nicht, auf den Hessen-Mobil-Flächen auch Hessen Mobil selbst für die Entsorgung zuständig. Allerdings mit einer Einschränkung: „Sperrige illegale Abfallablagerungen“ holt nach wie vor die Städtische Einsatzgruppe ab. „Das soll mal einer verstehen, das ist doch in der Praxis wirklich nicht mehr nachvollziehbar“, wendet Hille ein. „Und selbst wenn, warum muss es dann so lange dauern, bis endlich etwas geschieht?“ Vielleicht setze man auch manchmal einfach darauf, dass sich die Sache von selbst erledige, mutmaßt Hille aufgrund seiner Erfahrungen: Am 19. Februar ging die Anzeige der Müllablagerung den Städtischen Betrieben zu, sechs Tage später machte Hille darauf aufmerksam, dass die Ablagerung immer noch vorhanden sei, sich inzwischen aber großflächig verteilt habe. Fazit: keine Antwort. Also schickte er drei Tage später eine weitere Nachfrage auf den Weg. Auch hier war eine Rückmeldung Fehlanzeige. Bürgermeister Jürgen Rogg und Erster Stadtrat Dieter Lang, an die sich Ingo Hille zwischenzeitlich auch gewandt hatte, regierten ebenso nicht. Erst am 1. März konnte der Bürger feststellen, dass die gemeldeten illegalen Mülltüten abtransportiert wurden. „Der herumliegende Müll aber leider nicht, wahrscheinlich gehört er Hessen Mobil“, stellt er ironisch fest.

Mehr als Ironie, eher sogar harsche Worte haben ganz aktuell die Nutzer der Sozialen Medien parat, wenn es um das Thema „Müll in der Stadt“ geht. So werden unter anderem Anfang März mehrere Bilder von einer stark vermüllten Grünfläche nahe des Friedhofs gezeigt. In den Kommentaren finden sich ebenso Stellungnahmen zum Thema des Grünquartiers am Wingertsberg, das seit Jahren in der Kritik steht. „Total schlimm, was aus diesem Gebiet geworden ist“, stellt einer der Nutzer mit noch netten Worten fest. Ein weiterer Post zeigt, dass ganze Haushaltsmülltüten einfach mitten in der Stadt abgestellt werden, gerügt werden ebenso Hundekotansammlungen und regelmäßige eklige Hinterlassenschaften auf dem Grillplatz am Geschichtspfad. Das alles sei eine „unglaubliche Sauerei“ und ein „unmögliches Verhalten“, werden die Umweltsünder kritisiert. Ebenso befinden die Kommentatoren auch hier: „Immer nur hinterher aufzuräumen hilft uns nicht weiter.“ Es fehlten Kontrollen und Konsequenzen.

Vom Aufräumen indes können die Teams der Stadtwerke und der Städtischen Betriebe ein Lied singen. So werden nach Auskunft von Thomas Vollmuth öffentliche Flächen wie etwa der Parkplatz in der Altstadt, die Grünflächen auf dem Wingertsberg oder die Grünachse zwischen Altstadt und Bildungshaus wöchentlich gereinigt. Dem Beobachter zeigt sich dabei, dass es manchmal nur Stunden zu dauern scheint, bis sich der Unrat wieder angesammelt hat. (Von Barbara Scholze)

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