Zweiter Prozesstag

„Das ist ekelhaft, der könnte doch mein Sohn sein" - 22-Jähriger soll obdachlose Frau vergewaltigt haben

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Prozess wegen der mutmaßlichen Vergewaltigung einer 55-jährigen Frau.

Ein junger Mann hat den Zustand seines mutmaßlichen Opfers wohl schamlos ausgenutzt. Zum Prozess jedoch erschien die 55 Jahre alte obdachlose Frau nicht. 

Dietzenbach – Auch am zweiten Prozesstag gegen einen 22-jährigen Untersuchungshäftling, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, am 7. Februar eine 55-Jährige in Dietzenbach vergewaltigt zu haben, fand die Hauptbelastungszeugin wieder nicht den Weg ins Gerichtsgebäude.

Das ist wohl fehlender Kommunikation geschuldet.

Als das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer am ersten Verhandlungstag nicht erschienen war, hatte Richter Manfred Beck angeordnet, die Polizei solle die alkoholkranke Obdachlose 24 Stunden vor dem nächsten Prozesstag in Gewahrsam nehmen, um einigermaßen sicher zu stellen, dass die Frau dann aussagen wird. Die Suche nach ihr hatte offenbar erst ein paar Stunden vor dem anberaumten Termin begonnen. Nachts hatten Beamte mit der Frau noch in einer anderen Sache Kontakt gehabt. Die Polizisten wussten da jedoch nicht, dass die Obdachlose zu dem Zeitpunkt längst in Gewahrsam sitzen sollte. So bedarf es eines weiteren Verhandlungstages.

Dietzenbach: Hilferufe aus dem unteren Geschoss des Parkdecks

Ein Privatwachmann erzählt, wie Kollegen am 7. Februar kurz vor Mitternacht Hilferufe aus dem unteren Geschoss des Parkdecks am Wertheimer Weg hörten und nachsahen, was dort los ist. Man fand den Angeklagten und die mutmaßlich Geschädigte, „beide vollständig gekleidet“. Er sei als letzter hinzugekommen.

Die Frau kannte er schon. Ein paar Tage zuvor habe er sie in Begleitung eines älteren Mannes von einem Hauseingang verwiesen, „die behinderten dort die Leute“. Die 55-Jährige könne man sofort als Alkoholikerin erkennen. In besagter Nacht habe sie stark betrunken gewirkt. „Der hat mich vergewaltigt“, habe sie erklärt, was der Angeklagte bestritt. Es sei kein Problem gewesen, den Verdächtigen bis zum Erscheinen der Polizei am Gehen zu hindern.

Nach dem Eintreffen der Beamten soll es mit der Ruhe des 22-Jährigen jedoch nicht mehr weit her gewesen sein. Der von gut 1,5 Promille Alkohol im Blut und Cannabiskonsum beeinflusste Mann habe sich renitent gebärdet. Ein Polizist sagt aus, man habe ihn schließlich gefesselt, um ihn mitzunehmen. Über den Vorwurf der Vergewaltigung und seine Rechte habe man ihn nicht sofort belehren können, „sein deutsch war zu schlecht“. Auf einem vorbereiteten Zettel mit Standartantworten in verschiedenen Sprachen habe er auf der Wache schließlich auf den entsprechenden Satz in Dari gezeigt, dass er die Aussage verweigere. Zwischendurch sei er auf seinem Stuhl eingeschlafen.

Opfer mit rund drei Promille

Eine Polizistin befragte das mutmaßliche Opfer, das sich mit rund drei Promille erst mal auf dem Bürofußboden schlafen gelegt hatte. Die Frau habe sich dann aber nicht nur klar, sondern auch gewählt ausgedrückt. Auch wenn sie offensichtlich die Zeitabläufe durcheinander brachte, habe sie ihr gegenüber glaubhaft gewirkt.

Die Obdachlose erklärte, der Angeklagte habe ihr in der Kälte in Aussicht gestellt, sie in die Wohnung eines Cousins mitzunehmen. In der Garage habe er ihr die Hose heruntergezogen und sie penetriert. Immer wieder, berichtet die Polizistin, habe die 55-jährige von ihrem zugehaltenen Mund erzählt, von ihrem „schäbigen Gefühl“ und ihrem Unverständnis der Tat: „Das ist ekelhaft, der könnte doch mein Sohn sein.“ Sie hätte versucht, sich zu wehren, doch gegen die Griffe des jungen Mannes keine Chance gehabt.

An der linken Schulter der Frau hatte sich bei der ärztlichen Untersuchung ein Hämatom gefunden. Das könnte sich mit der Aussage der Frau decken, der Angeklagte habe sie an der Stelle festgehalten.

Von Stefan Mangold 

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