Vom Keller ins Radio

Der 16-jährige Ron Wengenmair produziert seine eigenen Songs

Tonstudio im Jugendzimmer: Im Keller seines Elternhauses komponiert und textet Ron Wengenmair seine Songs und nimmt sie auf. Foto: Schmedemann
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Tonstudio im Jugendzimmer: Im Keller seines Elternhauses komponiert und textet Ron Wengenmair seine Songs und nimmt sie auf.

Musiktalent aus Dietzenbach: „I Want To Love You“ heißt das erste englische Lied von Ron Wengenmair.

Dietzenbach – Wer in diesen Tagen den Internetstream von Radio Dietzenbach einschaltet, hört bisweilen auch die Stimme eines jungen Kreisstädters. „I Want To Love You“ heißt das erste englischsprachige Lied von Ron Wengenmair. Auch wenn die Zeilen in einer Fremdsprache verfasst sind, sagen sie doch deutlich: Auf dem Hexenberg schlummert ein Talent.

Die Vermutung, dass der 16-Jährige in einem Musikerhaushalt aufgewachsen ist, bestätigt sich nicht. Zwar spielt der Vater Saxofon und der Sohn tut es ihm seit seiner Kindheit gleich. In der Montessori-Schule war Ron Mitglied der Schülerband. „In Kontakt mit Instrumenten bin ich also schon relativ lange“, erzählt er. Die ersten Versuche, eigene Songs zu komponieren, startet Ron Jo Wey – seinen Nachnamen findet der Jungmusiker zu lang – im Januar 2019. Was zunächst als Spielerei auf dem Tablet anfängt, wird recht schnell zur Leidenschaft. Die App „Garageband“ bietet im kleinen Rahmen viele Möglichkeiten, die Ron ausprobiert hat: Verschiedene Tonspuren ergeben mit wenigen Handgriffen schon das erste „Musikstück“. Die Melodie? „Die kommt mir eben in den Sinn“, erläutert er. Manchmal textet er die Zeilen auf die Musik, manchmal ergeben die Worte die Melodie. Ältere Lieder hat Ron Jo Wey auf Deutsch verfasst. Allerdings nicht zu seiner Zufriedenheit: „Die Texte sind ironisch bis kritisch, aber das hat nicht jeder verstanden.“

Dass die ersten Lieder dem Rap-Genre zuzuordnen sind, hilft dabei nicht zwingend. Ron erläutert: „Deswegen habe ich jetzt mal etwas Englisches in der Pop-Richtung ausprobiert.“ Das ginge leichter ins Ohr und sei einfacher verständlich. Die Textideen sind zwar vom Alltag des Oberstufenschülers inspiriert, aber kein offenes Tagebuch. So texte er das, was gut passt. „Außerdem ist das mit Englisch noch mal eine andere Distanz“, findet er. Würde er weiter auf seiner Muttersprache singen, so nähmen die Zuhörer auch die gesungenen Wörter für bare Münze. Er führt aus: „Die Leute glauben mir dann wirklich jedes Wort – so soll es ja auch nicht sein.“

Um sich beim Singen selbst begleiten zu können, nimmt Ron seit etwas mehr als einem Jahr Klavierunterricht. Schließlich eignet sich ein Saxofon schlecht dazu. Inzwischen hat er sich die vollwertige PC-Version der App besorgt. „Damit mischen teilweise auch die großen Musiker“, weiß der 16-Jährige. Auch ein Umzug in den Keller des Familienhauses stand an: Mikrofonständer, Kopfhörer und Boxen verwandeln das eigentliche Jugendzimmer in ein kleines Tonstudio. Corona hat viel Zeit geboten, die Ron an eben jenem Arbeitsplatz verbracht hat. „Bei schönem Wetter sitze ich auch mal mit dem Laptop draußen“, scherzt er. So richtig kreativ wird er aber meistens nach Mitternacht. Selbst bezeichnet er sich als Perfektionisten. „Das neue Lied hat drei Monate gedauert, wäre ich nicht so kritisch mit mir selbst, wäre es bestimmt schneller fertig gewesen.“

Musikalischen Austausch hat Ron Jo Wey mit seinen früheren (Schüler-)Bandkollegen, die es seit Ende Januar wieder sind. In Hannah Wurm und Miklas Benz trifft er alte Bekannte in der Band „WireFire“. Gemeinsame Proben der insgesamt sechsköpfige Truppe begrenzen sich zurzeit allerdings auf Videokonferenzen. „Zusammen spielen kann man über solche Verbindungen vergessen – aber wir nehmen einzeln Ideen auf und sprechen dann darüber“, erläutert der Keyboarder den Ausnahmezustand. Dennoch: Die Band veröffentlicht demnächst das erste Album. „Ein Song darauf ist von mir“, sagt der Neuzugang mit einem Lächeln, das sowohl Stolz als auch Verlegenheit verrät. Ein Perfektionist eben.

Von Lisa Schmedemann 

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