Handballhelden zu Besuch

78er-Weltmeisterspieler um Jo Deckarm und Heiner Brand tragen sich ins Stadtbuch ein

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Weltmeisterliche Unterschrift: Jo Deckarm und Heiner Brand tragen sich ins Stadtbuch ein. Mit auf dem Gruppenbild ist unter anderem Bürgermeister Jürgen Rogg (rechts).

Die Handballweltmeister von 1978 haben die Kreisstadt besucht. Die Spieler haben sich bei einem offiziellen Empfang im Rathaus in das Stadtbuch eingetragen.

Dietzenbach – Handball hat in Dietzenbach große Tradition. Zwischen 1971 und 1983 spielte die Herrenmannschaft der SG in der Bundesliga und gewann einmal sogar die Süd-Meisterschaft. Namen wie Klaus Rettig, Herbert Wehnert, Claus Hormel, Peter Fenn, Norbert Kern und Heinrich Daum sind eng mit dem damaligen Erfolg verknüpft. Viele aus dem Dietzenbacher Kader spielten auch in der Deutschen Nationalmannschaft. Die Freundschaften, die sich damals gebildet haben, sind auch heute noch erhalten. So treffen sich die Handballer in regelmäßigen Abständen. Dass die Deutsche Weltmeistermannschaft von 1978 nun in Dietzenbach Halt gemacht hat, ist der engen Freundschaft zwischen Claus Hormel und Norbert Kern zu verdanken.

Zum offiziellen Empfang begrüßte Bürgermeister Jürgen Rogg die Gäste im Großen Sitzungssaal des Rathauses. Rogg stellte sich selbst als „Handballbegeisterter“ vor und betonte, dass der Sport in Dietzenbach eine lange Tradition habe. Als Dankeschön überreichte Horst Spengler, Mannschaftskapitän der Weltmeistermannschaft, ein von allen Spielern signiertes Gruppenbild von 1978.

Neben Heiner Brand, der als Trainer mit der Handballnationalmannschaft 2007 die Weltmeisterschaft gewann, waren Kurt Klühspies, Winfried Damm und Gerd Rosendahl sowie viele weitere namhafte Spieler in Dietzenbach.

Auch Weltmeister Joachim „Jo“ Deckarm: Es war einer der bewegenden Momente, als er seinen Namen in das Buch der Stadt Dietzenbach eintrug. Der Handballnationalspieler, der in seiner aktiven Zeit beim VFL Gummersbach viele nationale und internationale Titel holte, galt als „bester Handballer der Welt“. Zu seinen größten Erfolgen gehört der WM-Gewinn 1978 in Dänemark.

Doch der Name Joachim Deckarm ist auch mit einer der schmerzlichsten Stunden in der Geschichte des Handballs verbunden. Während des Europapokalhalbfinales am 30. März 1979 gegen die ungarische Mannschaft Tatabánya stößt Deckarm mit Lajos Pänovics zusammen und fällt mit dem Hinterkopf unglücklich auf den harten Betonboden. 131 Tage liegt der Gummersbacher Rückraumspieler im Koma und ist seitdem an den Rollstuhl gebunden. Der für seinen Lebenswillen und -mut vielfach Geehrte und seine nach ihm benannte Stiftung werden seitdem von seinen ehemaligen Mitspielern tatkräftig unterstützt. „Es ist die tiefe Gemeinschaft, die uns auszeichnet“, sagt Claus Hormel, ehemaliger Kreisläufer der SG und Mitglied der Weltmeistermannschaft. Eine Gemeinschaft, die laut Herbert Wehnert (SG) auch dem Erfolg des damaligen Weltmeistertrainers Vlado Stenzel – Spitzname „Der Magier“ – zu verdanken ist. „Er hat uns zu einem richtigen Team zusammengeschmiedet“, erzählte er.

Einmal im Jahr, in der Regel um Fronleichnam herum, treffen sich die Weltmeister von 1978 und verbringen Zeit miteinander. „Früher haben wir noch Freundschaftsspiele ausgetragen, um die Stiftung von Joachim zu unterstützen“, berichtete Hormel. Dass sei allerdings heute nicht mehr möglich.

VON BURGHARD WITTEKOPF

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